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Hat die HEMA-Szene ein Fitnessproblem? Alexander und Michael sprechen darüber, warum Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Stabilität im historischen Fechten oft zu kurz kommen.
Alexander und Michael diskutieren, was HEMA von BJJ, Boxen, MMA und anderen Sportarten lernen kann und wie sich Athletiktraining auch mit knapper Hallenzeit sinnvoll in den Trainingsalltag integrieren lässt.
Das nimmst du mit
- Warum Verletzungsprävention die Basis bildet, noch bevor es um sportliche Leistung geht
- Weshalb mehr Trainingszeit nicht automatisch besseres Athletiktraining bedeutet
- Welche Rolle Stabilität, Beweglichkeit, Landungen und ein sinnvolles Aufwärmen spielen
- Wie kurze, intensive Fitnessblöcke im regulären HEMA-Training funktionieren können
- Warum Trainerbildung und eine bewusste Vereinskultur entscheidend sind
Kapitel
- 00:00 Warum HEMA ein Fitnessproblem hat
- 02:55 Verletzungsprävention oder Leistungssteigerung?
- 03:45 Was andere Kampfsportarten anders machen
- 08:20 Wie oft trainiert die HEMA-Szene?
- 13:25 Warum Trainingszeit allein nicht reicht
- 24:51 Warum Menschen mit HEMA anfangen
- 37:33 Das Bild vom Schwertkampf in den Medien
- 44:01 Fitness als Verletzungsprävention
- 54:04 Aufwärmen, Trainerwissen und Ausbildung
- 01:06:41 Leistungssteigerung und passende Experten
- 01:22:21 Zielgruppen, Trainingskultur und neue Mitglieder
- 01:23:29 Weiterführende Folgen und Fazit
Shownotes
Die Umfrage dauert etwa drei Minuten und ist noch keine Anmeldung. Wenn du bei der konkreten Planung informiert werden möchtest, kannst du am Ende deine Mailadresse hinterlassen.
- Athletiktraining fürs Fechten feat. Eliseo Farina (SG 115)
- Verletzungsprävention – Schmerzfrei trotz HEMA feat. Anna Wiederänders (SG 169)
- HEMA-Trainerausbildung von Paul Becker & Michael Schüle (SG 183)
- Welche Identität hat deine HEMA-Gruppe? (SG 74)
- Fechten, Finten, Funnel: Marketing-Grundlagen für Kampfsport (SG 166)
In eigener Sache
Schwertgeflüster ist der HEMA-Podcast von Alexander Fürgut und Michael Sprenger. Alexander ist Trainer und Mitgründer der Schwabenfedern Ulm, Autor von Der Schielhau im Detail, fechtet Langschwert und Rapier und betreibt HEMA Hell Apparel. Michael ist Trainer und Mitgründer vom Fencing Club Dresden und fechtet vor allem Langschwert und Säbel.
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Fragen, Anmerkungen oder Gastvorschläge? Schreib an post@schwertgefluester.de oder komm auf unseren Discord-Server.
Transkript
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Warum HEMA ein Fitnessproblem hat
[00:04] Michael: Schwertgeflüster, der HEMA-Podcast mit Alexander Fürgut und Michael Sprenger. Ja, liebe Hörer, hier ist wieder Schwertgeflüster, der Pöbel-Podcast, heute mal wieder mit einem provokanten Titel, Warum HEMA ein echtes Fitnessproblem hat. Der Alex und ich an dieser Stelle erstmal, hallo Alex.
[00:28] Alexander: Hallo, hallo.
[00:30] Michael: Sind natürlich, mit Abstand gehören wir natürlich zu den fittesten Fechtern in ganz HEMA Deutschland.
[00:37] Alexander: Auf jeden Fall gehören wir zu den fittesten Fechtern HEMA Deutschlands.
[00:41] Michael: Und wir wollen heute mal über die ganzen Lappen herziehen, die das nicht sind. Nein, wie sind wir drauf gekommen? Alex und ich hatten ja bei uns in unseren Vereinen die Anna, bekannt aus dem Podcast, mehrfacher Gast bei uns im Podcast gewesen. Und sie hat da sowohl bei den Schwabenfedern als auch bei uns bei Fencing Club einen ganz wunderbaren zweitägigen Kurs gehalten, wo es eben darum ging, wie erwärmt man sich richtig, wie bereitet man sich richtig auf das Training vor, wie konditioniert man seinen Körper auch richtig, also sozusagen das Krafttraining. Und im Gespräch mit Anna und den Teilnehmern und jetzt Alex und ich haben wir so festgestellt,
[01:29] Michael: irgendwie ist Fitness nicht unbedingt das, woran man denkt, wenn man HEMA hört. Also wenn man sich einen durchschnittlichen HEMA in Anführungsstrichen Athleten vorstellt, dann ist das nicht so dieser krass durchtrainierte, stählerne Typ, der das Schwert mit einer Hand zu biegen kann und sich quasi von A nach B mit seinen Füßen teleportieren kann, sondern das ist eher nicht, also ich will nicht sagen, dass die HEMA Szene jetzt total unfit ist, aber das steht nicht ganz ganz oben das Thema und heute wollen wir mal darüber reden.
[02:21] Alexander: Genau, also ich meine, diese Leute gibt es schon, die sehr fit sind, auch Männlein wie Weiblein, wir reden aber natürlich über den Durchschnitt, weil das ist ja irgendwie sowas, was,
[02:30] Michael: man kann nicht immer nur an die Spitze krücken sozusagen, wo ich das natürlich gerne mache, lieber nach oben orientieren als nach unten, aber heute gucken wir mal auf die breite Menge und da ist die erste Frage, ist es denn überhaupt so, wir sind hier mit diesem provokanten Titel reingegangen, dass die HEMA Szene ein Fitnessproblem hat, aber ist das überhaupt so?
Verletzungsprävention oder Leistungssteigerung?
[02:55] Alexander: Also, eins mal vielleicht noch vorneweg, kurze Erläuterung für die Leute, die das nicht wissen, dieses Seminar von Anna, das ist ein Gesundheits- und Verletzungspräventionsseminar gewesen, also da ging es noch gar nicht um Leistungssteigerung, das war nur, welche Fitness braucht man quasi, um sein Verletzungsrisiko möglichst zu minimieren. Und Leistungssteigerung, also so fit zu sein, dass man wirklich dann relevanten Vorteile davon hat gegenüber anderen Leuten, das ist halt irgendwie noch mal eine ganz andere Schiene so, und man kann ja so ein bisschen gucken, wie sind so Trainings aufgebaut bei den verschiedenen
[03:31] Alexander: Gruppen, auf was wird da der Schwerpunkt gelegt, da sieht man ja schon so ein bisschen, was den Leuten wichtig ist und was nicht, und da kannst du so ein bisschen gucken, was die Leute privat noch machen außerhalb des Trainings, und dann kannst du halt vor allem so ein bisschen vergleichen, wie läuft denn das bei anderen Kampfsportarten, und da kann ich schon sagen, wie schon vielfach erwähnt, ich war ja zwei Jahre in einem Gym, wo es BJJ, MMA, Boxen und Muay Thai gab, also sozusagen alles einmal abgefrühstückt, und ja, da war es halt total normal, dass du halt irgendwie vier, fünfmal die Woche da im Training warst, und dann auch nicht
Was andere Kampfsportarten anders machen
[04:09] Alexander: selten, sondern auch eher üblich, dass du da nebenher halt noch irgendwie Krafttraining gemacht hast, also zum Beispiel so was wie, du machst irgendwie morgens noch zwei, drei mal die Woche oder so, und gehst halt abends dann zum Grappling oder zum MMA oder zu was auch immer, und die Menge HEMA-Personen, die das so macht, die ich bisher so kennengelernt habe, die kann ich auch an einer Hand abzählen. Also da beschleicht mich schon ganz stark der Eindruck, das ist irgendwie anders, also natürlich die Stunden sind ein bisschen anders aufgebaut, also das waren immer so Stundeneinheiten, und theoretisch kannst du dann halt viermal die Woche jeweils eine Stunde
[04:47] Alexander: ins Training gehen, dann bist du zeitlich genauso, wie wenn du zwei mal zwei Stunden gehst, aber meistens haben ja die Leute mehrere Sachen gemacht, und sind dann auch mindestens irgendwie zwei Einheiten nacheinander geblieben, oder manche sogar drei, also das Trainingspensum an sich war ein bisschen anders, aber es war ein bisschen anders. Da würde ich behaupten, trotzdem höher, auch wenn einzelne Einheiten kürzer waren.
[05:04] Michael: Okay, also eine Einheit war da jetzt nicht so lang, dafür aber verteilt mehrere über die Woche.
[05:11] Alexander: Genau, also du konntest quasi im Grunde jeden Tag halt alles trainieren, oder fast alles, und dann bist du halt zu dem hin, was dir am meisten interessiert hat, und bist dann entweder eine vorher oder eine nachgeblieben, oder hast quasi drei nacheinander gemacht, je nachdem. Also irgendwann waren die Kids und Jugendlichen dran, da konntest du natürlich nicht einfach so mitmachen als Erwachsener, aber irgendwann gingen quasi die Erwachsenentrainings los, typischerweise so um sechs, und dann halt auch bis neun oder zehn, dann durch mit drei oder vier Einheiten jeweils.
[05:34] Michael: Ich glaube, da hast du aber schon einen der Hauptpunkte analysiert, nämlich die Frequenz des Trainings. Ich denke, die wenigsten Vereine haben den Luxus, dass sie mehr als zwei Einheiten pro Woche haben zum Trainieren, wenn überhaupt zwei. Also ich glaube, ganz viele, die treffen sich einmal pro Woche, und dann ist die Frage, was packst du in, sagen wir mal, anderthalb oder zwei Stunden einmal pro Woche rein?
[06:07] Alexander: Das sind ja häufig auch so gewerbliche Gyms, ja, also wenn du natürlich irgendwie, damit zumindest nebenberuflich Geld verdienen willst, dann musst du auch ein großes Angebot machen, da kannst du nicht irgendwie nur zweimal die Woche Training anbieten oder so.
[06:20] Michael: Aber wenn wir jetzt sozusagen den Durchschnitts-HEMA Club haben, gemeinnützigen Verein, da würde ich schon eher sagen, sind wir bei ein bis zweimal die Woche statt bei zwei bis dreimal oder geschweige denn mehr. Wie ist deine Erfahrung dazu?
[06:37] Alexander: Ich weiß gar nicht, ob das noch stimmt tatsächlich, wo ich aber vorhin noch kurz dazu sagen wollte, bei denen, also es gibt inzwischen, oder das war eine von den Resultaten, als dieses Gym zugemacht hat, da haben halt die Leute, die da zum Beispiel BJJ gemacht haben, verschiedene andere, also sich auf verschiedene andere Sachen verteilt und die haben zum Beispiel auch sich einen Verein angeschlossen, wo es jetzt quasi BJJ über einen Verein gibt und da haben sie auch einfach anderthalb Stunden Einheiten, also so wie es im HEMA ja auch gar nicht so unüblich ist, also das gibt es schon auch. Aber zu der Frage, wie ich das sehe, also das war auf jeden Fall so, als
[07:13] Alexander: ich angefangen hatte, da waren Hallenzeiten und so ein Luxus und ich glaube, das hängt schon auch ein bisschen mit dem Reifegrad von den Vereinen auch zusammen und halt in welcher Stadt die sind, wie wir Hallenzeiten man da kriegt und so, aber ich habe schon einen Eindruck, inzwischen gibt es auch genug Gruppen, also vor allem die größeren, da bist du schon mit dreimal die Woche dabei oder sogar viermal oder so.
[07:31] Michael: Aber würdest du sagen, dass der Durchschnitt, also dass das den, dass das repräsentativ für die HEMA Szene ist für Gesamtdeutschland, alle 5000 über den Daumen Leute, die das machen?
[07:45] Alexander: Nee, das wahrscheinlich nicht, aber ich glaube, es sind nicht mehr so wenige, weil, also wenn es jetzt nach Anzahl Gruppen geht, dann klar, dann ist auf jeden Fall nicht die Mehrheit, aber wenn du jetzt nach Anzahl Mitgliedern gehst, weil das halt typischerweise größere Gruppen sind, könnte ich mir schon vorstellen, dass wir da irgendwo im Bereich von einem Viertel der Luxus sind. Aber es gibt ja auch andere Leute, die zumindest diese Möglichkeit haben, beziehungsweise andersrum, wenn du jetzt natürlich in der Stadt bist und da gibt es ja auch häufig dann mehrere HEMA-Vereine, wenn die Stadt ein bisschen größer ist. Wenn die jetzt nicht alle an
[08:12] Alexander: den gleichen Tagen im Unterricht haben, kannst du ja auch in zwei oder drei Gruppen Mitglied sein und da kommst du auch wieder auf deine vier, fünf Trainingseinheiten die Woche, wenn du das wirklich möchtest.
[08:20] Michael: Wollte ich gerade sagen, wenn du das wirklich möchtest. Jetzt machen wir mal eine repräsentative Stichprobe. Wie viel Training habt ihr pro Woche?
Wie oft trainiert die HEMA-Szene?
[08:27] Alexander: Drei Mal. Also es sind mehr Einheiten und wir haben quasi drei Hallenzeiten und bei der einen Hallenzeit ist halt Anfängerkurs und regulärer Kurs parallel, aber im Endeffekt bist du Montags zwei Stunden, Dienstags zwei Stunden, Donnerstags drei Stunden, also insgesamt zehn Stunden Training pro Woche. Für neun Stunden.
[08:49] Michael: Das ist jetzt nur Langschwert.
[08:53] Alexander: Bisschen warm heute. Also nochmal. Drei plus zwei plus zwei gibt’s
[08:57] Michael: sieben Stunden. Das ist jetzt nur Langschwert oder alle Disziplinen?
[09:04] Alexander: Dienstags ist es ja Rapier, das heißt es ist quasi Montags Langschwert, Donnerstags Langschwert, also kannst fünf Stunden nur Langschwert machen und dann nochmal zwei Stunden im Rapier trainieren.
[09:11] Michael: Das bei uns ungefähr genauso, nur dass eben statt Rapier bei uns Säbel trainiert wird, aber würde ich sagen von der Menge her auch so. Damit hätte ich jetzt aber gesagt, sind wir schon am oberen Ende von dem, was so wirklich bei qualitatives Training ist. Da komme jetzt gleich noch dazu, was was das ausmacht. Aber würde ich sagen, sind wir am oberen Ende dessen, was die reine Menge angeht an an bei HEMA Verein.
[09:48] Alexander: Das meine ich halt. Ich meine, das hat ja wir haben ja auch mal angefangen. Das war halt zwei Trainings pro Woche hatten mit irgendwie anderthalb zwei Stunden so. Aber das ist halt schon auch, also ich meine gut, wir haben Termine, ja, aber so Trainingszeiten. Es gibt also keine Ahnung, wenn du jetzt nach Berlin schaust mit den ganzen Vororten und so, da hast du schon einfach viele Möglichkeiten zu trainieren. Selbiges natürlich in München jetzt zum Beispiel. Klar, das sind jetzt irgendwie zwei Extrembeispiele. Aber du kannst halt, wenn du also vor allem, wenn du ein bisschen Fahrbereitschaft mitbringst, durchaus halt deinen HEMA Pensum ziemlich
[10:26] Alexander: hochschrauben. Wien, genau das gleiche, natürlich in Wien gibt es ja 100 und einen HEMA Verein so. Aber klar, der Durchschnitt ist das jetzt nicht.
[10:33] Michael: Da muss man jetzt aber unterscheiden, was ist das Angebot der Gruppe oder des Vereins und was nämlich persönlich davon war. Also ich kann ja auch alleine sozusagen nehmen. Ich bin komplett gestörter HEMA HEMA Fechter und will Turniere sind mein Ding und ich will in Wettbewerben international ganz, ganz groß voraus. Und jetzt bin ich aufgrund meiner Lebensumstände irgendwo in der Pampa gestrandet, wo es einen Club gibt, der nur einmal die Woche trainiert. Da kann ich ja trotzdem mich dann selber kümmern, selber noch was, dass ich Zusatztraining machen, mir irgendein Gym suchen, zu Hause trainieren. Ich kann mir noch irgendwie jemanden schnappen im Sommer zumindest und
[11:23] Michael: sagen, lass mal nochmal hier im Park treffen oder im Hinterhof. Also das kann ich ja selber immer nochmal machen, nochmal aufdrehen. Aber die Voraussetzung, ich würde sagen, dass sich sowas entwickelt, liegt schon darin, ob es die Strukturen gibt, die das befürworten, also unterstützen, besser gesagt.
[11:50] Alexander: Ja, also ich habe jetzt nochmal geguckt, weil ich glaube nicht, dass wir am oberen Ende sind, wenn vielleicht auch im oberen Drittel mit den Trainingszeiten unserer Vereine. Ich habe jetzt nochmal als Stichprobe, weil ich wusste, dass das große Vereine sind, einmal bei Hammaborg geguckt und einmal bei Twerchhau aus Berlin, Hammaborg aus Hamburg, logischerweise. Hammaborg hat sieben Tage die Woche Training, Twerchhau hat sechs Tage die Woche Training und teilweise auch mehrere Einheiten nacheinander an einem Abend. Also zum Beispiel Twerchhau hat dienstags von 18 bis 21 Uhr 32 Einheiten, mittwoch 19 bis 21, nee bis 22
[12:26] Alexander: Uhr sogar, donnerstags vier Einheiten, wenn ich das richtig sehe. Und bei Hammaborg sieht das durchaus ähnlich aus, dass sie an manchen Tagen halt einfach mehrere Einheiten haben. Also keine Ahnung, freitags geht es 16 .30 Uhr los und 21 Uhr ist fertig und die haben halt sogar samstags noch mehrere Einheiten. Die eine davon geht einfach vier Stunden, die Liechtenauer-Grundlagen und sonntags auch nochmal. Also das ist halt, also das ist für mich oberes Ende, dass du wirklich einfach jeden Tag oder fast jeden Tag bis auf eine Ausnahme irgendwie hingehen kannst. Zum Beispiel bei Sprezzatura in Wien habe ich jetzt auch mal geschaut, auch relativ neue Gruppe.
[13:04] Alexander: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Also das ist schon, wenn du in einer ausreichend großen Stadt bist, können einzelne Vereine so ein breites Angebot abdecken. Das ist dann natürlich nicht alles lange Schwert, das sind ganz unterschiedliche Dinge, unterschiedliche Waffen auch. Aber das muss ja nicht schaden, zumindest stehst du in der Halle und bewegst dich.
[13:25] Michael: Ok, das heißt, jetzt nehmen wir mal an, an der Quantität liegt es nicht primär. Du hast jetzt gesagt, ok, es waren jetzt Extrembeispiele, große Städte, große Vereine, aber Trainingszeiten gibt es mehrfach die Woche auch mehrere Einheiten oder mehrere Kurse an einem Tag. War jetzt bei dem, was du gerade rausgesucht hast, irgendwo dediziertes Kraftathletik-Training dabei?
Warum Trainingszeit allein nicht reicht
[13:53] Alexander: Als eigene Einheit, gute Frage. Ich gucke mal kurz. Also das geht aus den Homepages natürlich nicht hervor, was die in den Kursen jeweils machen, aber es gibt keine eigene Athletik-Einheit tatsächlich.
[14:11] Michael: Dann ist jetzt genau das die Frage, was in den Kursen gemacht wird.
[14:17] Alexander: Also ich meine nochmal, um das ganz klar zu sagen, natürlich wenn irgendjemand komplett irgendwo auf dem Land sitzt und er hat eine HEMA-Gruppe und die haben einmal die Woche eine Hallenzeit, ist das natürlich pure Hohn zu hören, dass man irgendwo anders sechs Tage die Woche oder sieben sogar trainieren kann. Aber es leben halt auch, der große Leute lebt halt auch in den Städten und der Großteil der HEMAisten ist halt auch in den Städten. Nicht nur weil halt die Leute da wohnen, sondern weil es da halt auch die Angebote gibt. Also je größer die Stadt, desto größer das Angebot typischerweise. Und die ganz großen Städte sind halt nochmal extrem nach oben,
[14:48] Alexander: genauso wie halt die Leute auf dem Land halt sozusagen das Extrem nach unten sind, was die Möglichkeiten angeht, die sie da haben. Aber ich glaube schon eher, dass so ein Stadtangebot inzwischen eher das Ding ist. Also nicht sechsmal die Woche, aber dass du so zumindest drei, viermal die Woche trainieren könntest, ist glaube ich in vielen Städten durchaus möglich, weil es eben mehrere Vereine gibt typischerweise.
[15:13] Michael: Jetzt ist aber genau die Frage, die du gerade schon angerissen hast. Was findet in den Kursen statt? Also wenn es jetzt kein dediziertes Kraft-/Athletiktraining gibt, kann man sagen, oder Fitnesstraining, je nachdem, wie wir es nennen wollen, kann man sagen, ja, kein Problem. Das machen wir in den regulären Kursen mit. Das heißt, wenn du die Kurse mitnimmst, da ist auch immer irgendwie Athletik dabei. Mein educated Guess ist, das ist nicht der Fall.
[15:42] Alexander: Ja, ich mein, wissen tun wir es nicht.
[15:45] Michael: Wie ist es denn bei euch?
[15:48] Alexander: Die Einheit am Donnerstag, die drei Stunden geht, hat den dedizierten Fitnessteil mit drin in der Mitte. Also das hat mal angefangen, dass es quasi zwei eineinhalb Stunden Einheiten nacheinander waren, wo sozusagen von der zweiten Einheit vom Anfang und von der anderen vom Ende was weggekappt wurde und sozusagen noch das Fitnessteil in die Mitte integriert wurde, inklusive mit dann hinterher nochmal eine Pause zum Durchschnaufen und so. Und da ist es tatsächlich also ganz offiziell und auch so kommuniziert und so weiter. Es gibt explizites Fitnesstraining, also im Sinne von Krafttraining und so. Bei den anderen Einheiten hast du halt
[16:25] Alexander: normales Aufwärmen und sonst nix weiter und Handfechten und ja, Partnertraining.
[16:31] Michael: Also bei uns ist das was, was ich jetzt als Fitness bezeichnen würde, ist dienstags einmal eine recht intensive Beinarbeit Einheit. Da geht es hauptsächlich um Kraft Ausdauer für die Beine und Donnerstags haben wir bei uns einen recht langen Teil zu Schnellkraft am Anfang. Also einfach gesagt springen und sprinten und am Ende nochmal so einen funktionalen Fitnessteil, quasi so einen kleinen Finisher am Ende. Viertelstunde, funktionales Krafttraining, also Liegestütze, Klimmzüge, Rudern, Kniebeuge, was auch immer. Wo ich sagen würde, damit sind wir schon recht üppig. Also von dem, was ich von anderen Vereinen gehört habe oder mitbekomme.
[17:35] Michael: Da ist es in den seltensten Fällen so, dass überhaupt irgendwie Krafttraining gemacht wird oder überhaupt irgendwie so so ein Fitnessaspekt mit dabei ist.
[17:47] Alexander: Kannst du mir das mal in Minuten angeben? Also Aufwärmen rausgerechnet. Wie viele Minuten wendest du tatsächlich für den expliziten Fitnessteil jeweils auf?
[17:56] Michael: Dienstags sind es zehn Minuten und Donnerstags haben wir am Ende circa Viertelstunde. Und davor der Schnellkraftteil ist, Moment, jetzt muss ich kurz Fitness die Erwärmung rausrechnen. Sind wir bei nochmal einer halben halben Stunde ungefähr. Erwärmung, halben Dreiviertelstunde ungefähr. So für den Schnellkraftteil, der ist wirklich ein bisschen umfangreicher. Also eine Stunde am Donnerstag, zehn Minuten am Dienstag, reichliche Stunde pro Woche.
[18:31] Alexander: Und wie viel fechtet ihr nach der Stunde am Donnerstag dann noch?
[18:36] Michael: Am Donnerstag haben wir ungefähr, wenn reguläres Training ist, halbe Stunde ungefähr freifechten. Und also das Training geht von 18 .30 bis 22 Uhr, müssen 22 Uhr aus der Halle sein. Das heißt so bis 21 .30, 21 .45, drei Stunden ungefähr ist es.
[19:00] Alexander: Okay, das heißt also ihr macht diese Stunde Fitness plus Aufwärmen, dann noch halbe Stunde freifechten und dazwischen noch Partnertraining?
[19:10] Michael: Genau.
[19:13] Alexander: Ja, also ich glaube so irgendwie zehn Minuten mit reinnehmen ist jetzt nichts, was irgendwie total ungewöhnlich ist. Das habe ich durchaus auch bei vielen Vereinen schon gesehen, dass in dem Rahmen investiert wird in das Thema. Jetzt ab halbe Stunde aufwärts zusätzlich natürlich immer zum Aufwärmen. Und da ist dann schon so, dass glaube ich nicht so viele so bereit sind, die Zeit zu investieren.
[19:34] Michael: Ich glaube auch, dass die Sachen, die jetzt mit reingenommen werden, also zehn Minuten, ich glaube die Zeit ist hier gar nicht so der entscheidende Faktor. Du kannst auch in zehn Minuten ein komplett kaputtes Zerstörungstraining machen. Machst du mal eine richtige Tabata-Einheit, also nicht nur wo du sagst, wir machen jetzt Liegestütze mit diesen kurzen Pausen, sondern wirklich im Tabata-Mode, wo du völlig gestört so viel wie möglich, so schnell wie möglich machen möchtest und das machst du zehn Minuten lang. Das hat einen sehr, sehr hohen Trainingsreiz. Das heißt, die Zeit an sich ist vielleicht gar nicht so das Thema,
[20:14] Michael: je nachdem, was man trainieren möchte, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer. Aber ich glaube, das macht keiner. Also, dass man wirklich einen richtigen Reiz setzt. Das heißt, bis dahin geht, wo du keine Wiederholung mehr schaffst. Also bis zum Muskelversagen. Du brauchst ja nicht unbedingt Gewichte dafür. Das kannst du auch mit einer funktionalen Trainingseinheit schaffen. Aber dass du dich so richtig ans Limit bringst, würde ich sagen. Also, prove me wrong, liebe HEMA-Gemeinde. Schreibt gerne an post@schwertgefluester.de. Wir machen das ganz anders. Und sagt uns gerne, was so euer Trainingsplan ist. Aber ich sage, ihr macht das nicht.
[21:00] Alexander: Das ist immer die Frage, wann pack ich das denn hin? Weil wenn ich das nach dem Aufwärmen mache, dann habe ich die Leute am Anfang komplett zerstört körperlich. Dann ist das irgendwie nicht mehr so geil mit Fechten.
[21:09] Michael: Musst du schon ans Ende setzen.
[21:10] Alexander: Genau, musst du ans Ende setzen. Und dann ist halt so, jo, da haben die Leute natürlich noch wahnsinnig Bock drauf, in den meisten Fällen zu sagen, oh, ich habe gerade frei gefochten. Gerne verausgabe ich mich jetzt noch voll so. Und ich meine, Bock ist halt so das Thema am Ende. Das ist halt was, was man auch oft von Leuten halt hört und so, was mir ja auch nicht anders geht. Die Leute kommen halt, weil sie irgendwie Bock haben, sich mit Schwertern was zu machen und sich im Zweifel mit Schwertern zu bewegen. Und wenn die jetzt so wahnsinnig viel Bock auf Fitness, Athletiktraining, Krafttraining hätten,
[21:47] Alexander: dann kannst du ja auch, also da gibt es halt so viele andere Angebote. Ja, dann gehst du doch leicht ins Gym, wenn das das ist, wo du Bock drauf hast. Also diese Kombination aus, ich habe total Bock auf Krafttraining und kann Schwertern was abgewinnen. Das scheint halt irgendwie nicht so ein Ding zu sein, beziehungsweise umgekehrt das, ich fange mit Schwertern an und merke dann, oh, das ist aber total wichtig, dass ich jetzt noch ins Krafttraining einsteige und mache das dann auch, da scheint irgendwie auch nicht so das Thema zu sein. Weil, also beim Muay Thai zum Beispiel war das total üblich, dass die Leute da halt nebenher Krafttraining gemacht hatten. Weil da war
[22:20] Alexander: das ganze Training halt auch sehr viel kardiolastiger, weil es ist halt sackanstrengend, tatsächlich so ein Heavyback zu treten oder auch nur zu boxen. Ich muss zu sagen, ich habe nicht regelmäßig Muay Thai trainiert, aber die haben ständig diesen Zeitplan umgestellt, waren sehr schlecht darin, das zu kommunizieren und dann stand ich halt öfters mal in der Halle und so. Wie ist das keine Grappling? Ja, Grappling ist eher so eine Stunde. Ja, was ist denn jetzt Muay Thai? Okay, mache ich halt mit.
[22:47] Michael: Let’s do it.
[22:49] Alexander: Ja, du hast halt gesehen, was sie gemacht haben, wenn du quasi gekommen bist, weil du dann halt noch irgendwie 10 Minuten wartest und so. Und das ist halt natürlich auch von dem, wie da gekämpft wird, weil du hast dann eine Rundenzeit und da geht es halt kontinuierlich. Und wenn du halt, also es gibt natürlich verschiedene Arten von Motivationen, das zu machen. Es gibt einen sehr kleinen Teil, der tatsächlich Wettkämpfe machen möchte in so Vollkontakt-Sportarten wie Muay Thai oder Boxen. Aber wenn die das wollen, dann müssen die halt fit sein, weil der runden Timer stoppt nicht, bloß weil du keine Puste mehr hast. Der andere haut dich dann halt k .o., wenn du deine
[23:22] Alexander: Hände nicht mehr oben behalten kannst. Da gibt es so einen super klaren Zusammenhang zwischen, deine körperliche Fitness entscheidet, ob du, ob der dich ausnockt oder ob du eine Chance hast und so. Und umgekehrt ist es so auch bei den Leuten, die jetzt nicht kämpfen wollen, ganz viele gehen halt explizit aus dem Aspekt körperliche Fitness in so ein Training rein. Ja, also das ist immer so ein bisschen so ein Klischee, dass halt viele Einheiten in nicht so guten Gyms dann eher so Cardio-Boxen oder Cardio-Kickboxen quasi ist für das körperliche und das eigentliche Technik-Training gar nicht so eine riesen Rolle spielt. Oder manchmal ist das auch generell getrennt,
[23:56] Alexander: da hast du dann so Fitness-Boxen -Klassen und so. Aber da gehen halt Leute mit so einem Mindset rein, ich will fitter werden. So nur Gym habe ich irgendwie nicht so Bock drauf, aber Muay Thai habe ich gehört, da könnte man irgendwie was machen, wenn man ein bisschen kämpfen lernt und sich vielleicht verteidigen. Das ist auch so ein Thema. Also so die Grundmotivation ist da, habe ich von dem, was mir Leute erzählt haben, halt eine ganz andere.
[24:18] Michael: Du meinst, die Grundmotivation ist schon fitter zu werden?
[24:22] Alexander: Genau. Es ist ja entweder klar, du musst fit sein, um diesen Sport machen zu können, sonst sieht es halt wirklich schlecht aus. Oder du sagst, jawohl, ich mache diesen Sport, um fit zu werden. Und weil die zwei Sachen halt zusammenkommen, sind halt auch die Stunden entsprechend so aufgebaut, dass Fitness da halt einen sehr viel größeren Raum einnimmt.
[24:40] Michael: Das muss man natürlich sagen, ist bei HEMA halt so gar nicht gegeben. Also weder musst du fit sein, um diesen Sport zu machen, noch machen Leute den Sport, um fit zu werden. Also jetzt der Durchschnitts HEMA ist. Also wir haben ja schon mehrere Episoden dazu gemacht, was die Leute zum HEMA bringt. Ich würde sagen, bei den allerwenigsten ist es, boah, ich muss mal richtig, so richtig stählernen Körper haben. Ich will so richtige Maschine werden. Ich meine, Schwertkampf.
Warum Menschen mit HEMA anfangen
[25:13] Alexander: Genau, also halt nicht auf dem Level. Ich muss mal irgendwie ein bisschen rauskommen, mich bewegen, das ja. Aber nicht auf, ich will hier eine Maschine werden. Und wenn ich da keinen Sixpack habe in einem Jahr oder zwei, dann Zielverfehlt so.
[25:25] Michael: Ja, es ist mehr so Schwertballett, was die Leute wollen. Ein bisschen Bewegung mit Schwert.
[25:30] Alexander: Ballett ist auch sackanstrengend. Also hast du mal Balletttänzer angeschaut? Junge, Junge.
[25:36] Michael: Ja, das ist völlig gestört, das ist wie Turnen. Also man macht so Witze über männliche Balletttänzer und Turner, dass das ja kein Männersport ist. Alter Vater, was du dann da leisten musst, beziehungsweise was diese Menschen in der Lage sind, zu tun. Also das sieht immer so geschmeidig aus, wenn die dann ihre Partnerinnen so hochwerfen und auffangen. Die wiegt aber trotzdem 50 Kilo. Also das ist trotzdem irgendwie so ein Sackzement, den du hochwerfst und wieder fängt. Der hat vielleicht ein bisschen Körperspannung und macht ein bisschen mit, aber ansonsten musst du das auch erst mal hinkriegen.
[26:14] Alexander: Und du musst halt so dermaßen fit sein, es mühelos aussehen zu lassen. Es gibt übrigens auch so Pole-Dance -Meisterschaften, auch mit Männern. Also nicht so mit, und dann wackele ich mit dem Hintern zu Musik, sondern wirklich quasi für den Technikaspekt. Das ist auch absolut krasse Sache, die die da machen. So lauter so Turner-Sachen wie Flag an der Pole und so, aber halt so mit Übergängen und halt minutenlang tanzen die da an dieser Stange rum und das sind halt irgendwie in der Luft und so. Dementsprechend fit sind die halt auch alle oder müssen sie sein.
[26:49] Michael: Dann sagen wir Schwertballett ist nicht der richtige Begriff. Vielleicht mehr so Schwert-Yoga, so entspanntes Bewegen mit Schwert und so ein bisschen noch was da zu lernen, so ein bisschen ein paar Techniken. Das man
[27:00] Alexander: ja nicht ganz einrostet, das man sich schon bewegt, aber jetzt auch nicht auf so einem zu krassen Level. Beziehungsweise das ist so ein Ding, nicht auf Fitness bezogen, aber so, weißt du, Trainingsintensität im Sinne von Schlag, Härte, Stress, den die Leute ausgesetzt sind. Das ist ja was, wo du Leute auch aktiv abschreckst. Wo einfach manche Leute dann sagen, das war jetzt echt zu viel. Ich wollte so ein bisschen mich bewegen, so ein bisschen Kontakt und alles ist in Ordnung, aber jetzt hier so richtig krass Gegenwind und dann zack, zack, zack, zack, und ich hab hier fette Hämatome.
[27:32] Michael: Jetzt gibt es ja aber auch die, für die das in Ordnung ist, die auch sagen, ich will Competition, ich will Wettkämpfe, ich will Turniere fechten, aber auch da würde ich sagen, die sind nicht unbedingt immer die fittesten.
[27:46] Alexander: Nee, das ist halt auch so. Dieses Format mit Start und Stop heißt halt, du musst ja im Endeffekt nur für einen relativ geringen Zeitraum Gas geben können. Also in der Regel ja irgendwie 20 Sekunden, 30 Sekunden Bereich so, weil dazwischen, wenn keine Action ist und du testest ein bisschen den anderen, das ist halt relativ unanstrengend und die eigentliche Action, wo dann halt Kombo, Kombo, Kombo, Angriff, Parade und so weiter, die ganzen Sachen, das geht ja jetzt auch nicht ewig, bis dann halt der Treffer gelandet ist. Dann gehst du zurück, dann kannst du in aller Ruhe schnaufen. Das ist ja auch was völlig anderes, wie wenn der andere halt dir
[28:22] Alexander: jetzt gerade eine Glocke gegeben hat. Und wenn jetzt nicht schnell genug aufpasst, dann gibt es nochmal drei.
[28:28] Michael: So ist es ja aber auch beim Olympischen Fechten. Also Säbelfechten, Degenfechten, Florett fechten ist ja nicht anders vom Prinzip her. Würde ich aber sagen, sind die Leute deutlich athletischer. Also sehe ich ja bei uns im Club. Gut, okay, HEMA ist jetzt eine, das ist vielleicht auch ein Aspekt, eine Sportart, die man anfängt, wenn man schon ein bisschen älter ist. Typischerweise ein typischer Studentensport. Das Sportfechten fängt man typischerweise eher schon als Kind an und hat dann dort natürlich auch die Erziehung mit drin. Also diesen Leistungsgedanken und auch die entsprechende körperliche Ausbildung da mit da drin.
[29:15] Michael: Nichtsdestotrotz, am Ende ist es das mehr oder weniger das Gleiche. Also Gang geht los, es passiert irgendwas und dann geht es wieder auseinander. Und da würde ich sagen, ist HEMA aufgrund der Ausrüstung und dessen, du kannst ja dann auch ins Ring gehen und so, da wird es eher noch anstrengender, hätte ich gesagt.
[29:41] Alexander: Ja, es sind halt potenziell andere Arten von Anstrengungen. Also zum Beispiel diese Rotationsgeschichten, die du für einen Twerchhau brauchst und so, das ist ja im Olympischen vielleicht nicht so ein Riesending, weil du halt alles aus dem Arm heraus machen kannst oder zumindest sehr vieles. Wohingegen ja beim Langschwert musst du ja wirklich den Torso rotieren um deinen Schwerpunkt und so. Aber ja, an sich sind die Anforderungen körperlich eigentlich höher, weil du ja auch aus dem Körper musstest ja auch irgendwie einstecken können, wenn du getroffen wirst. Thema Nacken zum Beispiel, wenn du halt irgendwie einen Stich
[30:13] Alexander: abkriegst, wäre es ja schon ganz gut, wenn du einigermaßen okay trainiert Nacken hättest, dass du dich dann halt nicht verletzt.
[30:19] Michael: Richtig gepflegten Stirnacken,
[30:21] Alexander: genau. Ich glaube, das ist halt wieder so ein Kulturding. Also du hast halt eine andere Kultur in Bezug auf körperliche Fitness beim Olympischen vielleicht auch, was dem Ganzen am Ende an Raum eingeräumt wurde. Und weil die Leute halt auch normalerweise als Kinder anfangen, die Leute, die du halt als Erwachsener noch dabei hast, für die ist diese Aufteilung und dieser Fokus auch auf das Körperliche ja scheinbar in Ordnung, weil sonst wären sie ja einfach nicht mehr dabei.
[30:48] Michael: Also wenn ich dich jetzt richtig verstehe, du meinst, beim Olympischen Fechten dadurch, dass du als Kind anfängst, könnte man sagen, kennst du es nicht anders, hast dann das internalisiert. Da gehört halt ein gewisser Athletikteil dazu, vor allem Beinarbeit. Und bei den Erwachsenen, die mit HEMA anfangen, die vielleicht vorher gar nichts gemacht haben und sie jetzt dafür entscheiden, irgendwie mal überhaupt was zu machen, da hast du das dann entsprechend nicht so internalisiert.
[31:20] Alexander: Nee, also weißt du, was weißt du denn über diese Sportarten? Meistens kennst du dich ja nicht so im Detail damit aus, wenn du irgendwas anfängst, aber so ganz grob einschätzen, ob das jetzt eher anstrengend ist oder eher nicht oder ob das irgendwie sehr gefährlich ist oder nicht so gefährlich, da hat man ja meistens schon so ein Bauchgefühl mit. Also zum Beispiel, falschen Umsprung, okay, ist schon gefährlich, aber das machen so viele Leute und es geht jetzt nicht ständig verschief. Okay, körperlich anstrengend kann ich nicht genau sagen, aber im Endeffekt, wenn du einen Tandem-Sprung machst, du hängst ja nur da, du musst eigentlich nichts machen, das
[31:51] Alexander: wird schon gehen. Ringsuit-Fliegen auf der anderen Seite, ultra gefährlich, ultra anspruchsvoll. Das muss richtig krass sein von der Körperbeherrschung, weil ja jede falsche Bewegung sozusagen dich gegen den Berg klatschen lässt. Und die Leute wissen halt glaube ich nicht, auf was sie sich da beim HEMA einlassen und können sie ja eigentlich auch nicht, weil die Bandbreite ja nach wie vor einfach riesig groß ist von dem, wie die Leute trainieren, was sie machen und welche Ziele sie dann auch verfolgen.
[32:19] Michael: Das ist ein sehr interessanter Aspekt, denn wenn man sich Olympisches Fechten anguckt, würde ich zum Beispiel sagen, das sieht schon anstrengend aus. Also insbesondere Säbelfechten, wenn du dort jemanden vor Zurück über die Bahn jagst. Und ich bekomme aber ganz oft, wir machen ja auch so Team-Events für Breitensport, also da kannst du quasi ein Schnuppertraining bei uns machen, ohne jetzt Vereinsmitglied zu sein und dann wollen wir die Leute für den Fechtsport begeistern. Und da kannst du dann mit einer Gruppe an Leuten sozusagen zu uns kommen und mal gegenfechten. Das bieten wir an. Und ganz oft bekomme ich da so das Feedback, dass die Leute nicht
[33:05] Michael: dachten, dass es so anstrengend ist. Also dass sie sagen, kommt man da überhaupt ins Schwitzen? Und ich sage dann schon gar nichts mehr. Sondern sagst, probier jetzt einfach mal aus, zieht mal die Jacke an, zieht mal die Hose an, mal gucken, ob er da nicht schon ins Schwitzen kommt. Es ist auch immer so Fechtklamotte, also jetzt nicht HEMA-Klamotte vielleicht auch, aber so die vom Sportfechten, die ist ja schon ziemlich gnadenlos, was die Offenbarung deiner Konfektionsgröße angeht. Also da ist bei ziemlich vielen dann so diese Erkenntnis, ist ja doch keine 54 mehr, weil wenn der Reißverschluss nicht zugeht, geht er halt nicht zu.
[34:01] Michael: Aber ja, da ist durchaus so die Vorstellung, dass es nicht so anstrengend ist oder dass man sich da wundert, dass es eben doch ziemlich krass ist.
[34:12] Alexander: Das finde ich jetzt ganz spannend, weil ich hätte eigentlich gedacht, das hat ja viel auch mit den Medien zu tun. Und wenn du Fechten als Training machst oder so, ich meine, klar, dass du jetzt nicht irgendwie komplette Meisterschaft verfolgst, aber eigentlich hat man das doch gesehen, wie die Leute sich da auf der Bahn vor und zurück jagen. Also gut, vielleicht ist nicht gerade Säbel, aber auch bei Degen und Florett und so. Du kannst natürlich eine Szene erwischen, wo es relativ entspannt aussieht, aber so über mal mehr als einen Durchgang. Hätte ich schon gesagt, dass man sieht, dass die Leute halt schon auch ziemlich aktiv sind.
[34:47] Michael: Jetzt ist die Frage, welcher Normalsterbliche guckt sich mehr als einen Gang Fechten an? Also das ging mir früher auch so. Hast du ja einen Eingang angeguckt, beide Lämpchen leuchten, irgendeiner kriegt einen Punkt, sie ist ja überhaupt nicht durch, kannst sowieso nicht sehen, warum die Lämpchen leuchten, weil du hast sowieso nicht erkannt, dass hier getroffen wurde. Also das ist ja für das für das normale Auge absolut kein Zuschauer freundlicher Sport.
[35:18] Alexander: Ja, also ich meine beim Boxen und beim MMA und auch beim Thaiboxen ist es halt schon völlig klar, wie fit die Leute sind, weil die ja im Endeffekt nur eine kurze Sporthose an haben. So, also du siehst halt den Sixpack und wo die ja sonst noch überall Muskeln haben und so. Und natürlich ist das je nach Gewichtsklasse so ein bisschen unterschiedlich. Ja, also Leute, die jetzt bei den Heavyweights, also in der offenen Gewichtsklasse trainieren und da antreten, die haben typischerweise auch tatsächlich einen höheren Körperfettanteil als die drunter. Aber du siehst halt einfach, also das typische Bild, was du halt
[35:51] Alexander: siehst, ist halt irgendjemand, der richtig gut durchtrainiert ist auf irgendeinem Plakat oder halt in irgendeinem Trailer oder so, selbst wenn du das nicht aktiv erfolgst. Und natürlich ist das Profisport und du kannst jetzt Profisport nicht mit Hobbyisten vergleichen. Aber ich habe schon den Eindruck, das setzt auch so eine gewisse Erwartungshaltung. So sieht man halt aus, wenn man das wirklich ernst nimmt. Und wenn du auf das Level kommen willst, dann musst du halt auch so aussehen, sonst wird das nichts. Und klar musst du nicht Profisport machen am Ende, aber du siehst ja dann auch halt bei dir im Gym, dass halt Leute einfach da sind, die
[36:22] Alexander: halt einfach ziemlich fit sind.
[36:25] Michael: Das ist natürlich beim Fechten auch, also das Bild, was die Leute von Fechtern haben, ist schon eher groß und schlank, hätte ich jetzt gesagt, also von olympischen Fechtern.
[36:33] Alexander: Genau, und du siehst es halt unter der Ausrüstung auch nicht so. Du brauchst ja nicht so riesen Muskeln an deinen Armen oder so. Aber ich sag mal, wenn die jetzt Hormone trainieren würden, also viele von den Leuten, die das bei Libia machen, haben ja auch Sixpacks. Also dann würdest du dir auch denken, aber siehst du halt nicht durch die Ausrüstung.
[36:49] Michael: Ja, aber wäre schon krass, wenn du es durch die Ausrüstung siehst.
[36:56] Alexander: So rüstungsmäßig, wo der Sixpack schon aufgezeichnet ist.
[36:59] Michael: Jetzt die Frage, warum ist das bei historischen Fechten nicht, beziehungsweise ich stelle die Frage auch nochmal anders, warum ist das bei Schwertkampf nicht so, denn das ist ja das, was die Leute im Kopf haben im Allgemeinen, wenn sie mit HEMA anfangen. Also die allerwenigsten kommen zum historischen Fechten und sagen, ich will HEMA machen, ich will Wettkämpfe machen. Also da gibt es auch ein paar Gestörte, habe ich auch in meinem Club. Ist natürlich bei mir so das Lieblingsklientel. Aber die allermeisten sind Bock auf Schwertkampf. Hast du schon mal was gemacht? Nö. Woher kommt das Bild vom Schwertkampf? Was ist überhaupt das Bild vom Schwertkampf?
Das Bild vom Schwertkampf in den Medien
[37:39] Michael: Das ist vielleicht eine gute Frage.
[37:41] Alexander: Ja, also ich meine, wir wissen ja jetzt, weil wir in der Materie drin sind, zumindest die Buhurt-Leute, man kann sagen über den Sport, was man will, aber die sind fit.
[37:50] Michael: Auf jeden Fall, ja.
[37:51] Alexander: Weil geht halt auch nicht anders. Du kannst nicht im Harnisch irgendwie kämpfen und da irgendwas machen, Leute durch die Gegend schmeißen und verklappen oder sonst was, wenn du nicht fit bist. Weil dann machst du das halt auch 3 Sekunden, dann hast du keine Power mehr und dann wirst du auf jeden Fall auf den Boden geklopft, also analog zu Boxen und so. Aber ja, woher kommt denn das Bild, von was die Leute von Schwertkampf haben?
[38:13] Michael: Vielleicht wirkt es aber auch nicht so anstrengend. Also wenn du dir jetzt Buhurt anguckst, ich glaube, die wenigsten haben eine Vorstellung davon, was es bedeutet, einen Harnisch anzuhaben. Also Daniel Jaquet hat gezeigt, dass man damit relativ viel machen kann. Der Typ ist aber auch fit. Und so ein Harnisch wiegt halt schon ein paar Kilogramm. Ich glaube, das hast du als Normalsterblicher auch nicht so auf dem Schirm, dass das zig zehn Kilo sind, die so eine Rüstung wiegt. Und dann siehst du halt die Bewegung, die ist jetzt auch nicht so apokalyptisch schnell, wie sie da draufhauen. Ich glaube, da fehlt einfach das Vorstellungsvermögen,
[39:00] Michael: was es bedeutet, diese Bewegung in einer Rüstung auszuführen.
[39:04] Alexander: Du meinst so ein bisschen, wenn es schnell aussieht, denkt man, es ist anstrengend, wobei ja das ja auch nicht stimmt, weil wenn du so, wenn jemand super schnell ist, kann das ja auch wieder sehr mühelos aussehen. Ich meine, was ist denn mit den Medien so? Also was ist das Bild von Medien, oder was Medien von Schwertkampf in irgendeiner Form zeichnen? Würdest du da, ist da irgendwie Athletik im Vordergrund, oder wie würdest du das beschreiben?
[39:29] Michael: Das ist eine gute Frage. Athletik im Vordergrund würde ich nicht sagen. Ich glaube, es ist mehr Heroik im Vordergrund. Also jeder, indem wir jetzt mal Filme, in denen irgendwie Schwertkampf drin vorkommt, das ist irgendwie immer eine heroische Geschichte. Und da steht jetzt nicht unbedingt der Top-Athlet ganz vorne dran. Wenn wir uns jetzt mal Herr der Ringe angucken.
[39:56] Alexander: Ja, also du hast es natürlich schon jetzt in den letzten 20 Jahren gehabt. Also zum Beispiel 300, da liefen ja alle mit Sixpack rum und waren ausreichend fit. Aber da waren das ja auch die Spartaner, die irgendwie halt als die großen Krieger galten. Da wurde das so ein bisschen vorausgesetzt. Und das Bild der Wikinger ist heutzutage ja auch davon geprägt, dass das offensichtlich alle ziemlich große Schränke sind, ordentlich durchtrainiert, geringer Körperfettanteil und so, wegen Vikings, weil das war aber auch nichts, wo sie irgendwie thematisiert hatten. So mit, ja ja, der macht noch mal hier irgendwie extra Training. Und deshalb ist er fitter.
[40:30] Alexander: Und weil er fitter ist, kann er besser kämpfen so. Sondern das wurde halt einfach vorausgesetzt, das ist so. Also du hast die Leute auch nie irgendwie beim Training gesehen, was Krafttraining angeht. Die haben halt mal ein bisschen Fechtraining gemacht, aber das war’s. Das ist ja auch so ein bisschen so, ne. Du bist halt Farmer, gehst dann auf Viking und offensichtlich bist du davon ausreichend durchtrainiert, dass du nicht noch mal irgendwie extra was machen musst. Also ich glaube, so dieses Thema körperlich fit zu sein und fitter als der andere, im Zusammenhang mit so einem bewaffneten Auseinandersetzung mit blanken Waffen, das ist nichts, was als Topos so
[41:07] Alexander: richtig existiert im Film und Fernsehen.
[41:10] Michael: Mir ist gerade noch ein anderer Gedanke gekommen, als du sagtest, du bist halt Farmer, dann gehst du auf Viking und davon kommt das. Ich glaube, das ist auch so noch ein Glaubenssatz, der existiert, dass du allein dadurch, dass du dich mit dem Schwert bewegst, fitter wirst, was bis zu einem bestimmten Grad auch richtig ist. Wenn du mit Schwertkampf anfängst, generell wenn du mit irgendwas Neuem anfängst, muss dein Körper sich erst mal adaptieren, es sei denn, es ist sehr, sehr nah dran an dem, was du bisher schon gemacht hast. Aber ansonsten hast du immer eine gewisse Adaption und dadurch einen Trainingsreiz und wahrscheinlich auch Muskelkater.
[41:56] Michael: Aber der ist halt, irgendwann hast du den halt. Irgendwann hat sich der Körper halt angepasst und dann hast du keinen neuen Trainingsreiz mehr dadurch einfach, dass du nur das machst. Du musst es dann, keine Ahnung, musst es dann schwerer machen, schneller machen, länger machen.
[42:13] Alexander: Also ich überlege jetzt auch gerade so, wenn ich jetzt Richtung Japan gucke, Mangas und Animes, da sind das ja in der Regel schon so Superheldenfiguren, die besondere Kräfte haben und die kämpfen jetzt meistens ja auch nicht mit Waffen. Aber da ist es halt völlig usus, dass du so Trainingszenen siehst. Weißt du, Son Goku hat Liegestütze gemacht irgendwo und das war auch ganz klar, er muss halt jetzt stärker werden. Da war halt körperliches Training mit bei dem Ganzen dabei. Oder Rocky, Rocky Balboa, er hat ja auch ganz viele Trainingsequenzen für Boxen und so. Aber mir fällt jetzt auf Anhieb kein Äquivalent ein.
[42:53] Alexander: Das ist alles irgendwie unbewaffnete Geschichten, irgendwelche Karate-Mangas. Wo ist die Trainingsequenz, wo Aragorn Steine wirft und Kniebeug macht mit Gewicht und so weiter und so fort, um irgendwie körperlich sich zu formen, um dann besser Schwert kämpfen zu können. D ‚Artagnan oder so.
[43:12] Michael: Wo ist sie, Tolkien? Wo ist sie, die Sequenz?
[43:16] Alexander: Okay, immerhin fairer wäre es an der Stelle. Der ist ja schon trainiert, wenn wir ihn als Charakter treffen. Aber es gibt ja genug Beispiele, wo jemand in der Geschichte erst lernt zu fechten. Aber auch da ist es halt immer der Fokus auf der Technik und der Raffinesse sozusagen. Also ein Stück weit auch stimmt, mit der Blankwaffe musste ja nicht so, also musste nicht im gleichen Maße fit sein, um jemand unbewaffnet sozusagen zu besiegen. Aber dieser Aspekt, dass Fitness schon auch ein Riesenthema ist, wird halt schon auch gerne so ein bisschen ausgelassen. Also das ist ja auch so ein bisschen dann natürlich das Ding, ja.
[43:53] Alexander: Der eine ist halt ein Riesenschrank und wird dann vom Underdog besiegt, der halt so ein bisschen schmächtiger wird. Dadurch, dass der halt besonders gut ficht oder besonders raffiniert ist.
[44:01] Michael: Da kommen wir ja auch zu der Frage, ist es denn überhaupt nötig? Es wird immer ausgelassen, es wird nie gezeigt, HEMA Deutschland macht es auch nicht. Brauchen wir das überhaupt, um erfolgreich historisches Fechten machen zu können?
Fitness als Verletzungsprävention
[44:21] Alexander: Also wir sind ja mit dem Seminar von Anna eingestiegen und das war halt Verletzungsprävention. Und auf dem Level würde ich sagen, ja definitiv. Also noch bevor wir irgendwie davon reden, dass du irgendwie fitter bist als jemand anderes und die deshalb halt schlagen kannst, Verletzungsprävention ist natürlich ein großes Thema, weil wenn du dich verletzt, dann hast du Trainingsausfälle. Und bei vielen Leuten, also gerade wenn die noch nicht so lange dabei sind und nicht so investiert sind in den Sport, wenn die sich verletzen und das ist halt irgendwie schwerer, dann sind die halt raus. Also so irgendwie Bänderriss, ein halbes Jahr, dann hat sich das auch erledigt.
[44:52] Alexander: Das ist schon ein Ding, wo ich auch aus Trainersicht sagen würde, das sollte man auf jeden Fall nachgucken. Also das ist irgendwie ein Level, was eigentlich nicht verhandelbar ist.
[45:03] Michael: Was würdest du da sagen, ist da das Minimum, was stattfinden sollte? Jetzt mal so als praktisches Beispiel.
[45:12] Alexander: Das ist halt der Punkt, wo ich mir immer schwer getan habe, zu sagen, was jetzt da das Minimum ist. Also gerade sowas wie, okay, wir machen jetzt irgendwie Liegestützen. Ja gut, aber müssen die Leute jetzt 5 Liegestützen können oder 10 oder 15 oder was ist denn da irgendwie? Was ist denn da der richtige Wert? Jetzt mit dem, was Anna erklärt hatte, mit dem Joint-by-Joint-System, wo es ja viel drum geht, brauche ich jetzt in einem bestimmten Gelenk Stabilität oder Beweglichkeit. Kann ich das auch immer noch nicht so ganz genau sagen, so bemessen, aber du kannst halt zumindest so ein paar Sachen checken. Also ein Ding, was für mich so augenöffnend war, war dieses ganze Thema
[45:50] Alexander: Landung. Ich muss halt landen können und dann stehen, ohne dass es irgendwie hin und her wackelt. Also landen mit den Füßen und da haben wir, das habt ihr bestimmt auch gemacht, so alle möglichen Sprungübungen gemacht. So mit zwei Beinen abspringen, zwei Beinen landen, ein Bein abspringen, ein Bein landen, ein Bein starten, aber mit dem anderen Bein landen und so weiter und sofort alle Variationen mal durch. Und das ist natürlich was, das brauchst du unbedingt, weil wenn du halt ungünstig aufkommst, ist halt deine Muskulatur das einzige, was dich noch so ein bisschen davor schützt, dass dann halt irgendwas kaputt geht. Und wenn es halt mal hektisch wird, dann
[46:24] Alexander: landest du natürlich nicht immer sauber. Du versuchst die Leute schon eine saubere Bewegung beizubringen, aber du kannst halt nicht garantieren, dass es dann in der Hektik des Gefechts tatsächlich immer so ganz sauber ausgeführt wird und du brauchst halt die passende Muskulatur. Und das war halt was, wo du einfach sagen kannst, naja, schau mal, eigentlich musst du auf einem Bein losspringen können, einen großen Satz machen, auf dem anderen oder auf dem gleichen Bein wieder landen oder einfach stehen, ohne dass du da noch groß irgendwie hin und her wackelst, weil das ist ja das, was beim Fechten auch passiert.
[46:50] Alexander: Du machst irgendwie einen Ausfallschritt und landest halt nicht mit hinteren Beinen am Boden, vorderes Bein am Boden, sondern stehst halt im Endeffekt auf einem Bein. Es kommt viel Belastung auf, deine, ja, auf dein Bein, Sprunggelenk, Knie und so weiter. Und da musst du halt einfach die Stabilität mitbringen, landen, stehen, fertig.
[47:08] Michael: Würde ich so unterschreiben. Ich habe jetzt auch eine längere, ein längeres Knie-Patienten -Dasein. Also meine letzte OP ist jetzt ein halbes Jahr her und auch im letzten halben Jahr habe ich sehr exzessive Physiotherapie gehabt. Und sowohl hier vor Ort als in Dresden, als auch jetzt in den Sessions mit Anna, war der Fokus am Anfang immer auf der, erst mal der Stabilität auf beiden Beinen, auf einem Bein. So was Banales wie eine Stufe runterzugehen. Also für die, die es sich, die das Vergnügen zum Glück noch nicht hatten, irgendwie mal am Bein verletzt gewesen zu sein. Das ist eine enorme Kraftanstrengung und enorm koordinativ
[47:57] Michael: aufwendig, einfach eine Stufe langsam runterzugehen. Also es könnte auch mal probieren, mal so eine Treppenstufe nehmen und die mal ganz langsam runtergehen. Und dabei das Gleichgewicht halten, die die Spannung halten. Und wenn dir dann noch Kraft im Bein fehlt und wenn du vielleicht noch Schmerzen hast und wenn dir auch das zentrale Nervensystem nicht so die Ansteuerung liefert, um dort alle Muskeln anzusprechen. Also die inter- und intramuskuläre Koordination nicht so passt, ist das halt die totale Hölle. Und sowas ist halt wirklich dann sowas die Basics für das Fechten und genauso dann eben landen. Also so wie du es beschrieben hast, das war im Prinzip meine Reha.
[48:51] Michael: Und Reha Training ist, würde ich sagen, gutes Aufwärmtraining.
[48:56] Alexander: Ja, und da muss ich halt auch klar sagen, da hat mir einfach das Wissen auch gefehlt. Also ich habe versucht, mir das zu erwerben. Ich habe da irgendwie Bücher zugelesen, ich habe Videos angeschaut, noch ein Löcher. Aber das waren immer so kleine Bausteinchen und nichts, was irgendwie diesen Gesamtzusammenhang mal erklärt hat und vor allem nicht halt auf HEMA irgendwie angepasst zu. Und sie hatte irgendwie am Anfang des Seminars gemeint, sie kriegt von anderen Füßen manchmal so Kommentare mit, haja, das ist doch Basic Shit, was du da erklärst. Und ich habe auch vor ein paar Jahren schon mal irgendwie versucht, eine Physios dazu zu kriegen, mal sowas uns zu erklären.
[49:34] Alexander: Weil halt jemand jemand kannte so und dann habe ich halt auch gefragt, du wie sieht das aus? Könntest du mal irgendwie eine Einheit halten und einfach mal so ein bisschen durchgehen? Wie macht man das und so? Und da war die Antwort hatte, ja, aber nein, weil ich kann mich ja mit HEMA überhaupt nicht aus, ich weiß nicht, was ihr da braucht. So richtig Interesse daran, mich einzuarbeiten oder einzulesen habe ich auch nicht. Und bevor ich da jetzt was falsches sage, nee, lass mal lieber gut sein.
[49:56] Michael: Das finde ich interessant. Ich meine, ja, Anna hat jetzt natürlich noch den Vorteil, dass sie selber HEMA macht und da weiß, was die Anforderungen sind. Aber gerade so dieses dieses Joint by Joint System ist ja davon losgelöst. Das ist ja unabhängig davon, was die was die Sportart dann braucht. Das Gelenk an sich hat halt eine Funktion und entweder musst du es mobilisieren oder stabilisieren.
[50:27] Alexander: Ja, und ja, das ist halt einfach, also mich hat es auch gewundert. Ich hätte auch gedacht, naja, also die Standardsachen, die für alle gelten, die sich irgendwie bewegen, könnte man schon. Aber ja, sollte einfach nicht sein. Also das ist halt schon also vor allem das, was du an Informationen findest zu Athletik und Fitnesstraining bezieht sich halt vor allem auf Leistungssteigerung. Ja, also die gehen, die setzen so ein bisschen schon voraus. Dieser Punkt, du bist fit genug, dass das deine Fitness nicht so ein Verletzungsrisiko darstellt, sondern du willst jetzt noch mal besser werben. Und das ist natürlich ein anderes Level, was du dann machen
[51:01] Alexander: musst, auch an Sachen und so. Und mir war gar nicht klar, dass ich da potenziell vielleicht auch einfach in die ganz falsche Richtung mich informiere. Also natürlich, wenn du irgendwie auf allen Ebenen fitter bist, hilft dir das natürlich bei dem Thema auch, aber dann bist du halt so, ja, du bist halt einfach auf einer anderen Zielsetzungsebene unterwegs, sonst musst du halt einfach klar sein, ja, von dem, was du auch an Zeit da investierst, weil dann ist halt mehr fitter in den meisten Fällen halt besser. Und da gibt es quasi ja kein Limit nach oben, aber das ist ja was völlig anderes als was ist denn so das Mindestmaß?
[51:35] Michael: Mehr fit, mehr gut, woran ich gerade auch noch mal denken musste, weil wir das Thema Erwärmung hatten. Es wird ja gerne mal in Sportverein zur Erwärmung gerannt, also einlaufen und ich habe das schon immer gehasst. Also ich fand das schon immer irgendwie scheiße und jetzt habe ich auch so die perfekte Erklärung dafür oder die perfekt. Ich weiß nicht, ich könnte es auch ausreden, denn Anna hat es auch sehr schön uns uns beigebracht, denn sie meinte, ja, rennen oder laufen ist halt de facto springen. Also beide Beine sind irgendwie in der Luft und eins kommt dann auf und springen ist drei bis fünffaches Körpergewicht an Belastung für Sprunggelenke, Knie,
[52:27] Michael: Hüfte zum Anteil. Und dafür brauchst du erst mal eine ordentliche Vorbereitung. Also du musst deinen deinen Körper darauf einstellen, jetzt dort die entsprechende Belastung verarbeiten zu können. Das ist einmal das du vielleicht dann so ein bisschen das anlehnt, dass du ein bisschen das erwärmst, aber eben auch, dass dein zentrales Nervensystem in der Lage ist, jetzt die Muskeln richtig anzusteuern und diese Belastung auszuhalten und eben im Zweifelsfall irgendwie so ein bisschen zu korrigieren. Das heißt, das sehe ich auch noch mal als eine absolute Basic Geschichte, dass man wirklich mit einer Erwärmung anfängt,
[53:06] Michael: die den Körper darauf auf die Belastung vorbereitet und nicht direkt mit der Belastung anfängt. Also sehe ich bei uns im Fechtverein auch so da so in der Freizeitgruppe, die fangen gnadenlos mit Indoor Hockey an. Also da sehe ich schon immer die die Innenbänder und die Menisken reißen so vor allem. Ich mache da selber nicht mit, weil es ist also völlig schmerzbefreit, auch da voll all in gehen.
[53:38] Alexander: Klar, Basketballer machen sich ja auch mit Fechten warm, das weiß man ja.
[53:41] Michael: Das ist ganz, ganz klassisch. Daher auch noch mal mein Appell an euch, wenn ihr ein Minimum aus diesem Podcast jetzt heute mitnehmen wollt, dann beachtet anders Worte. Laufen ist springen, springen ist drei bis fünfmal das Körpergewicht. Also bereitet eure Gelenke auf diese Belastung erst mal vor, bevor ihr das tut.
[54:04] Alexander: Ja, lustig auch, als ich beim C-Trainer den sportartübergreifenden Teil gemacht habe, also wo jemand quasi unterrichtet, was nichts mit einer spezifischen Sportart zu tun hat, war Aufwärmen halt auch ein Thema. Und der Kerl hat halt auch gemeint, so ich zeichne jetzt euch mal auf, wie 99 Prozent der Sportarten und Vereine und Gruppen ihr Aufwärm-Training malen, hat einfach so drei Kringel auf die Tafel gemalt. So und der hat halt irgendwie auch so ein paar Anekdoten erzählt, dass er auch Leute von Profi-Sportmannschaften da hatte und halt so, ja, wir machen halt immer genau drei Runden warmlaufen und dann sind
Aufwärmen, Trainerwissen und Ausbildung
[54:36] Alexander: die warm. Egal, ob es 30 Grad draußen hat oder minus zehn, ganz egal. Drei Runden, das ist es. Oder auch sagst du, ja, wenn wir das jetzt so zusammenfaschen, klingt das nicht so sinnvoll.
[54:46] Michael: Ja, aber da muss man sagen, es ist auch cool, dass ihr da ein entsprechendes Fachpersonal hattet, da bei der Sportart übergreifenden Geschichte. Das ist auch nicht immer unbedingt der Fall, auch so bei Trainern oder Ausbildern.
[55:07] Alexander: Ja, ja, das ist schon so ein Thema natürlich. Aber das ist halt ja, also ich meine, wir haben jetzt quasi den Faktor Wissen und ich glaube, da fehlt es viel an Wissen. Das ist eigentlich ja auch was, wo im C-Trainer mit drin ist. Ja, also der C-Trainer hat ja explizit diesen Sportart übergreifenden Teil, zumindest in der Variante, wie es in Bayern jetzt gemacht wird, damit du halt so absolute Basics vermittelt bekommst. Und da sind wir ja wieder beim Thema Ausbildung bei HEMA Trainern, weil du kannst natürlich dich lange drüber streiten, was du jetzt zur Waffenspezifisch irgendwie in so einer Ausbildung packen müsstest.
[55:42] Alexander: Also was brauche ich jetzt beim Langschwert wirklich? Nehme ich da Liechtenauer mit rein? Weil das ist, wenn du Fechtmeister in Frankfurt werden wolltest bei den Marxbrüdern, hast du offensichtlich die Meisterheit gebraucht. Also muss den jetzt hier logischerweise jeder kennen oder nimmst du Fiore rein oder was auch immer. Da kannst du dich ja viel drüber unterhalten und da gibt es sicherlich auch Pro und Contra in alle Richtungen. Aber so die ganz grundlegenden Sachen, so wie funktionieren denn Muskeln und dein Skelett und wie erwärme ich den richtig und so. Das ist halt auch ein Teil von diesen ganzen Sachen. Und da gibt es also da ist halt auch das
[56:20] Alexander: der Bedarf halt auch einfach einfach da. Und ich glaube, da hat man sich so ein bisschen auch selber das Bein gestellt, dass man halt zu hohen Anspruch hatte, wie so eine Ausbildung aussehen sollte. Das, was ja einer von den Gründen ist, dass sie dann auch nicht so gekommen ist neben anderen Dingen. Und wir haben ja nach wie vor nichts in Deutschland, also nichts, was irgendwie jetzt allen zugänglich ist. Also wenn du neben Bayern wohnst, kannst du nach Bayern rüberfahren. Du kannst die Ausbildung bei Paul und beim Michael Michael machen, wobei da ja eigentlich auch schon der C-Trainer die Voraussetzung ist und so. Na klar, du kannst generell einen C-Trainer
[56:55] Alexander: machen ohne eine spezifische Sportart. Das geht auch in manchen Bundesländern so. Halt aber auch wieder die Frage, dafür müsstest du halt eigentlich in so einem Landessportbund drin sein, was auch wieder viele nicht sind. Also ich glaube, das ist halt auch wieder so ein Infrastrukturthema. So bei anderen Sportern ist es komplett der Usus, dass du halt diese ganzen Sachen halt irgendwann einfach machst und abgehakt hast und halt voraussetzen kannst. Und bei HEMA sind da halt einfach massive Lücken auch da bei den Trainern. Und also ja, nicht mal zwingend deren Schuld, sondern einfach dieses ganze System ist, so wie es jetzt aktuell aufgebaut ist.
[57:30] Alexander: Natürlich ja, so dass da auch natürlich keinerlei Qualitäts Kontrolle irgendwie da ist oder Ausbildung oder sonst was.
[57:38] Michael: Das ist ein wichtiger Punkt. Du bräuchtest wirklich mal eine eine Trainer Ausbildung, einen gewissen Standard für HEMA. Der muss ja nicht unendlich umfangreich sein. Also wenn ich mir jetzt Pauls und Michaels Trainer Ausbildung angucke, das natürlich schon. Das ist sozusagen der der Maybach unter den Trainer Ausbildung. Also von der von der Dauer her, von der von dem Umfang her. Und viele sind aber, glaube ich, mit einem deutlich geringeren Standard erst mal überhaupt in der Lage oder wären damit erst mal überhaupt in der Lage, irgendwie ein qualitativ hochwertiges Training anzubieten und dann eben überhaupt erst mal zu wissen, was ihnen fehlt. Ich glaube,
[58:26] Michael: da sind viele, die machen das. Also ich habe jetzt immer so ein bisschen gepöbelt hier in dieser Folge. Aber die, das ist ja nicht, weil die meisten Leute das nicht. OK, manche wollen es nicht. Ja, gebe ich zu und was auch vielleicht OK ist. Also wenn die sagen, ich weiß, dass ich das nicht so der Athlet bin und das will ich auch nicht. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber ich glaube, viele, die wollten schon irgendwie ein besseres Training haben oder anbieten, aber denen fehlt halt wirklich die Basis, das Wissen, wie strukturiere ich das und wie viel Fitness, Training, Athletik, Training, Krafttraining, wie wir es auch immer
[59:11] Michael: nennen wollen, muss ich denn überhaupt unterbringen in der Woche?
[59:16] Alexander: Ja, zumal wir ja hier jetzt auch von so inhaltlicher Qualität reden, weil wenn du das einfach nicht weißt, dann weißt du, wenn du irgendwie 20 Minuten zur Verfügung hast, für die kannst du ja besser oder schlechter gestalten. Und da kann man ja auch versuchen, mehr einfach aus der gleichen Zeit rauszuholen, dass man die Zeit an sich jetzt nicht hochschrauben will. Und klar kann man da verschiedene Kompromisse auch eingehen und sollten aber halt bewusste Entscheidungen sein. So, wenn ich natürlich weiß und so funktioniert das, dass und das wäre irgendwie so ein Minimum. Und da kann ich halt sagen, OK, ich entscheide
[59:52] Alexander: mich jetzt bewusst, an einer bestimmten Stelle da drunter zu gehen, weil brauche ich nicht, weil ich mache danach nochmal irgendwas oder das ist jetzt halt irgendwie ich habe das ganze Training so aufgebaut, dass das von der Intensität langsam steigert, dann kann ich da vielleicht ein bisschen Abstriche machen oder was immer. Das sind dann halt bewusste Entscheidungen, die man irgendwie treffen kann. Aber wenn man es halt nicht weiß, dann triffst du diese Entscheidungen halt nicht bewusst, sondern es passiert halt einfach. Und das kann gut sein, das kann schlecht sein. Und du kannst halt vor allem nicht sagen, habe ich denn jetzt die Zeit,
[01:00:21] Alexander: die ich überhaupt reingesteckt habe, effizient genutzt am Ende? Weil das ist ja auch immer so ein Thema, wenn Leute sagen, können wir davon mal irgendwie weniger machen? Das muss ja nicht zwingend daran liegen, dass die Zeit tatsächlich zu lange ist. Es kann auch einfach sein, dass der Outcome, also das, was die Leute davon dann mitnehmen, von dem sie sich fühlen oder was die Erfolge, die sie damit haben, das kann einfach nicht zueinander passen. Und dass man halt sagt, du, also wenn die Ergebnisse so schlecht sind, dann wird es mir die halbe Zeit auch reichen.
[01:00:48] Michael: Da fand ich die die Trainertage immer eine eigentlich eine ganz coole Sache, weil da hatst du ein Motto, eine eine Überschrift und an dem du dich dann irgendwie so ein Wochenende lang abgearbeitet hast mit verschiedenen Seminaren, Workshops. Und da konntest du zumindest dich auch mal fachlich austauschen, auch mit Leuten reden, die Expertise haben und hast da bis dann im Allgemeinen immer so einen ganz guten Schritt irgendwie weitergekommen. Ich glaube, das ist auch was, was fehlt. So die einmal die Ausbildung an sich, so eine gewisse Grundausbildung und dann so die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch, wo es dann eben zu bestimmten
[01:01:34] Michael: Fokusthemen geht. Also machst du eine Ausbildung und dann hast du z .B. nochmal eben dann ein Trainertreff zum Thema Krafttraining, ein Trainertreff zum Thema Verletzungsprävention und beziehungsweise kann man ja auch kombinieren. Ein Trainertreff zum Thema Technikvermittlung, Taktikvermittlung, Wettkampf, Vorbereitung und so weiter. Ich glaube, das würde der deutschen HEMA-Szene auch nochmal einen ganz, ganz großen Mehrwert bringen.
[01:02:02] Alexander: Ja, es ist halt so natürlich, wenn du auch einfach Trainer hast, die selber sehr fit sind, die haben sich ja dann schon mit dieser ganzen Materie natürlich auch privat einfach auseinandergesetzt, auch da sie ja schon bevor sie dann irgendwie in die Trainerrolle aufgestiegen sind. Da startest du natürlich auf einer anderen Wissensbasis. Und was noch dazu kommt, die also andere Sportarten, die sind als Markt natürlich einfach sehr viel größer und sehr viel interessanter. Und wenn du z .B. für MMA guckst oder Boxen oder so, da findest du natürlich 101 Fitnessprogramm, was Leute ausgearbeitet haben, dem du einfach folgen kannst.
[01:02:35] Alexander: Und die sind sicherlich auch nicht alle gleich gut. Aber da kannst du halt einfach sagen, ok, zumindest wird mir da versprochen, dass es mit meinem Sport zu tun hat und dass es auch Bewegungen sind, die für meinen Sport irgendwie relevant sind. Und das musst du ja so ein bisschen natürlich so machen. Du kannst jetzt nicht einfach jedes Fitnessprogramm nicht einfach Liegestützen, Kniebeugen und Klimmsüge irgendwie machen, weil das machen alle anderen auch so. Du musst jetzt ein bisschen schon auch was aus dem Sport mit reinpacken, dass die Leute das ein bisschen in Zusammenhang sehen, was ja auch für die Motivation durchaus hilfreich
[01:03:05] Alexander: ist. Und da kannst du, selbst wenn es dich halt nicht gut auskennt, einfach sagen oder auch wenn das bei dir im Verein oder im Gym oder so gar nicht so ein großes Thema ist, dann hole ich mir halt dieses Online Programm und mache das halt für mich selber. Ja, also weißt du, so hören aus, da wird schon alles relevante erklärt. Und das ziehe ich halt jetzt mal ein halbes Jahr durch und gucke dann weiter. Und vielleicht hole ich mir dann den nächsten Teil oder ich bin dann schon so in dem Thema drin, dass ich mich mal selber irgendwie weiter einlese. Aber da ist halt die Schwelle auch von dem, was dein Wissen brauchst und
[01:03:35] Alexander: wo du es dir hilfreichst, relativ niedrig. Und das ist ja auch so was. Thema Fitness, wie geh ich nicht da jetzt vor? Wen frage ich denn da? Und was muss ich denn da jetzt alles machen und so? Also, weißt du, auch so ein Ansprechpartner-Thema einfach.
[01:03:51] Michael: Wir hatten ja mal die Schwertgeflüster-Trainertage ins Leben gerufen. Einmal haben wir sie auch bisher durchgeführt. Dann hatten wir eine Umfrage gestattet, ob Interesse besteht, das nochmal zu tun. Und die ist nicht so durch die Decke gegangen, dass wir das bisher gemacht haben. Aber das ist ja vielleicht ein ganz guter Zeitpunkt, hier nochmal Werbung zu machen. Ich weiß nicht, steht die, steht es auf unserer Webseite noch, diese die möglichen Treff der Trainer Treff? Kann man da noch an der An der Umfrage teilnehmen, dass man das gerne machen möchte?
[01:04:32] Alexander: Ich glaube, ich habe die irgendwann dann ausgeblendet. Was noch auf der Homepage ist, ist die Umfrage für unsere Themenvorschläge. Aber die Trainer Treff Umfrage habe ich runtergenommen, nachdem da dann auch nichts mehr kam.
[01:04:50] Michael: Dann wollen wir es nochmal probieren.
[01:04:53] Alexander: Wir können auch nochmal eine neue aufsetzen. Ja, also, du meinst einfach, die Leute quasi fragen so, hey, würde euch das interessieren? Und was würde euch denn thematisch interessieren?
[01:05:03] Michael: Ja, genau. Also so mit Fokus auf Trainer, insbesondere junge Trainer, die also jung im Sinne von Zeit, in der sie als Trainer verbracht haben. Meistens ist ja so, du machst, bist in der Gruppe dabei, fichst ein bisschen und plötzlich ist so, ja, der Trainer hat aufgehört. Wer macht denn jetzt hier weiter? Tommy, machst du das jetzt? Alles klar. Ich habe gar keine Ahnung davon. Kriegst du schon in. Also das ist so das Ziel Klientel, wer jetzt irgendwie seid. Also wenn ihr seit zehn Jahren Trainer seid, für euch ein System habt, was funktioniert, dann sind wir sehr interessiert, dass ihr auch an diesen Trainertagen teilnimmt. Es geht ja um den Austausch.
[01:05:54] Michael: Aber der Fokus ist natürlich so, insbesondere junge Trainer, also nicht jetzt vom Alter her, sondern eben von der Zeit, die sie in Trainer, Anfänger könnte man sagen, im HEMA den Einstieg zu erleichtern.
[01:06:10] Alexander: Ja, wir können auf jeden Fall mal noch mal eine Umfrage aufsetzen, so ein bisschen das generelle Interesse und das inhaltliche Interesse abgrasen, ob wir da irgendwie zusammenkommen. Dann schauen wir einfach mal, wie es was dabei rauskommt.
[01:06:21] Michael: Schauen wir mal, was wird.
[01:06:24] Alexander: Aber das ist ja schon auch jetzt die Frage, weil wenn ich jetzt, ich frage jetzt mal dich. So, Michael, du denkst jetzt, ja, also jetzt Verletzungsprävention. Da hat man die Anna da. Das habe ich abgehakt. Check, denn wäre jetzt das nächste. Okay, jetzt möchte ich gerne Leistungssteigerung. Ich möchte gern wissen, Leistungssteigerung. Wie mache ich das? Was ist da HEMA relevant? Was brauche ich da? Wie sieht das aus? An wen würdest du dich jetzt wenden und sagen, hey, ich habe da ein paar Fragen, können wir dich mal einladen?
Leistungssteigerung und passende Experten
[01:06:55] Michael: Was meinst du mit Leistungssteigerung? Jetzt körperliche Leistungssteigerung. Also ich will schneller werden. Ich will kräftiger werden.
[01:07:05] Alexander: Genau. Ich meine, es geht ja um Fitness. Also natürlich jetzt nicht technisch irgendwie besser, sondern du sagst fitnessmäßig Verletzungsprävention. Das Level haben erreicht. Check, check. Da weiß ich, wie das funktioniert. Jetzt gehen wir mal wirklich in den Bereich Leistungssteigerung auf einer Fitness Ebene, so dass ich im Fechten davon das merke. Wen fragst du?
[01:07:20] Michael: Würde ich auch anerfragen. Universal war für wenn es um körperliche Fitness geht oder um Beweglichkeit.
[01:07:30] Alexander: Okay, sagen wir, das ginge nicht. Hast du noch einen Plan B?
[01:07:35] Michael: Plan B wäre wahrscheinlich der Schromm. Schrom. Der
[01:07:39] Alexander: ist Plan C. Ja, oder sag erst mal, wer der Tobias ist.
[01:07:42] Michael: Genau Tobias ist, ich weiß gar nicht, ob amtierender Deutsche Meister im Langschwert oder ob es ein Jahr vorher war. Auf jeden Fall ein einer der, wenn nicht gar aktuell der beste männliche deutsche Fechter im Langschwert. Und der ist Athletik Coach, also der der studiert Sport und hat sich da drauf fokussiert.
[01:08:09] Alexander: Ja, sehr gut. Hast du noch einen Plan C? Ich verspreche, dass nach C ist tatsächlich auch
[01:08:13] Michael: Plan C. Also meinst du jetzt wirklich eine Person, die ich kontaktieren würde? Oder meinst du Ressourcen allgemein, die ich nutzen würde, um mich zu informieren? Ich
[01:08:30] Alexander: meine wirklich Personen, also Ansprechpartner oder Partnerinnen, weil natürlich kannst du dich im Internet dumm und dämlich suchen und findest zu allem auch irgendwie Infos. Aber so, weißt du, das ist ja dann, dann weißt du, du musst das ja selber dann irgendwie auswählen und kuratieren. Und was lese ich jetzt? Und was glaube ich? Und was wiege ich mit widersprüchlichen Informationen um? Wenn jemand zu dir kommt und er gibt ein Seminar zu dem Thema, dann ist das halt alles schon gemacht vom Fachmann. Darum frage ich, ob du noch einen Plan C Person hast.
[01:08:57] Michael: Nicht in Deutschland, glaube ich. Nee,
[01:09:02] Alexander: nicht im deutschen Raum. Das ist halt insofern interessant. Anna hatte ja bei uns in der Folge war, erzählt, dass ich glaube, vor zwei Jahren knapp HEMA angefangen hat. Ich habe gerade mal beim Tobias Schromm auf seine HEMA Rating Seite geguckt. Erstes Turnier war auch 2024. Das ist halt, glaube ich, auch wieder so ein Thema. Verfügbarkeit und Ansprechpartner und so ein bisschen auch Leute, die halt für dieses Thema stehen und das auch verbreiten. Weil wenn du jetzt fünf Jahre zurückgehst, wüsste ich nicht, wie ich da hätte angesprochen. Wer ist mir jetzt so wie hier gegangen? So keine Ahnung, wer steht denn für dieses Thema? Wer ist denn
[01:09:38] Alexander: bekannt dafür? Wer hatten da die fachliche Expertise, weil er das z .B. beruflich macht, studiert oder sonst irgendwas? Ja, da schwierig.
[01:09:46] Michael: Wer ist denn der Athletik Papst in Deutschland? Der HEMA Athletik Papst
[01:09:52] Alexander: hätte nicht mal in Deutschland sein müssen. Aber du weißt ja immer nicht. Also du kannst natürlich selber fit sein, weil du halt ganz viel ins Fitnessstudio gehst. Aber das jetzt wieder auf so eine Gruppensituation zu übertragen, das ist ja auch noch mal was anderes so. Ist ja schön, wenn du weißt, wie man gut Langhanteltraining macht. Aber ich habe halt keine 20 Langhanteln da für eine HEMA-Gruppe.
[01:10:12] Michael: Das muss dann schon ein bisschen funktional angelegt sein.
[01:10:16] Alexander: Genau, oder was heißt denn überhaupt funktionales Training? Das ist ja auch so.
[01:10:20] Michael: Es ist eine rhetorische Frage oder eine direkte Frage.
[01:10:25] Alexander: Ich glaube, es war beides. Also ein bisschen rhetorisch, weil ich es weiß. Aber ich glaube, es wäre tatsächlich noch mal ganz gut, das kurz für die Hörer zu erklären.
[01:10:33] Michael: Wenn du es weißt, dann erklärst du doch bitte.
[01:10:35] Alexander: Also du kannst, wenn du jetzt im Fitnessstudio bist, ja so Maschinentraining machen, was sehr stark einzelne Muskeln isoliert trainiert. Das kann z .B. für eine Reha eine gute Idee sein. Ist auch so ein typisches Bodybuilder-Ding. Funktional wäre, dass ich halt möglichst die komplette Kraftkette quasi trainiere. Also wenn ich z .B. was vom Boden aufhebe, dass ich halt wirklich was vom Boden aufhebe, weil da ist ja dann nicht nur meine Arme damit beschäftigt, da ist mein Rumpf mit dabei, da sind meine Beide mit dabei und so weiter. Und ich versuche halt möglichst Übungen zu machen, die große, also die Muskelketten ansprechen, nicht irgendwie einzelne Sachen zu isolieren.
[01:11:10] Michael: Also funktionale Muskelketten. Also die Funktion ist dann quasi etwas von Boden aufheben und die funktionale Muskelkette ist quasi das, was daran beteiligt ist, vereinfacht gesagt. Und die trainiere ich dann insgesamt damit.
[01:11:27] Alexander: Genau, und das ist halt eben was anderes. Also ein typischer Bodybuilder-Workout, wo es darum geht, einzelne Muskelgruppen auch gezielt anzusprechen. Natürlich fangen die auch jetzt nicht an Tag eins an, dass sie irgendwie nur Oberarmbizeps trainieren oder so. Aber das ist halt auch schon wieder was anderes, wo du erst mal wissen musst, was weiß ich denn nicht. Also wenn ich so einen Plan vor mir habe, ist das relevant, wer da die Zielgruppe ist, ob das jetzt irgendwie MMA-Leute sind oder HEMA-Leute, also die ja nicht, weil es für die kein so richtig großes Angebot gibt. Ja, aber MMA-Leute oder Boxer oder Gymbros oder wie auch immer.
[01:12:02] Alexander: Ist das relevant? Ist das relevant, ob da mit Kurzhanteln, Langhanteln, Kettlebells, Körpergewicht trainiert? Das sind ja alles so Sachen. Das ist halt so ein riesiges Feld, wo du erst mal Bescheid wissen musst, nach was gucke ich denn eigentlich hier. So dieses Thema weiß ich denn, was ich nicht weiß.
[01:12:18] Michael: Ich glaube jetzt gerade, wo du das so beschreibst, fiel mir noch ein, ich würde vielleicht beim Turnen vorbeigehen und mir angucken, wie die das machen, wie die Krafttraining machen beziehungsweise wer dort die Expertise hat. Weil Turnen ist halt auch so eine Standard universal Vorlage für einen funktionell funktionierenden Körper.
[01:12:47] Alexander: Ja, natürlich sind die Turner halt auch schon wieder relativ krass drauf. Da ist ja eine Turnstunde, da sind wir auch lustig.
[01:12:54] Michael: Bei den Basics im Turnen, aber dort könnte man auch mal sozusagen gucken. Die haben auf jeden Fall Ahnung von funktionellen Ketten.
[01:13:06] Alexander: Ja, was glaube ich auch nochmal ein Faktor ist, über den wir jetzt noch gar nicht gesprochen haben. Also ja, eigentlich auch wieder Thema Erwartungshaltung. Also es gibt natürlich Leute, die wissen gar nichts, wenn sie zum Thema kommen, außer wir haben irgendwie Schwerter. So dann gibt es ja diesen Punkt, wo du den Leuten halt erklärst, was machen wir dann eigentlich, und dann erklärst du denen, na ja, schon mal hier gibt es so Fechtbücher aus Mittelalter und so weiter und so fort. Und auch da habe ich den Eindruck, das ist auch sicherlich so ein Thema auch bei den alten Hasen, sag ich mal. Auf die Fechtbücher, den Fechtteil, da hat man immer sehr genau
[01:13:40] Alexander: reingeschaut, natürlich und sich lange drüber unterhalten, dass es aber ja auch genug Quellen gibt zu einem nicht Fechten, also zu einem nicht Fechttraining, zu einem körperlichen Training, wo dann Steine geworfen werden durch die aufgehoben Handstand, irgendwie am Tisch und so. Keine Ahnung, Stahl verbogen mit den Händen. Es gibt ja diverse Quellen aus diversen Ländern. Ist zumindest meine Wahrnehmung. Komischerweise ist das viel, viel weniger diskutiert worden und stand viel, viel weniger im Fokus als ob man jetzt den Zornhau so oder so macht. Man hätte ja auch drüber reden können. Klar, da gibt es nicht ganz so
[01:14:15] Alexander: viele Quellen dazu wie über den Zornhau. Aber man hätte auch sagen können, wie groß muss denn der Stein sein, den ich jeden Morgen dreimal aufhebe und wieder absetze, bis ich dann körperlich in der Lage bin, den Zornhau zu machen. Aber das war halt irgendwie nicht so der Fokus.
[01:14:29] Michael: Ich glaube, dass die Quellenlage jetzt auch nicht so üppig, hätte ich gesagt. Also, sagen wir mal, die mittelalterliche. Es gibt ja dann auch im 19. Jahrhundert so die die Turner Bewegung. Das sieht es natürlich ganz anders aus. Da haben wir in der Tat dann auch Quellen, historische Quellen zu historischen Bleibesübungen. Aber im Mittelalter ist ja schon ein bisschen. Also man bildet und da wird man an der Stelle beschrieben, dass da irgendwie bis was gemacht wird, aber so wirklich so eine üppige Quellenlage und so detailliert hätte ich jetzt gesagt, gibt es da nicht, oder?
[01:15:08] Alexander: Es gibt schon ein bisschen bisschen was, also nicht so viel wie es Fechtbücher gibt, aber schon so, dass man mitarbeiten kann. Es gibt diverse Fechtbücher, wo immer mal wieder so ein bisschen was erwähnt wird. Wäre, glaube ich, auch ein spannendes Thema, da mal irgendwie zu eine Folge zuzumachen. Also wer sich damit auskennt oder jemand kennt, der deutschsprachig weiß, historisches Fitnesstraining und die Quellen sich dazu angeschaut hat, gerne einmal melden. Mein Punkt war aber halt so ein bisschen, selbst wenn du jetzt keine Quellen gehabt hättest, hättest ja trotzdem sagen können. Na ja, bin ich den körperlich überhaupt auf so
[01:15:42] Alexander: einem Niveau, wo es zu erwarten ist, dass ich den Zornhau überhaupt ausführen kann. So mal rein spekulativ ist ja nicht so, als hätten wir früher zu allem immer super gute Quellen gehabt und Transkriptionen und Übersetzungen. Da wurde ja schon auch viel spekuliert. Und das ist schon ein Thema, was ab und zu auch mal angesprochen wurde. Aber so die körperliche Seite, die Fitnessseite hat ich den Eindruck, wurde immer sehr, sehr, sehr selten und sehr, sehr wenig thematisiert im Vergleich zu dem der Zornhau so oder so. Und wie halte ich das Schwert und wo ist der Daumen?
[01:16:14] Michael: Na ja, weil du es nicht gebraucht hast. Also ich glaube, es waren nicht der Großteil, der wirklich überhaupt Wettkämpfe gemacht hat. Und Wettkämpfe würde ich sagen, im Vergleich zu heute waren die auch nicht so ganz so anstrengend beziehungsweise so, dass das Freifechten, womit man mal angefangen hat. Daher ist diese Fragestellung, glaube ich, gar nicht aufgekommen.
[01:16:38] Alexander: Also deine These wäre jetzt Wettkämpfe insgesamt sind im Schnitt halt anstrengender als ein normales Training. Und darum hat man sich die Frage gar nicht so gestellt.
[01:16:46] Michael: Auf jeden Fall. Ja, das ist meine These.
[01:16:49] Alexander: Ja, kann auch sein. Das würde ja wieder heißen, dass die also das ja dieses generelle Thema. Man kann ein Training ja mehr oder weniger anstrengend gestalten, halt auch wieder mit rein spielt. Weil wenn ich es natürlich relativ unanstrengend gestalte, dann ist der Reiz oder dann ist der der Anreiz doch doch ja auch nicht so riesig groß, dann selber irgendwie fitter zu werden, weil funktioniert ja offensichtlich alles. Und dann denke ich, ja, brauche ich nicht. Und wohingegen, wenn jetzt das Training selber irgendwie körperlich richtig fordernd wäre, dass man sich dann vielleicht eher denkt, na, ein bisschen mehr wäre vielleicht auch nicht schlecht.
[01:17:27] Michael: Müssen wir mal was machen oder der Trugschluss. Dann kommt na ja, das Training ist ja schon anstrengend genug. Das muss ja erst mal damit klarkommen. Es muss jetzt hier nicht noch mehr machen, sondern erst mal überhaupt mit dem Training klarkommen, was ein Trugschluss ist. Fallt nicht darauf rein. It’s a trap.
[01:17:47] Alexander: Hier beim BJJ war es so. Es war auch so ein bisschen inkonsistent gestaltet. Da war das Aufwärmen so vom Krafttraining Aspekt meistens der härteste Teil tatsächlich. Und es hat sich immer so ein bisschen künstlich für mich angefühlt, weil eigentlich hinterher war es dann nicht so wild, dass du also vom muskulären Aspekt zu viel irgendwie noch machen musstest. Also je nachdem, dass du halt vor Positionen bevorzugt hast. Da war dann eher Cardio natürlich ein riesen Ding, weil dir halt irgendwann die Puste ausgegangen ist oder so Kraft Ausdauer. Und dann war es da halt immer so mit Ja, OK, wann hören die Liegestütze
[01:18:21] Alexander: auf? Wann hört das so oder? Wir haben also was gemacht mit Du hängst ein Gürtel über den Balken. Also so ein Judo Gürtel quasi BJJ Gürtel. Du musst dich halt in diesem Gürtel dann da hochziehen und musst am Balken mit Füßen einhaken, so als würdest du einen Triangle Choke machen und so. Auch das ultra einstrengend, wenn ich dabei auf dem Boden liegen kann und jemand Triangle Choke ist, ist es natürlich bei weitem weniger anstrengend, als wenn ich dabei in der Lufthänge an den Armen und Balken und so.
[01:18:49] Michael: Aber du brauchst natürlich im Training einen stärkeren Reiz, damit es dann in der eigentlichen Ausführung eben leichter ist oder dass du es dann eben dafür trainierst du ja.
[01:19:00] Alexander: Ja, nur hat sich das halt nicht so angefühlt. Das hat sich halt immer so angefühlt. Wir machen das jetzt halt, um die Leute ein bisschen zu quälen. Aber also weder brauche ich das noch hat das irgendwie bei mir den Reiz geweckt, zu sagen, oh, da muss ich jetzt mal ganz dringend Krafttraining machen. Wohingegen das, was du wirklich im Training dann hattest, nämlich dass du einfach die Puste ausging, das war schon so ein Ding, wo ich mir dann dachte, also wenn ich das jetzt ein bisschen ernsthafter betreiben wollen würde, müsste ich da auf jeden Fall was machen. Also für mich war das irgendwie zwei komplett
[01:19:27] Alexander: getrennte Teile. Und das ist halt glaube ich immer so ein bisschen die Frage. Also welchen Teil versuchst du irgendwie anstrengender zu gestalten?
[01:19:35] Michael: Fällt dir noch was ein zum Thema warum HEMA Deutschland ein Fitnessproblem hat?
[01:19:44] Alexander: Ich glaube, das allerletzte ist wahrscheinlich halt auch so, dass man halt die Erwartung hat, das wollen die Leute nicht, sondern wir können das nicht machen.
[01:19:53] Michael: Es ist wie Ring.
[01:19:54] Alexander: Das ist wie Ring, genau. Und das stimmt wahrscheinlich auch zum Teil. Jetzt ist es schon so, dass manche Gruppen von in das Wien habe ich das zum Beispiel gehört. Vielleicht gucke ich mal kurz in deren Trainingsplan. OK, ich finde das nicht in ihrem Kursprogramm. Ich weiß nicht genau, wo ich da gucken muss. Aber was mir gesagt wurde, ist, die hätten eine Einheit. Das wäre im Wesentlichen eine Fitness- und Solotrainings-Einheit. Und die hätten das einfach mal gemacht. Und das würde auch ziemlich gut ankommen. Also so ein bisschen wie so eine Fitness-Kickbox oder Box-Einheit. Du hast keinen Sparring, du hast keinen Gegnerkontakt.
[01:20:35] Alexander: Du haust halt entweder die Luft oder beim Boxen haust du halt einen Sandsack oder so. Könnte man ja auch so einen Balken, einen Pellschlagbaum in die Halle stellen. Und ich glaube, dass das natürlich dann auch wieder ein bisschen anderes Publikum anzieht. Und wenn du wenn du so was machst und du siehst natürlich, dass das funktioniert, ziehst darüber auch wieder ein bisschen anderes Publikum an, dann kannst du natürlich schon auch ein bisschen die Erwartungshaltung in deiner Gruppe verändern. Also wenn du sagst, wir haben jetzt hier so ein Training, das ist das eigentliche Fitness-Training. Und jetzt auf einmal haben wir Leute, die sagen, oh
[01:21:07] Alexander: ja, Fitness-Training ist genau mein Ding und schlagen da auf und so. Und die kommen dann von da irgendwie in die anderen Trainings. Das ist dann wahrscheinlich schon was anderes. Und wenn du halt siehst, ah, guck mal, es gibt also klar die Leute, die wir da haben, die sagen vielleicht, ne, also Fitness ist eigentlich jetzt gar nicht so mein Ding. Aber ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich auch andere Leute anziehen könnte, die sagen, doch, doch, Fitness ist genau mein Ding und Fitness über Schwertkampf. Da hätte ich eigentlich schon ziemlich Bock drauf. Also weißt du, so dieses die Leute, die ich hab, sind vielleicht nicht die Leute, die da massiv
[01:21:36] Alexander: Bock drauf haben. Darum traue ich mich da nicht so richtig zu experimentieren. Aber wenn ich mal ein laufendes System habe, wo Fitness auch auch irgendwie so ein Kernbestandteil ist, da kriege ich auch andere Leute und dann kriege ich halt auch. Also von da kann ich halt auch so ein bisschen die Kultur im Verein dann beeinflussen oder meine eigene Erwartungshaltung als Trainer, Organisator, dass ich mich jetzt da klar ausgedrückt habe.
[01:21:58] Michael: Na, mir ist gerade noch die Idee gekommen, dass es ja eine total coole Sache ist, also Fitness mit Schwert zu machen, wenn du das quasi anbietest. Hier bei uns ist einmal pro Woche, keine Ahnung, Sonntag Vormittag. Schwert Fitness. Wir bringen Schwerter, ihr bringt Fitness und los geht’s.
[01:22:17] Alexander: Ja, zum Beispiel genau. Es kann natürlich auch wieder sein. Es kann in alle möglichen Richtungen gehen. Wenn du sagst, ich hätte gerne eine Gruppe Wettkämpfe. Vielleicht sind das genau die Leute, die sagen, oh ja, da gehe ich hin, weil da werde ich fit. Und dann kann ich besser Wettkämpfe machen. Ausgezeichnet oder umgekehrt Leute, die reinkommen, weil sie fit werden wollen, dann merken Wettkämpfe total das Ding. Es kann aber natürlich auch umgekehrt laufen, dass halt Leute zum Fitnesstraining kommen und sagen, ja gut, so Solotraining, alles supi. Aber jetzt irgendwie mit Kontakt nicht so mein Ding. Das weiß ich natürlich vorher nicht.
Zielgruppen, Trainingskultur und neue Mitglieder
[01:22:49] Alexander: Aber ja, ich glaube, da kannst du halt einfach. Es ist halt einfach dann wahrscheinlich auch eine andere Zielgruppe, die man da anspricht, die dann halt auch andere Bedürfnisse am Ende hat, wo man da vielleicht auch sich ein bisschen leichter tut, diesen Fitnessaspekt mehr in den Vordergrund zu stellen.
[01:23:01] Michael: Ja, absolut. Da ist wie immer eine gute Idee, sich darüber Gedanken zu machen. Wer ist denn eigentlich meine Zielgruppe? Ich würde sagen, dazu haben wir garantiert auch schon irgendeine Episode gemacht.
[01:23:15] Alexander: Ja, 100 pro.
[01:23:17] Michael: Liebe Hörer, wenn ihr wisst, welches ist, dann schreibt doch gerne einen Kommentar bei Facebook. Wir verlieren jetzt so langsam die Übersicht. Wenn ihr euch zu dem Thema noch mal so ein bisschen belesen bzw. behören wollt. Wir haben die Episode mit der Anna. Wir haben auch eine Episode Athletiktraining fürs Fechten gemacht mit dem Eliseo. Wir haben den Paul Becker und den Michael Schüle im Podcast gehabt mit der Trainerausbildung. Da ging es auch am Rande um so das Thema. Wie baut man das ins Training mit ein? Also Schwertgeflüster liefert da durchaus neben dieser Episode schon ganz gutes Material, worauf ihr aufbauen könnt und was ihr nutzen könnt,
Weiterführende Folgen und Fazit
[01:24:13] Michael: um euch einen Überblick zu verschaffen. Wenn ihr sagt, boah, die haben natürlich wie immer Recht. Und ich sollte jetzt unbedingt dran arbeiten, dass mein persönliches Fitnesslevel bzw. das meiner Athleten besser wird.
[01:24:27] Alexander: Ja, ich habe die Folge übrigens gefunden. Beziehungsweise sind zwei. Die eine Folge ist, welche die Identität hat. Deine HEMA-Gruppe Folge 74. Also gerade zu dem, so wie man sich dann selber war, wie man sich von außen war und zum Marketing an sich haben wir eine eigene Grundlagenfolge. Fechten, Finten, Funnel: Marketing-Grundlagen für Kampfsport. Folge 166. Also auch da gibt es noch diverse Dinge, wo man nachholen kann.
[01:24:54] Michael: Damit sind wir eigentlich wir sind provokant eingestiegen. Aber jetzt würde ich sagen, an einem recht versöhnlichen Ende gelandet. Wir bieten natürlich, wir pöbeln ja nicht nur um. Wir bieten auch Lösungen an, ob ihr die dann umsetzt oder nicht. Liegt natürlich bei euch.
[01:25:12] Alexander: Wir sind der lösungsorientierte Schwert-Podcast.
[01:25:15] Michael: Genau. Und die Lösung für die nächste Episode haben wir noch nicht. Aber die werdet ihr in 14 Tagen erfahren. Macht’s gut. Bis dahin. Tschüss.
[01:25:30] Alexander: Ciao. Halt, bitte noch nicht weglaufen. Ihr könnt diesen Podcast nämlich noch unterstützen. Wenn es euch gefällt, dann tut uns einen Gefallen. Gebt uns ein Like auf Facebook oder bei Instagram oder bewertet diesen Podcast bei iTunes und unterstützt uns auch gerne auf Patreon. Dotcom slash Schwertgeflüster, Schwertgeflüster mit Ue und empfiehlt diesen Podcast euren Freunden und Feinden weiter.
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