Was unterscheidet Living History von Reenactment und wie historisch korrekt muss eine Mittelalterdarstellung eigentlich sein?

Mario und Benny vom Podcast Huch, Gotik! nehmen dich mit in die Welt der Living History.

Du erfährst, warum ein Mittelaltermarkt nicht automatisch historische Wissensvermittlung ist, was eine lebende Museumsvitrine ausmacht und woran Du gute historische Darstellung erkennen kannst.

Außerdem sprechen wir über Authentizität, Mittelalter Klischees, historische Quellen, LARP und Reenactment und darüber, wie Herr der Ringe Menschen überhaupt erst zum Mittelalter Hobby bringen kann.

Shownotes

In eigener Sache

Schwertgeflüster ist der HEMA-Podcast von Alexander Fürgut und Michael Sprenger. Alexander ist Trainer und Mitgründer der Schwabenfedern Ulm, Autor von Der Schielhau im Detail, fechtet Langschwert und Rapier und betreibt HEMA Hell Apparel. Michael ist Trainer und Mitgründer vom Fencing Club Dresden und fechtet vor allem Langschwert und Säbel.

Wenn dir der Podcast gefällt, unterstütze uns auf Patreon oder hinterlasse eine Bewertung. Du findest uns auf unserer Website, bei Facebook, Instagram, YouTube und Spotify.

Fragen, Anmerkungen oder Gastvorschläge? Schreib an post@schwertgefluester.de oder komm auf unseren Discord-Server.

Das nimmst du mit

  • Worin sich Living History, Reenactment und historische Darstellung unterscheiden
  • Woran du erkennst, ob eine Darstellung transparent und quellenbasiert arbeitet
  • Warum ein Mittelaltermarkt nicht automatisch historische Wissensvermittlung bietet
  • Wie du Zeit, Region, Anspruch und eine passende Gruppe auswählst, bevor du Ausrüstung kaufst
  • Warum experimentelle Archäologie eine wissenschaftliche Methode und nicht nur ein praktischer Versuch ist

Kapitel

Transkript

Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und kann Erkennungsfehler enthalten.

Living History ganz ohne Reenactment

[00:04] Michael: Schwertgeflüster, der HEMA-Podcast mit Alexander Fürgut und Michael Sprenger.

[00:15] Alexander: Thema der heutigen Folge ist Living History ganz ohne Reenactment. Und wenn jetzt der erste oder die erste schon so ein bisschen hä? Ist das nicht das Gleiche? Das ist genau, worüber wir heute reden möchten. Und wir haben uns zu zwei Gäste eingeladen, und zwar den Mario und den Benny von Huch, Gotik. Einem sehr interessanten Podcast, den ich nur weiterempfehlen kann in diesem Sinne.

[00:36] Benny: Hallo.

[00:37] Mario: Hallo. Hallöchen.

[00:39] Alexander: Und ich bin der Alexander und der Michael ist wie immer auch dabei.

[00:42] Michael: Vom Podcast Schwertgeflüster, den ich nur sehr weiterempfehlen kann.

[00:47] Mario: Wir auch.

[00:49] Alexander: Also, so ein bisschen Background zu dem Ganzen. Sowohl der Michael als auch ich haben ja nie irgendwie Living History gemacht. Und wir haben natürlich jede Menge Freunde, die das machen. Gibt ja auch in der HEMA-Szene diverse Leute, die sich dafür interessieren. Aber obwohl wir da auch immer mal wieder so ein bisschen drüber geredet haben mit Gästen, die das auch machen, so hundertprozentig durchgestiegen, bin ich da, glaube ich, nach wie vor noch nicht. Ich habe viele Fragen. Und wir haben uns gedacht, wir dröseln dieses Thema mal noch so ein bisschen auf. Und vor allem, also nicht nur so sachlich, was ist das,

[01:22] Alexander: weil das könnt ihr auch auf Wikipedia nachlesen, sondern was macht denn am Ende wirklich den Reiz aus von dem Ganzen? Was ist das, wo man sagt, ey, mega gut, da habe ich mich richtig gefreut. Weil wenn ihr jetzt alle hier mal macht, da wisst ihr wahrscheinlich, was eure Erfolgsmomente sind und eure Motivation so. Der eine hat Spaß, jemand ins Gesicht zu stechen und der nächste hat irgendwie einfach nur Spaß, wenn er ein Schwert schwingen kann. Aber es gibt natürlich diverse andere Motivationen für diverse andere Hobbys. Und ich stelle jetzt direkt mal die Einstiegsfrage. Was macht ihr eigentlich so? Also was ist das, womit ihr euch

[01:55] Alexander: beschäftigt in diesem großen, großen Thema Mittelalter?

Displayarbeit, Belebung und Geschichtsvermittlung

[01:59] Benny: Unterschiedlich, unterschiedlich. Ich habe, glaube ich, nach jetzt insgesamt 23 Jahren Hobby dieses Jahr, habe ich meine Nische sehr gefunden. Meine Frau und ich machen größtenteils etwas, was sich als Displayarbeit bezeichnet. Das heißt, wir sind auf verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Mittelalter und machen, ich nenne es immer gerne, ich bin eine lebende Museumsvitrine. Ich habe da so einen Tisch vor mir stehen zu einem bestimmten Thema. Ich deck da verschiedene Sachen ab. Hygiene und Sauberkeit im Mittelalter, Handel und Märkte, Umgang mit Behinderungen ist ein Thema, was ich im Moment habe. Wissenschaft und Weltbild im Mittelalter und so was.

[02:37] Benny: Und da habe ich dann verschiedene Schaustücke liegen, wie man das halt bei einer Museumsvitrine zu einem bestimmten Thema hätte. Nur, dass die Besucher diese Schaustücke in die Hand nehmen können, ich denen dazu immer was erklären und erzählen kann und demonstrieren, wie man die Dinger benutzt. Zum Thema Wissenschaft und Weltbild habe ich zum Beispiel so ein Astrolabium, womit man die Position der Gestirne messen kann und daran dann Tageszeit oder Datum berechnen kann und solche Scherze. Das ist so das, was ich mittlerweile größtenteils mache. Und ja, Mario ist da thematisch deutlich breiter gestreut.

[03:09] Mario: Ja, genau. Also das, was Benno gerade erwähnt hat, mache ich halt eben auch. Also hauptsächlich dann in Museen, aber halt eben auch auf anderen Veranstaltungen. Meine Frau und ich machen allerdings das Ganze, wie Benno gerade auch richtigerweise sagte, deutlich breiter gestreut. Das heißt also neben der reinen Wissensvermittlung, wo wir da stehen, ein Display bedienen, Besuchern Dinge erzählen und ganz vielen Klischees aus dem Weg gehen. Nein, die ganz viele Klischees auf mit ganz vielen Klischees aufräumen, die es so über das Mittelalter gibt. Machen wir halt eben auch noch so ein paar andere Sachen. Dazu gehören halt Belebungen.

[03:46] Mario: Belebung ist schon das erste, wo man ja in den Bereich Living History eher reinkommt, nämlich man zeigt, wie als Beispiel eine Burg, wir sind hoffentlich dieses Jahr auch wieder auf Burg Linn und machen da eine Belebung. Das heißt, da sieht man, wie ein ganz normaler Tag auf dieser Burg abläuft oder also häufig sind es dann historische Gemäuer, wo man das Ganze macht. Aber genauso kann das Ganze auch auf Zeltveranstaltungen sein, die, was das Thema Historie angeht oder historische Korrektheit immer so ein kleines Fragezeichen dran haben, weil immer die Frage ist, hätte man in dem Kontext wirklich in einem Zelt jetzt gelebt oder halt eben nicht.

[04:31] Mario: Aber grundsätzlich halt eben dieses Thema Living History in den Vordergrund stellen und man sagt, okay, die Leute können dahin kommen und die können sehen, wie die Menschen wahrscheinlich im Mittelalter gelebt haben. Das ist natürlich auch ein Stück weit Wissensvermittlung, aber eben nicht so explizit an einem Tisch stehend und genau dieses Thema abmoderieren, anerzählen und so was halt eben.

[04:56] Benny: Und es hat noch mal einen deutlich größeren Vorbezug auch für einen selber, dass man selber so seinen eigenen Film ein bisschen mitbekommt.

[05:04] Mario: Während das,

[05:05] Benny: was meine Frau und ich halt größtenteils machen, halt wirklich reine Publikumsarbeit ist, da tauchen wir jetzt selber wenig irgendwie in die Geschichte ab.

[05:12] Michael: Du, du meintest ja, ja, also Benjamin, dass du quasi eine lebende Museumsvitrine bist. Wo bist du das? Also gehst du dann jetzt damit auf die Straße, stellst dich hin und sagst Leute, ich jetzt was wollte übers Mittelalter wissen oder bist du in einem Museum? Wo findet man dich dann?

[05:34] Benny: Unterschiedlich. Wir arbeiten tatsächlich relativ viel mit Museen zusammen. Wir haben hier direkt bei uns in der Nähe haben wir einmal das LWL-Museum für Archäologie in Herne. Und dann das sehr nette, von einem kleinen Geschichtsverein betriebene Museum auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr. Das machen wir relativ viel. Ansonsten wir hatten in den letzten Jahren das bei irgendwelchen Stadtjubiläen, das ist tatsächlich mehrfach passiert, wir angefragt worden sind, ob wir nicht was zur Zeit der Stadtgründung machen wollen und da was was darüber erzählen wollen. Dann haben wir uns mit ein paar Leuten zusammengetan, dass wir so einen groben Überblick über die wichtigsten

[06:14] Benny: Themen liefern können. So was ist Leben um 1275? Was hat man da so klassisch an falschen Vorstellungen und was können wir darüber erzählen? Dann guckt man, ok, wen kenne ich, der dazu was macht, stellt ein Konzept zusammen und stellt den Leuten das vor. Ja, teilweise machen wir mittlerweile relativ wenig, was hauptsächlich einfach daran liegt, dass es weniger Veranstaltungen im Moment in der Nähe gibt, wo sich das gut eignet, aber wir haben das früher auch sehr viel auf Mittelaltermärkten gemacht einfach. Dass man das nutzt, da ist sowieso viel Publikum, was irgendwie an dem Thema interessiert ist und generell hat so ein Mittelaltermarkt halt keinen Vermittlungsanspruch.

[06:52] Benny: Aber es ist eigentlich ganz, ganz nett und auch immer gut beim Publikum angekommen, da auch einfach mal was lernen zu können und was mitnehmen zu können. Also ja, tatsächlich einfach so irgendwo auf der Straße würde ich es jetzt nicht machen. Es ist nicht so, als hätte ich während der Zwangspause, während Corona nicht darüber nachgedacht. Aber ich glaube, man würde dann doch eher irgendwie wie ein Sekten-Guru

[07:15] Mario: auf neuem

[07:17] Benny: Rekruten fangen würden.

Mittelaltermarkt oder Wissensvermittlung?

[07:19] Alexander: Du hast jetzt auch schon das Thema Mittelaltermarkt angesprochen. Also ist das was? Ich meine, das kennen ja wahrscheinlich die meisten. Da gibt es den Marktbereich, die Fressbuden und da gibt es ja noch diesen Zelt und Lagerbereich. Also das wäre potenziell, wenn man auf dem richtigen ist schon auch was, wo man euch treffen könnte oder einen von euch.

[07:36] Mario: Ja, auf jeden Fall. Also es kommt immer drauf an, was für eine Veranstaltung das Ganze ist. Und nicht nur uns könnte man da treffen, sondern auch da gibt es einige Darstellerinnen, die wirklich gut unterwegs sind und die dem Publikum auch gutes Wissen vermitteln. Der Gedanke ist halt eben, dem Benno vielleicht gerade so ein bisschen ausdrücken wollte, das Grundkonzept eines Mittelaltermarks ist erst mal keine Wissensvermittlung, sondern das ist eine kommerzielle Veranstaltung mit dem Motto Mittelalter. Und auch wenn es da sehr gute Darstellerinnen gibt und wir halt auch zwischendurch mal ab und zu da sind, ist der Gedanke des Mittelaltermarkts erst mal gar nicht, dass

[08:21] Mario: ich bringe dem Publikum jetzt etwas bei.

[08:24] Alexander: Das ist insofern interessant, weil wenn man auf so eine Mittelaltermarkt geht als Laie weiß man ja erst mal nicht, wer denn einem gute Informationen gibt und wer dem einem nicht so gute Informationen gibt. Wenn man da Leute fragt, kriegt man schon durchaus sehr viel erzählt, aber da kann ich jetzt im Grunde auch bei euch durch die Folgenliste scrollen, da kriegst du halt diese ganzen Klischees um die Ohren gehauen, so, ah, die haben ja alle ständig Bier getrunken, weil das Wasser war ja nicht sauber und der Lebensmittel war ja überhaupt nicht haltbar, machbar und dies und das und haste nicht gesehen. Also woher weiß ich das denn, einfach als Besucher, ob die

[08:57] Alexander: Informationen, die ich da von den Leuten kriege, denn irgendwie belastbar ist oder nicht? Das

[09:02] Mario: ist so hart, es

[09:02] Benny: klingt erst mal gar nicht.

[09:03] Mario: Genau,

[09:04] Benny: es gab… Das ist immer das Problem, als Laie… Das ist so, da sind wir bei dem großen Kernstreitthema innerhalb dieses großen Hobbykomplexes, irgendwas mit Mittelalter machen, dass das große Wort, das böse Wort mit A, die Authentizität, das ist… Ich hab jetzt vor, wie gesagt, ungefähr 23 Jahren mit dem Hobby angefangen und es gibt alte Hasen, die das damals schon irgendwie seit zwei Jahrzehnten gemacht haben. Das Hobby hat seine Anfänge und also irgendwo in den 80ern in Deutschland. Und es ist von Anfang an ein Streitthema, wie historisch genau muss man denn sein? Wie nah dran soll es sein an der historischen Realität?

[09:43] Benny: Werd ich zerrissen, wenn ich in irgendwelchen Fantasy-Klamotten über den Mittelaltermarkt laufe? Nein. Das Ding, worüber es halt immer wieder Streit gibt, ist, Leute, gerade Anfänger, glauben, ah, ich muss das sofort 100 % richtig haben, aus handgesponnener, handgewebter Wolle, rückgezüchteter Schafrassen, alles mit Pflanzenfarben, handgefärbt. Sonst werde ich geteert und gefedert und vom Platz gejagt. Und gleichzeitig gibt es halt so Leute wie Mario und mich, die sagen, Kinder, bitte macht, was ihr wollt. Aber stellt euch halt nicht dahin mit einem Ikea-Fell über den Schultern und einer Biker-Leder -Jeans und

[10:29] Alexander: einem Piratenhemd

Quellen prüfen und gute Darstellung erkennen

[10:30] Benny: aus dem Theaterbedarf am Leib und erzählt den Leuten, seht euch an, so sah ein Wikinger um das Jahr 800 aus und lasstet mich euch erzählen, wie die Glaubenswelt unserer germanischen Vorfahren aussah und erzählt den Leuten halt keinen Blödsinn. Das ist immer so dieses Ding. Macht um Himmels willen, was euch Spaß macht, aber erzählt den Leuten halt keinen Nonsens.

[10:59] Mario: Um noch mal auf deine Frage zurückzukommen, wie erkennt ein Besucher das? Das ist auch innerhalb der Szene schon seit Ewigkeiten eine Diskussion. Es gab immer mal zwischendurch Versuche, ja, irgendeine Art der Zertifizierung oder so irgendetwas zu machen, weil man halt einfach gesagt hat, okay, wie soll denn ein Museum, genauso wie ein Besucher oder wer auch immer sich dafür interessiert, erkennen, welche Gruppe so eine Art in Anführungsstrichen Mindeststandard erfüllt, zumindest, wie gesagt, so ein Mindestmaß an historischer Korrektheit und eben keinen Blödsinn erzählt. Und da gibt es ganz tolle Konzepte zu.

[11:42] Mario: Ich weiß auch vom Bekannten von uns, dass mehrere Leute solche Konzepte in der Schublade haben. Es scheitert halt schlicht und ergreifend immer daran, wer entscheidet das denn jetzt? Also, ein bisschen anders als beim HEMA, gibt es halt keinen Dachverband des Living History oder was auch immer, wo man irgendwie sagen kann, daran kann man sich orientieren oder so. Gibt’s halt nicht. Und das führt dann genau zu diesem Problem. Der Besucher ist auf irgendeiner Veranstaltung und über einen dicken Daumen gepeilt. Kann man eigentlich schon mal sagen, wenn nicht Mittelalter, sondern zum Beispiel Living History dransteht oder

[12:19] Mario: Belebung, ist das schon mal ein Zeichen, Achtung, nicht zu 100%, aber ein Zeichen dafür, dass das Ganze wahrscheinlich, ich benutze ganz viele Konjunktive, etwas historisch korrekter ist, als wenn da dransteht, der Mittelaltermarkt zu Schloss.

[12:40] Benny: Es ist halt immer schwierig, wir versuchen zu zeigen, dass wir mit Quellen arbeiten können. Wir versuchen den Leuten zu zeigen, hier schaut mal, wir stützen uns auf, auf diese und jeden Quellen, auf diese und jeden Informationsquellen zu einigen Themen habe ich sogar einfach Bücher dabei, die ich im Zweifelsfall rausholen kann oder eine Literaturliste. Das war quasi der Start, warum ich angefangen habe, einen Blog zu schreiben, damit ich den Leuten im Zweifelsfall einfach meine Visitenkarte in die Hand drücken kann und sagen kann, hier zu dem Thema ist ein Blogposter drauf, der hat eine ellenlange Linkliste am Ende dran zu verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten

[13:13] Benny: zu dem Thema, wenn es sie interessiert.

[13:16] Mario: Und das ist vielleicht so ein Tipp, wenn man auf irgendeiner Veranstaltung ist und man kriegt eine Information und möchte irgendwie so ein bisschen rausfinden, wie hoch ist der Wahrheitsgehalt, denjenigen einfach mal zu fragen, ach, das ist ja ein super interessantes Thema, können Sie mir da eine Quelle zu oder ein Buch oder Literatur zu empfehlen, dass ich mir das einfach nochmal zu Hause angucken kann, ob man das jetzt wirklich will oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber wenn derjenige sagt, ja klar, hier das und das oder irgendwie zumindest einen guten Eindruck vermittelt im Sinne von, ich gebe Ihnen eine Visitenkarte und da ist dann ein Blogpost und da

[13:56] Mario: sind Dinge verlinkt, dann ist die Wahrscheinlichkeit schon mal höher, als wenn jemand sagt, ja, also meine Oma hat das auch schon immer so gemacht. Ist auch

[14:06] Benny: nicht 100 Prozent. Im Zweifelsfall kriegt man dann halt Storl als Quelle genannt oder sonst wen. Was ist

[14:13] Mario: Storl? Storl ist ein Historiker,

[14:16] Benny: Storl ist ein lustiger, esoterischer Schwurbler, der sich irgendwann mal in einem Native American Reservat in Kanada furchtbar mit Fliegenpilzen abgeschossen hat. Und seitdem der festen Überzeugung ist, dass die alten Germanen das auch schon getan haben und dass Heinrich Himmler die absolute Wahrheit über das germanische Heidentum beschrieben hat und ja, der Mann gibt eine lustige Mischung aus esoterischem, übernatürlichem Krempel und Himmler-Heidentum.

[14:53] Michael: Da kann man

[14:54] Benny: da so in Anti-Verschwörungstheorie -Kreisen ein relativ bekannter Name. Es gibt einen ausführlichen Psyram-Artikel über den über den Kerl, der ist so ein ein Quell der Freude, dem man immer wieder begegnet, wenn man so über Frühmittelalter, heidnische, vorchristliche Religionen im germanisch-keltischen Raum redet.

[15:14] Michael: Ich glaube, da kann man dann noch Axel Stoll dazu nehmen und dann hat man sich umfassend mit dem Thema beschäftigt.

[15:21] Benny: So ein bisschen, ja. Ja, der ist der Germanen Axel

[15:24] Mario: Stoll. Das trifft

[15:26] Benny: das ganz gut.

Wie Reenactment und Living History entstanden

[15:28] Michael: Jetzt hat Benjamin, du hattest vorhin gesagt, dieses Hobby gibt es ja schon seit den 80ern. Du machst das schon seit mehr als 20 Jahren. Wie ist zwei Fragen? Wie ist dieses Hobby denn entstanden? Und wie seid ihr dazu gekommen? Also habt ihr einen akademischen Background in diese Richtung oder irgendetwas gelernt, was in diesem damit zu tun hat? Wie seid ihr dann dazu gekommen? Also Frage eins. Wie ist dieses Hobby entstanden? Frage zwei. Wie seid ihr dazu gekommen?

[16:01] Benny: Soll ich den Abriss über die über die Geschichte einfach mal machen? Gut, ja. Also das fängt quasi in den USA an. Da hat man so seit den 60ern, 70ern diese American Civil War Reenactments, dass sich Leute in Vereinen zusammenschließen und an den originalen Austragungsorten von Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs ebenselbige wieder noch nochmal darstellen. Gleichzeitig hat man so eine Subkultur Schrägstrich Hobby Bewegung, diese Trapper Bewegung, die dieses Leben an der an der Frontier, an der an der Grenze des von weißen Europäern besiedelten Raumes in den USA, die da irgendwo in der Wildnis leben und

[16:45] Benny: hauptsächlich von Jagd und Fischfang und Holzwirtschaft leben und die das nachstellen wollen. Und das wächst so ein bisschen zu einem Hobby zusammen. Das ist immer noch eine Riesensache in den USA. Groß genug, dass die halt teilweise Schlachten mit Original Teilnehmerzahlen nachstellen können.

[17:05] Alexander: Von was reden wir da ungefähr?

[17:07] Mario: Ja,

[17:08] Benny: ja. Also ein paar Zehntausend Leute auf beiden Seiten.

[17:12] Alexander: OK, das ist Strom, ja.

[17:14] Benny: Also mittlerweile wird es wieder deutlich kleiner, aber so in den in den 90ern, frühen 2000ern war das eine Riesenkiste. In Europa hat man dann als Entsprechung dazu die Napoleonik, eben die Zeit der Napoleonischen Kriege deutlich kleiner, aber trotzdem ein riesengroßer Hobbybereich. Und ja, dann entsteht quasi daran angelehnt. Das ist im Übrigen dann das, was als Reenactment bezeichnet wird, was wir als Titel im Titel der Folge ja auch ansprechen. Reenactment ist immer das Nachstellen eines spezifischen historischen Ereignisses. Das sind in 90 Prozent der Fälle irgendwelche Schlachten, wo dann Leute militärisch aufgedröselt dastehen und ihre

[17:54] Benny: ihre Formationen abschreiten. Was im Mittelalterbereich immer so das Problem hat. Gerade im Hochmittelalter hast du halt Feldarminen, die so zur Hälfte aus Kavallerie bestehen. Das ist heute nicht so leicht zu stemmen. Dann hast du so Reenactments von Schlachten, die historisch größtenteils von der Kavallerie geschlagen wurden, wo das Fußvolk irgendwie am Rand mit mit Beistand, um im Zweifelsfall der eigenen Kavallerie einen Rückzugsort zu bieten. Aber de facto funktioniert sieht das Reenactment halt so aus, dass da zwei Infanterie-Blocks sich aufeinander zu bewegen und irgendwo im Hintergrund drei Reiter mit rumreiten. Das ist immer ein Problem.

[18:29] Benny: Ja. Und dann entsteht in Europa halt gleichzeitig quasi zwei verschiedene Hobbys. Zum einen diese Mittelaltermärkte, die ja volksfeste mit einem Mittelalter Thema sind. Das in allererster Linie mal eine klassische Kirmes überhaupt nicht abwertend gemeint, sondern das ist halt einfach, was der Sinn dahinter ist. Aber da drum herum baut sich halt so eine Subkultur auf. Und dann hat man das Hobby Live-Rollenspiel, Live-Action -Rollplaying oder LARP. Für diejenigen, die es nicht kennen, nach verschiedenen Regelwerken treffen sich da Leute kostümiert als ihre Charaktere. Ich glaube, in LARP, nee, in LARP sagt man auch nicht Kostüm in LARP,

[19:07] Benny: sagt man auch Gewandung, treffen sich da in ihrer Gewandung als irgendwelche Charaktere und haben irgendwie Regelwerke, welche Fähigkeiten ihr Charakter hat und erleben da Abenteuer mit Nicht-Spieler -Charakteren, die dafür ein bisschen weniger für die Teilnahme bezahlen müssen, dass sie halt Org Nummer 13 sind und sich achtmal an einem Spieltag von den Spielern abschnetzeln lassen. Und diese beiden Hobbys hatten in der Anfangszeit eine Menge Berührungspunkte. Mittlerweile sind das zwar sehr getrennte Szenen, aber in der Anfangszeit hatten die eine Menge Überschneidung. Es sind viele LARP auf Mittelaltermärkten rumgelaufen.

[19:44] Benny: Und ja, und innerhalb dieser Mittelalter-Marktszene hat sich dann mit der Zeit eine Untergruppe gebildet, die das Ganze ein bisschen historisch korrekter haben wollte, die sich an die Ansprüche dieser großen Reenactment-Szenen anlehnen wollte. So einer der ersten großen Namen für Mittelalter-Reenactment ist das Reenactment der Schlacht von Hastings in England. 1066, die Normanden erobern das angelsaxische England. Das wird bis heute alle paar Jahre mit einem riesigen Aufwand nachgestellt. Die haben auch tatsächlich eine realistische Menge an Kavallerie verglichen mit dem, was sie da im Fußvolk haben. Und das war immer so so lange Zeit. Als ich angefangen habe, war das

[20:23] Benny: immer noch so ein bisschen das Mekka für Mittelalter-Reenactment. Quasi jeder, egal was du sonst für eine Zeit dargestellt hast, hatte immer so den das Ziel, ich baue mir auch noch mal eine 1066er-Darstellung auf und fahre irgendwann mal nach Hastings. Das war immer so der Goldstandard. Und ja, aus diesem aus dieser Subkultur, die auf den Mittelalter-Märkten oder der Untergruppe, die auf den Mittelalter-Märkten ein bisschen mehr Mittelalter machen wollte, dadurch in Reibungen mit der mit dem Rest der Mittelalter-Marktszene gekommen ist, die das gar nicht so wollte, hat sich dann Stück für Stück diese, diese etwas ja, diese Living-History

[21:00] Benny: -Szene gegründet, die halt mehr Geschichte wirklich machen will, wo wir dann drin sind. Und da gibt es dann auch noch mal eine Ausdifferenzierung, was wir gerade hatten. Macht man eher Belebungen? Macht man eher irgendwelche Vorführungen? Macht man Displayarbeit? Es gibt auch eine ganze Menge Leute, die in Living-History HEMA-Darstellungen machen und da präsentieren, wie historische Fechtechniken funktionieren und dabei die entsprechende Kleidung tragen.

[21:26] Alexander: Das heißt, also die Mittelalter-Märkte ist schon so die Keimzelle von der Living-History -Bediebung heutzutage gewesen.

[21:34] Benny: Absolut. Als ich mit dem Hobby angefangen habe, gab es noch das eine große deutschsprachige Szenephorum, das war Tempus vivit!. Das war Mittelalter-Märkte, Reenactment, Living-History und sogar ein großer Teil der deutschen Lab-Szene hat sich darum getrieben. Das war damals tatsächlich noch weitestgehend ein Hobby mit verschiedenen Ausprägungen und das hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark voneinander differenziert und abgegrenzt.

[22:00] Alexander: Weißt du denn, wie die Mittelalter-Märkte an sich bei uns entstanden sind? Was war das so ein bisschen die Ursuppe, wo die dann auf einmal aufgepoppt sind, weil heute findest du die ja quasi überall. Also das ist ja wahnsinnig. Es gibt ja einfach wahnsinnig viele von denen.

[22:13] Benny: Auf die Gefahr hin, dass ich da jetzt einen Szenemythos wiedergebe. Es gibt einen großen Veranstalter, Kramer Zunft und Kurtzweyl, der, ich glaube, bis heute noch aktiv ist, allerdings hauptsächlich mehr in Ostdeutschland. Der hat in den 80ern im großen Stil damit angefangen. Hat das groß und erfolgreich gemacht. Und als sich da dann so eine Subkulturszene drumherum gebildet hatte, haben das mehr und mehr andere kopiert. Es gibt noch so ein paar große Keimzellen. Gerade für uns in Nordrhein-Westfalen ist der Mittelalter-Markt auf Burg Satzvey in… Mechernich? Nee, irgendwo hinter Köln ist so eine große Keimzelle. Das ist einer der ältesten

[22:55] Benny: Mittelalter-Märkte in der Gegend, in ganz NRW.

[22:59] Mario: In Süddeutschland ist vielleicht noch das Kaltenberger… Kaltenberger Ritterspiele, glaube ich,

[23:04] Benny: heißen

[23:04] Mario: sie noch sehr, sehr bekannt. Das ist auch noch mal so ein wirklich riesengroßes Ding und tatsächlich auch, wenn man da nicht mit dem historischen Anspruch dran geht, toll. Eine grandiose Veranstaltung.

[23:18] Benny: Genau das.

[23:19] Alexander: Also da wurde sozusagen wirklich so ein Veranstaltungskonzept so ein bisschen erfunden. Weil in dem… Also ich vermute jetzt mal zu der Zeit war so ein bisschen die Mittelalter-Begeisterung auch ausreichend groß, dass sich das irgendwie durchsetzen konnte. Andere Leute haben gesehen, ach, das ist ja irgendwie gut, das machen wir jetzt auch und ploppt die Wapp bis im Jahr 2026, wo gefühlt an jedem Stück Mauer, was noch von irgendeinem Burg steht, mal irgendwann ein Mittelalter-Markt ist im Jahr.

[23:44] Mario: Das ist in der Weise in der Zeit, wenn man sich das Ganze anguckt, wo die Mittelalter-Begeisterung herkommt, ist man ja ganz schnell bei dem Thema Popkultur und auch Filme und so was alles. Und das ist tatsächlich auch eine Zeit, in der das Mittelalter in der Popkultur noch gar nicht so dreckig, rückständig und negativ dargestellt wird. Immer auch, aber noch nicht so arg, wie es heute halt eben ist. Was für mich auch eine Vermutung zum zumindest ist, dass da diese Ur-Mittelalter -Begeisterung so ein Stück weit hergekommen sein könnte. Man sieht die Filme, man möchte das auch erleben und dann ist jemand da, der entsprechend, ja, ein Interesse daran hat, damit Geld zu

[24:30] Mario: verdienen und sagt, da mache ich jetzt ein Konzept draus.

[24:33] Michael: Also man sieht Ritter der Kokosnuss und dann sagt man, das will ich auch.

[24:37] Mario: So ungefähr, genau. Wobei Ritter der Kokosnuss ein riesen spannendes Thema ist, ohne jetzt viel zu weit auszuholen. Die Macher von Ritter der Kokosnuss wussten ganz genau, dass das Blödsinn ist, was sie erzählen. Und es ist eigentlich eine Satire auf die Darstellung von Mittelalter. Das Problem ist nur, dass man das vielleicht als Außenstehender und nicht entsprechend hintergründlich interessierter Mensch nicht auf den ersten Blick erkennt, dass das Satire ist.

[25:09] Benny: Aber ja, genau. Mit diesen

[25:10] Alexander: Bauern, die sich da

[25:11] Benny: in Flammen hüllen, das war eine… Sie haben sich über das Mittelalter-Bild der meisten Leute lustig gemacht und die meisten Leute haben gedacht, sie machen sich über das Mittelalter lustig.

[25:21] Mario: Damit das

[25:22] Michael: Bild geprägt. Ja,

[25:23] Mario: so ein bisschen. Leider ja, genau. Ja, aber deine zweite Frage war ja, glaube ich, noch, wie wir dann dazu

Wie Mario und Benny zum Hobby kamen

[25:30] Michael: gekommen sind. Genau, wie seid ihr… Was habt ihr für einen Hintergrund? Wie seid ihr dazu gekommen? Tolkien

[25:34] Benny: ist schuld.

[25:36] Mario: Tolkien ist schuld, ein Stück weit ja. Bei mir ist es aber tatsächlich ganz schlicht wirklich der Mittelalter-Markt. Also ich bin über eine damalige Freundin irgendwie in eine Gruppe reingekommen. Die war da selber drin. Die hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Und dann bin ich auch jahrelang mit Piratenschnürhemd und damals noch langen Haaren und übergroßem Sambbarett und allem, was man sich so vorstellen kann, durch die Gegend gezogen. Hab dabei leider, muss ich im Nachhinein sagen, auch einigen Blödsinn von mir gegeben. Und das ist halt auch so der Grund, warum ich sage, ja, die Menschen, die den Blödsinn unwissentlich erzählen, ist immer noch doof für den

[26:26] Mario: Besucher. Aber den mache ich gar nicht so den schlimmen persönlichen Vorwurf. Weil ich habe es damals genauso erzählt. Es gibt so ein Interview von mir, da erzähle ich irgendwie auf einem Mittelalter-Markt. Ja, nein, wir sind hier nicht historisch korrekt unterwegs, was ja eigentlich toll ist, dass ich das damals gesagt habe. Mein nächster Satz war nur leider Ja, ja, also wir kommen ja alle mit dem Auto und mit dem LKW hierhin und kippen ja schließlich nicht den ganzen Dreck hierhin, damit wir es historisch haben. Hätte ich mal

[26:55] Benny: den zweiten Satz

[26:56] Mario: nicht gesagt? Na ja, genau. Und dann ist damals ein Freund von uns mit in diese Gruppe gekommen. Der hat irgendwie damit angefangen. Der hatte dann Beinlinge an. Der hatte dann irgendwie eine Wollkotte. Der hatte irgendwie eine Bundhaube auf. Und der hat halt irgendwie so damit angefangen. Und für mich tatsächlich einer der Gründe, warum ich überhaupt langsam angefangen habe, mich damit zu beschäftigen, war dass es mir total auf den Senkel gegangen ist, dass wenn ich dieses Piratenhemd anhatte, was ja ganz normale Hemdlänge hat und einen Gürtel drüber getragen hat, weil man hat natürlich einen Ledergürtel, wenn auch

[27:42] Mario: einen modernen drüber getragen, dass dieses Piratenhemd bei jeder dritten Bewegung irgendwie aus diesem Gürtel rausgerutscht ist und er dann da war mit etwas historisch korrekterer Klamotte, der eine etwas längere Kotte anhatte. Und dem ist das natürlich nicht passiert. Also habe ich mir irgendwie zum Vorbild genommen. So möchte ich das auch machen. Und dann habe ich so nach und nach damit angefangen, mich damit zu beschäftigen. Was heißt das denn überhaupt? Und hab komm so aus dieser Schiene heraus. Ich wollte meine Ausstattung immer historisch korrekter machen. Und dann der Grund, warum ich überhaupt auch die

[28:22] Mario: Wissensvermittlung dabei gemacht habe, ist eigentlich Benno in Schuld. Also wir haben uns irgendwann, weiß ich gar nicht mehr, vor Uhrzeiten bei Facebook, glaube ich, sind wir uns über den Weg gelaufen. Und haben damals dann irgendwie gesagt, ach komm, wir treffen uns mal und Herne und wir haben damals noch in Wattenscheid gewohnt. Das ist nicht so weit auseinander. Und haben dann überlegt, es gab irgendeine Veranstaltung, ich weiß gar nicht mehr welche, wo wir gesagt haben, ach, da könnten wir ja eigentlich auch mal was an Wissensvermittlung haben. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns schon in einige Themen rein gedacht. Und da ist dann damals so das erste Display,

[29:03] Mario: also der erste Schautisch entstanden zum Thema Wollverarbeitung vom Schaf zum Kleid. Und da hat es uns dann halt eben gepackt, dass wir gesagt haben, diese Wissensvermittlung, also meine Frau und ich, wenn ich wir sage, meine ich meine Frau und mich, diese Wissensvermittlung, die macht tierisch Spaß und gleichzeitig am Anfang meine Frau mehr. Aber bei mir ist es halt eben auch immer noch so, haben wir total Spaß daran, diesen Living History Anteil zu machen und natürlich dem Publikum auch was zu erzählen, ist aber auch gleichzeitig im wirklichen Tun zu zeigen. Und das ist so ein bisschen die Entwicklung. Und ja, also wirklich vom klassischen Mittelalter Markt GroMi zum

[29:48] Mario: Ich möchte dem Publikum auch erzählen, wie es wirklich gewesen ist.

[29:52] Alexander: OK. Und jetzt noch einmal Bennys Origin Story. Also ein bisschen wie bei Spiderman hier. Wir erfahren alle Hintergründe.

[29:58] Benny: Genau das. Mein Onkel wurde, während ich auf einem auf einem Cage Fight war, von einem Bankräuber getötet und hatte mir zuletzt noch gesagt, aus großem historischem Wissen erwächst große Verantwortung. Nein, ich war so ein rotziger 17-Jähriger und habe im Kino den ersten Herr der Ringe Film gesehen und war furchtbar gehookt und habe dann in den nächsten zwei Jahren die zwei anderen Herr der Ringe Filme gesehen, hatte schon im zwei Monate, nachdem ich den ersten Film gesehen habe, die Bücher allesamt gebinged und war da sehr drin und war schlagartig geballter Fantasy Fan. Und dann kam irgendwie die Idee mit ein paar Freunden, von denen keiner mehr dieses Hobby macht,

[30:40] Benny: kommen in die Premiere vom dritten Film. Da gehen wir aber verkleidet. Also, was kauft man sich in diesem Hobby grundsätzlich als erstes? Ein Schwert, klar. Gerade irgendwo als Teenager ist natürlich das Allererste, was man sich mit Bezug auf Mittelalter kauft, ein Schwert, weil

[30:55] Michael: hell yeah. Versteh die

[30:56] Benny: Frage nicht.

[30:57] Michael: Hell yeah.

[30:58] Benny: Ne, muss so. Dann irgendwelche irgendwelche grausamen Klamotten dazu. Ich hatte irgendwie so einen Überwurf aus Bastelfilz, weil Aragorn trägt ja so eine lange Lederweste und meine Mutter hat mir damals gesagt, Aragorn brauner Bastelfilz, der sieht auf zwei Meter Distanz genauso aus wie Leder. Und mit einem 50 Euro Taschengeldbudget, wovon man sich schon ein Schwert angespart hat, diskutiert man da nicht drüber. Also ja, irgend so ein Bastelfilz Überwurf und noch irgendwie ein Baumwollmantel aus dem Versandhaus und dann Gibbyn. So waren wir dann im Kino. Und dann war halt die Frage hinterher. Ja, cool. Und was machen wir jetzt mit dem Krempel? Und dann war halt

[31:39] Benny: Burg Satzvey. Dann war halt der erste Mittelaltermarkt. Auf meinem ersten war ich sogar noch ohne die Klamotte, weil damals sehr gerne war. Ja, ja, komm, das sind ja das sind ja die Leute, die da angeheuert worden sind. Das sind ja die die Leute, die das da vom Veranstalter machen. Das ist ja komisch. Du gehst da ja nicht selber kostümiert hin.

[31:58] Alexander: Würde keiner auf jeden Fall haben.

[32:01] Michael: Mir hat noch nie jemand gemacht auf dem Mittelaltermarkt.

[32:04] Benny: Dann ist man da drüber gelaufen, ist mit ein paar Leuten ins Gespräch gekommen und ihr macht das als Hobby. Das kann man als Hobby machen. Oh, spannend. Und ja, dann hat man angefangen, das als Hobby zu machen. Dann waren so die ersten Ideen. Ja, was kann man denn machen? Was gibt’s denn Cooles? Was geht denn? Was war ich ein Fan, bevor der Herr der Ringe rausgekommen ist? Da war ich großer Star Wars Fan. Gab’s Kopfgeldjäger im Mittelalter? Googeln. Nein, gab’s nicht. Oder damals noch nicht googeln. Was auch immer wir damals für eine Suchmaschine benutzt haben. Nein, gab’s nicht. Ah, ich hab ich hab die ersten beiden Gothic Teile gespielt, Söldner. Söldner gab’s.

[32:41] Alexander: Volles Pfund aufs Maul.

[32:43] Benny: Korrekt. Also als Söldner Mittelalter darstellend schwer bewaffnet über einen Marktplatz stapfen und sich sehr, sehr, sehr, sehr cool fühlen. Das waren so die ersten ein, zwei Jahre Hobby und dann bin ich durch irgendwelche Umstände, ich weiß es gar nicht mehr, auf besagtes Tempos vivit! Forum gestoßen und habe die aus meiner Sicht furchtbar, furchtbar arroganten und herablassenden Apepsel da erlebt, die mir erklärt haben, dass ich das doch alles falsch mache und das alles Blödsinn ist. Das Problem ist halt, das ist genauso der der Krempel, der mich anspricht, weil ich bei jedem Hobby, das ich mache, einer von den Leuten, wenn die das verstehen will und komplett auf

[33:26] Benny: diesen ganzen Worldbuilding Scheiß stehe, bei jedem jedem fiktionalen Universum, wo du mich drauf stößt. Ja, die Story ist nett, aber ich will eigentlich wissen, wie die Welt funktioniert. Und das hat mich dann halt auch bei Mittelalter total geflasht. Dieses OK, wie genau sehen die Klamotten aus? Wie funktioniert das? Warum ist das so?

[33:45] Mario: Und dann warst du irgendwie ein bisschen enttäuscht, dass das Worldbuilding unserer realen Welt doch nicht so geil ist

[33:51] Benny: oder? Bis jetzt bin ich vom vom Worldbuilding der realen Welt fasziniert. Wir haben zusammen eine lange eine lange Reihe über mittelalterliche Wirtschaftsgeschichte gemacht. Ich kann aus ausgiebig darüber diskutieren, warum Investment Banking ausgerechnet im 13. Jahrhundert entsteht und warum das cool und interessant ist. Von daher

[34:12] Michael: habt ihr habt ihr dazu schon eine Folge gemacht?

[34:15] Mario: Ja, ja. OK, ich bin Bankkaufmann. Und deshalb war natürlich irgendwann die die das Thema auch mal dran. Ja,

[34:25] Michael: mega.

[34:25] Benny: Das war dann halt irgendwann der Punkt. Ich war am Anfang, als wir dann ein kleines Mittelalterlager gegründet haben, war ich immer der Erklärbär. Ich hatte immer die Aufgabe am Rand des dieses Zeltlagers zu stehen, damit die Leute jemanden hatten, den sie ansprechen konnten und der ihnen erklärt, was sie da sehen. Und habe einfach festgestellt, OK, das macht mir Spaß. Lass das mal hauptsächlich machen. Und dann war halt auch noch der der Punkt, der sich über die letzten paar Jahre rauskristallisiert hat oder mit den letzten paar Jahre. Mittlerweile sind es sind es irgendwie über zwölf. So, dies ist meine Frau und ich sind beide gesundheitlich

[34:55] Benny: nicht, nicht super gut dabei. Wir haben kein Auto irgendwo durch die Weltgeschichte tingeln und irgendwelche Burgen oder nachgebauten Häuser beleben. Aber komm, ich krieg eine ich krieg eine Kiepe so einen großen stehenden Korb und ein paar Bretter transportiert. Da kann ich meinen Schautisch draus machen. Das schneide ich mir auf eine Sackkarre. Wir gehen in irgendwelche Museen und zeigen da was. Das ist quasi der Hauptgrund, warum wir deutlich weniger irgendwelche Belebungen oder so was machen, als als Mario und seine Frau das tun, weil wir quasi immer darauf angewiesen sind. Wir können kein Zelt mitschleppen und würden mittlerweile auch nicht mehr in einem in

[35:29] Benny: einem Zelt irgendwo auf dem Boden schlafen. So dieses Wir brauchen ein Hotel in der Nähe.

[35:34] Michael: Ja,

[35:35] Alexander: das ist kleiner, kleiner Anekdote dazu. Die Gruppe, in der ich bin, ich war beim ersten Training mit dabei, die hat ein Freund von mir gestartet, der auch Living History gemacht hat. Der hatte halt irgendwie so das Dinge. Eigentlich würde er auch gerne irgendwie HEMA machen, so Schwertkampf. Vielleicht kann man ja irgendwann mit der Gruppe auch mal so ein bisschen Vorführungen oder so was machen. Man weiß es nicht genau. Die Leute von der Gruppe hatten relativ schnell keine Lust mehr. Und ich bin halt irgendwie dabei geblieben, was missvoll geketcht hat. Und das Living History halt gar nicht. Ich habe ihm aber schon umziehen geholfen, sowohl den Keller

[36:07] Alexander: ausgeräumt, als auch den Dachboden ausgeräumt. Das Zelt und das andere Zelt. Und da habe ich noch eine Kiste. Schwert, da wusste ich ja gar nicht. Ja, also das ist so, was ich mit Living History auf einer emotionalen Ebene verbinde.

[36:19] Benny: Wie viel Zeug man da im Keller steht. Das ist korrekt.

[36:23] Mario: Ich habe meine Frau und meine Frau und ich haben inzwischen das ganze Thema oder Problem outgesourct. Wir haben inzwischen eine Großraumgarage, die auch voll ist. Also es wird immer mehr.

[36:35] Michael: Aus aus euren Erzählungen habe ich so das Gefühl. Also ich habe gerade so ein kleines Déjà vu. Als du sagtest, so mit 17 und Herr der Ringe. Also sehe ich mich also voll eins zu eins und auch mit das hätte mir genauso passieren können. Und ich habe so das Gefühl, es ist so ein schmaler Grad an an Zufällen, die dann dazu führen, ob man in Living History Reenactment, LARP oder HEMA abdriftet, wenn man wenn man ein bestimmtes Nerd Spektrum sozusagen mitbringt.

[37:09] Benny: Es hängt auch hart damit zusammen, was einfach in der in der Nähe stattfindet und was man realistisch mitmachen kann. Ich glaube, wenn es gute LARP Events in Reichweite damals gegeben hätte, die ich damals mit meinem mit meinem NRW Ticket, das sie mir leisten konnte, gut erreichen konnte, hätte ich auch LARP gemacht am Anfang. Und wenn es einen gescheiten HEMA Club in der Nähe gegeben hätte, hätte ich HEMA gemacht. Das ist ich habe die ersten zehn Jahre des Hobbys, bis das gesundheitlich nicht mehr ging, nie HEMA. Da gab es leider nie wirklich ein Club in der Nähe. Und ich hätte mir in der Zeit auch schlicht und ergreifend die die Schutzausrüstung nicht

[37:40] Benny: leisten können. Aber ich habe lange Zeit nach verschiedenen Regelwerken irgendwelchen irgendwas mit Schwert kämpfen. Das ist in der in der Mittelalter Szene noch noch viel, viel schlimmer. Da gibt es acht Millionen verschiedene Regelwerke und Systeme, nach denen da sportlich aufeinander eingedroschen wird, wo Realismus auch null das Ziel ist.

[37:59] Alexander: Da haben wir tatsächlich mal eine Folge zugemacht. Wir haben quasi Regelwerke mal angeguckt oder so ein bisschen verglichen. Wir haben eine Folge quasi über waffenbasierte Sachen gemacht, so von allem von Kendo mit. Und ja, wir konnten natürlich nicht alle besprechen, die irgendwie da verbreitet sind. Aber so ein paar haben uns

[38:15] Benny: doch rausgezogen.

[38:16] Alexander: Die sind ja auch durchaus sehr unterschiedlich.

[38:17] Michael: Über Mittelalter Märkte haben wir auch eine Folge gemacht. Also natürlich aus der aus der HEMA Perspektive, wo es dann um das authentische Kämpfen mit dem Schwert oder was auch immer geht. Ich

[38:29] Alexander: wollte jetzt

[38:30] Benny: das. Entschuldigung. Gibt also das große System Codex Belli. Das ist so der der weit verbreitetste Stil, nennen wir es mal die weit verbreitetste Spielart von irgendwas mit Schwertern machen, was es in der Szene gibt, wo halt das Ziel ist, möglichst untrainierte Leute mit möglichst wenig Ausrüstung sollen sich nach Möglichkeiten nicht gegenseitig umbringen. Dementsprechend keine Stiche, keine Angriffe zum Kopf, keine Angriffe auf die Arme unterhalb des Ellbogens, keine Angriffe auf die Beine unterhalb der Knie. Das natürlich mit Realismus nichts mehr zu tun hat und dazu führt, dass eine Klotür von Schild vor sich und eine Einhandwaffe in der Hand

[39:08] Benny: um dem Gegner nach Möglichkeit den Rücken zu kratzen, die logische Wahl ist. Andererseits, ich hab das zehn Jahre lang gemacht und hatte dadurch das Spaß dran.

Gewandungsgriller, Edelgromis und Szenenelitismus

[39:18] Alexander: Ja, ich wollte noch bei diesem ganzen Wissensaspekt einhaken, weil ich würde glaube ich generell unterscheiden, wer halt auf diesen Veranstaltungen als Besucher da ist und sich da verkleidet. Da spricht überhaupt nichts dagegen. Und wer da sozusagen im Hobby tatsächlich drin ist und auch irgendwie da lagert und halt irgendwie auch mehr Ausrüstung hat. Weil ich stelle mir das ja immer eigentlich so vor. Die Leute haben ja grundsätzlich ein Interesse an Mittelalter. Sonst würden sie das ja nicht machen, was immer dann die Zeit ist, wo sie sich für interessieren. Und auch fast diesen Anspruch angeht, wie A das sein muss.

[39:48] Alexander: Also, weißt du, so muss ja nicht jeder irgendwie wissen, wie jetzt Jahreszahl X der Löffel oder Nicht-Löffel von Niederaligen ausgesehen hat. Aber ich bin immer so ein bisschen erschrocken drüber, dass halt da die gleichen Klischees wiedergekaut werden von Leuten, die in diesem Hobby drin sind. Und das ist halt was, was ich nicht verstehe, weil ich würde jetzt irgendwie denken, alleine dadurch, dass es das schon so lange gibt in Deutschland, dass die Szene auch im Internet verbreitet ist, dass da über die Zeit der durchschnittliche Wissensstand bei den Leuten besser wird, weil die Informationen vielleicht verfügbar sind. So richtig sehen tue ich es aber nicht,

[40:21] Alexander: zumindest nicht in meiner Ecke von Deutschland.

[40:23] Mario: Also, das ist auch leider in manchen Bereichen nicht so. Ich erkläre es mir zum Teil damit, dass es sehr viele Menschen auf Mittelaltermärkten gibt, die irgendwie Interesse am Mittelalter haben. Dieses Hobby aber eigentlich hauptsächlich aus dem Grund machen, dass sie sich irgendwie andere Sachen anziehen können, als sie sie so im Alltag anziehen und sich dann mit einer Flasche Bier ums Lagerfeuer mit ihren Freunden drumherum setzen können. Wir nennen das Ganze immer liebevoll Gewandungsgriller, die halt dann irgendwas anziehen und den Grill aufbauen. Und eigentlich könnten sie es auch bei sich im Garten mit den Freunden machen, aber es ist halt eben nicht ganz so cool.

[41:09] Mario: Und die interessieren sich auch in Wirklichkeit gar nicht dafür, wie es historisch korrekt ist. Das Problem an der ganzen Nummer ist aber, dass sie es nicht zu Hause im Garten machen, sondern da Publikum drumherum ist. Was dann auch noch doberweise Fragen stellt und das Publikum dann wissen möchte. Ach und so haben dann irgendwie die Ritter damals ums Feuer im Steckstuhl drumherum gesessen und diese Menschen dann häufig nicht zugeben wollen, weil sie ja gerade vor ihrer Freundesgruppe und vor dem fremden Besucher stehen oder sitzen, dass es nicht so gewesen ist. Sie aber eigentlich auch keine Ahnung haben, wie es gewesen ist.

[41:49] Mario: Und deshalb kommt dann immer wieder dieses, was die Leute auch so im Hinterkopf haben, hoch mit Ja, so waren sie und das war so. Und dann das dreckige Wasser und der Mist auf der Straße und so weiter und so fort. Das ist die Erklärung, die ich mir dafür liefere, weil im Umkehrschluss gibt es auch ganz viele Menschen, die so die nächsten Schritte durchaus machen, selbst wenn sie das gar nicht irgendwie vorhaben, weil sie eben in Kontakt kommen. Das ist das, was wir dann auch gar nicht negativ gemeint, sondern irgendwie so hat sich das ergeben als Edel-Gromis bezeichnen, die das Ganze immer noch nicht historisch korrekt machen, weil es

[42:31] Mario: vielleicht auch gar nicht deren Ziel ist. Aber die schon weg von diesen Gewandungsgrillen kommen und schon auch irgendwie sagen Ja, ich will schon irgendwie so ein bisschen OK aussehen und den Leuten auch so ein bisschen was OKes erzählen können, zumindest so im groben oder in meinem Bereich und da ist es schon so, dass diese Vernetzung zum Beispiel dazu führt, dass diese Leute schon auch mehr Wissen irgendwie generieren, das auf jeden Fall.

[43:00] Alexander: Also du hast sozusagen einen kleinen Teil, der das nutzt sozusagen, wie einfach es ist, heutzutage an diese Sachen ranzukommen. Da wird das Niveau besser. Aber es gibt so ein Pro oder zumindest ein Teil der Leute, die das irgendwie nicht erreicht.

[43:15] Mario: So ja. Ja, also glaube ich schon, dass es ja wirklich so ein Teil gibt. Und das sind eben auch das, was wir halt eben so liebevoll Edel-Gromis nennen. Also die, die eben nicht mehr als Gewandungsgriller unterwegs sind, sondern schon auch sagen Ich möchte es irgendwie ein bisschen korrekter haben, was ich anhabe. Ich möchte auch irgendwie so grob den Leuten erzählen können, was richtig ist, möchte aber gleichzeitig dieses mit Freunden ums Lagerfeuer rumsitzen als eigentliches Hobby nicht aufgeben. Und das ist quasi so das, was du auch gerade richtigerweise beschrieben hast. Das sind die Leute, die über Facebook, Instagram,

[43:59] Mario: Podcasts oder sonst irgendwas durchaus so dieses nächste Level erreichen und sich da Sachen rausziehen. Ein Großteil dessen, was aber auf Mittelaltermärkten unterwegs ist und wirklich nur so Gewandungsgrillen macht, die erreicht das halt, glaube ich, nicht. OK,

[44:17] Alexander: ich glaube,

[44:18] Benny: auch auf der Ebene hat man den Effekt, die Living-History -Szene hat, wie sehr, sehr viele Hobby-Szenen, wie auch jede andere Hobby-Szene, in der ich mich jemals bewegt habe, sei es Videospiele, sei es Tabletop-Rollenspiele, hat man so ein Ding mit Elitismus und einer gewissen Hackordnung innerhalb der Szene. Wer macht das cooler? Wer macht das besser als andere? Und da ist ein Anspruch an Authentizität, egal ob das eigentlich das eigene Ziel ist, etwas, woran sich dieser Rang in der szeneinternen Hackordnung misst. So die Leute, die sich über die blöden A-Päpste aufregen, die einen doch angeblich fertig machen würden, wenn man keine

[45:06] Benny: handgesponnener Heidschnuckenwolle am Leib trägt, die schimpfen auf LARPer mit ihren Schaumstoff-Schwertern, wo man ja selbst viel truer und viel cooler ist, weil man Metallwaffen trägt. Das ist echt so ein bisschen nee, wir sind cooler als die. Wir machen das. Wir machen das richtiger. Wir machen mehr richtiges Mittelalter.

[45:26] Mario: Übrigens ganz viele LARPer würden mit denen, was den eigenen Anspruch nicht an historische Korrektheit, aber an eigenen Anspruch in die Authentizität ihrer Darstellung, je nachdem, auf welchen Bereich sie sich beziehen, den Boden aufwischen. Also ich kenne einige LARPer und die sind echt so tief in ihrer Lore und in der Ausrüstung und allem drin. Das hat wirklich nichts mit GroMi auf Mittelalter-Markt -Niveau zu tun.

[45:55] Benny: Naja, auch die LARP-Szene regt sich über die Leute auf, die mit Baumwoll-Jogging -Hose und Theater-Piratenhemd da stehen und sagen Hi, ich bin der König von

[46:06] Michael: Mallorca. Korrekt.

[46:08] Benny: So ich glaube, das ist einfach echt ein Ding. Und dann hat man halt auch dieses Es ist oft genug gesagt worden in der Szene und wenn du anfängst mit dem Hobby, kriegst du oft genug gesagt Ah, Vorsicht. Es gibt da diese bösen Leute, die dich in der Luft zerreißen, wenn du nicht super historisch korrekt bist. Dass das so ein bisschen als ein Verteidigungsmechanismus kommt, dass viele Leute halt einfach nicht zugeben wollen und können. Nee, mir ist das Historische eigentlich völlig egal. Ich will hier so ein bisschen in einer Robin Hood Lagerromantik sitzen, Bier trinken, Grillfleisch essen und einfach Wochenende lang nicht selbst der Versicherungskaufmann sein.

[46:46] Benny: Nichts gegen Versicherungskauf, Leute. Aber ja, ich glaube, das ist für viele einfach so ein Faktor, dass man glaubt, man müsste diesen Anspruch haben, weil man sonst nicht ernst genommen wird. Während halt gleichzeitig genau die bösen Leute, von denen man Angst hat, sonst zerrissen zu werden, einem de facto sagen Hör mal, mach bitte um Himmels willen, was du willst. Nur nenne es bitte ehrlich. Ich glaube, das ist wirklich ein riesengroßer Faktor. Und auf der anderen Seite hat man dann eben noch mal so eine Gruppe innerhalb der Mittelalter Marktszene, die ja so ein bisschen gemeingesagt halt ins Schwurbelige abgeleitet, für die das

[47:23] Benny: wirklich Subkultur und alternative Lebenswelt ist und die diese alternativen Geschichtsbilder halt auch wirklich sehr für sich braucht. Das hat man gerade bei manchen Darstellungen sehr viel, aber man hat eine Riesenmenge von Wikinger und Germanen Darstellern, die da sehr in ihrer in ihrer alternativen Welt und in ihrem alternativen Geschichtsbild leben, die da teilweise ihre eigene Identität drumherum aufgebaut haben. Im Kreuzritterbereich hat man das auch in Mengen so nicht zwingend alles in die Nazi Richtung. Viel, aber nicht nicht im Ansatz alles. Ich behaupte noch nicht mal die Mehrzahl, aber da ist da ist viel.

[48:08] Benny: Ich will nicht sagen Aussteiger, aber man hat viel so die, die da wirklich ein alternatives Lebensgefühl und eine eigene Identitätsbildung reinbringen und die sehr ihre Rolle sind.

[48:19] Alexander: Also so ganzes Thema selbstwert halt über dieses Alternative, weil das irgendwie ins eigene Narrativ so ein bisschen reinpasst. Und das würde wird es nicht mehr, wenn man das ein bisschen realistisch betrachten würde. Genau, das darf

[48:31] Mario: die alle. Deshalb will ich auch gar keinen hören, der mir sagt, hör mal, ganz so war es vielleicht nicht, weil das ist ja gar nicht mein mein Thema und der macht mir ja gerade mein Selbstwertgefühl kaputt, indem er mir widerspricht. Und deshalb dann da schon vorne rein so eine Abwehrhaltung ist.

[48:48] Michael: Muss ich gerade

[48:49] Mario: ein bisschen

[48:50] Michael: dran denken, als ihr meintet, es gibt so eine Hackordnung und gibt es ja in jedem Hobby. Bin ich froh, dass das bei HEMA überhaupt nicht der Fall ist. Also habe ich noch nie erlebt, dass Leute

[48:59] Benny: da

[49:01] Michael: irgendwie meinen, dass das, was sie machen, besser authentischer, originaler ist als

[49:06] Mario: das,

[49:06] Michael: was andere tun. Alex hat es

[49:09] Benny: auch noch nie gegeben.

[49:10] Mario: Auch ohne irgendeine Ahnung von HEMA zu machen, bin ich sehr froh, dass ich deinen Sarkasmus rausgehört habe.

[49:17] Benny: Ich habe lang genug Matt Easton zugehört auf YouTube, um zu wissen. Ja,

HEMA, Onlinequellen und Wissenstransfer

[49:24] Alexander: das ist halt ich finde das halt irgendwie so spannend, weil bei HEMA ist es halt so quasi auch die Verfügbarkeit von Informationen ist halt viel besser geworden. Also die ersten HEMA Vereine in deutschsprachigen Raum haben sich Ende der 90er Gründe zu richtig lohnen. Es ging an Anfang der Mitte der 2000er und wir hatten ja damals nichts. Also zu der Zeit war ich auch noch nicht dabei, aber da wurden halt irgendwelche Manuskript Scans in schwarz-weiß und räudiger Qualität als PDF quasi unter der Hand so verteilt. Und heute ist das ja alles auf Wiktenauer zum Beispiel Matt Easton 101 YouTube Kanal und so. Und das fechterische Niveau ist auch viel, viel

[50:00] Alexander: besser als jetzt vor 10 oder 15 Jahren. Also das ist deutlich nach oben. Natürlich nicht, dass jeder irgendwie tipptopp eingearbeitet ist in alles. Es gibt auch viele, die kommensumieren. Das hat einfach. Aber über diese Multiplikator-Trainer, die sind in der Regel schon relativ gut in der Materie drin. Also deutlich besser als vor 15 Jahren so.

[50:17] Mario: Da ist übrigens auch vielleicht eine kleine Anekdote von mir in letzter Zeit. Ein Freund von mir und ich haben vor zwei Veranstaltungen uns mal angefangen mit dem Thema Schwert- und Bucklerfechten zu beschäftigen, vor allem weil es halt auch in unsere Kernzeit so hervorragend reinpasst. Wir machen ja also Benno um 1300, ich um 1310. Also Tower-Fechtbuch oder wie auch in welchen Begriffen auch jemand dafür nehmen will. 1

[50:46] Benny: .33, wie man es nennen will. Immer

[50:48] Alexander: austauschbar im gleichen Satz verwenden. Da freust du, da freuen

[50:50] Benny: sich alle

[50:51] Mario: auch. So und dann habe ich irgendwie gedacht, da hätte ich, das haben wir mal auf einer Veranstaltung jetzt ausprobiert, weil da jemand war, der das uns so ein bisschen gezeigt hat. Und alles klar, cool. Kann ich mir mal gut vorstellen, mich mit demjenigen auch damit zu beschäftigen. Vor allem, vor allem weil ich nicht historisch korrekt, aber so ein Schwert und ein Buckler auch in meiner Hobbyvergangenheit schon mal in der Hand hatte. Kein HEMA, kein historisch korrekt, das kann gar nichts, sondern nur so, naja, war ein Rundschild nur in klein und irgendwie völlig falsch benutzt und weiß ich nicht. Egal. Und habe dann halt eben gedacht, ach guck mal.

[51:31] Mario: Und jetzt fange ich einfach mal an und gehe einfach mal ganz doof ins Internet und suche mal, was ich denn dazu finde. Jetzt ehrlicherweise, ich kenne das Tower Fechtbuch I.33, I.33, was auch immer. Weil Walpurgis Fechtbuch ist, glaube ich, auch noch und so. So, also das grundsätzlich als Quelle kenne ich das nur nicht unter HEMA-kämpferischen Gesichtspunkten, sondern als reine Quelle und Abbildung und so kenne ich das. Und gehe aber trotzdem mal so quasi doof ins Internet und gucke, was ich rausfinde. Ja, ehrlicherweise gar nichts. Also ganz viel, aber nichts, was ich gebrauchen konnte und habe mich dann aber noch dran erinnert, dass ich

[52:18] Mario: irgendwo in meinem Schrank noch eine uralte DVD hatte, wo ich dann erst mal suchen musste, weil ich irgendwie vor zehn Jahren oder so eine DVD mir gekauft habe von, ach, wie heißt der denn jetzt Dimicator, der dann irgendwie also irgendwas da drüber erzählt und macht. So die Hülle habe ich übrigens gefunden, die DVD

[52:43] Benny: leider

[52:43] Mario: nicht, aber das wäre jetzt mal meine Anlaufstelle gewesen und da hätte ich mal eben geguckt. So und jetzt habe ich auf einer anderen Veranstaltung jemanden getroffen, der HEMA in dem Bereich macht und da jetzt Kontakte verknüpft. Aber deshalb halte ich das, was du gerade gesagt hast, für so wichtig, wenn nämlich ein Mittelaltermarkt-Besucher auf so eine Veranstaltung geht und eben in Anführungsstrichen nur Gewandungsgrillern begegnet, die ihm irgendwas erzählen und der dann von der Veranstaltung runtergeht und sich denkt, ach, klang aber total interessant und ich versuche da mal was weiterzusuchen. Wir sind in der Bubble drin.

[53:24] Mario: Wir behaupten immer, ja klar findet man dann auch die guten Quellen und die guten Internetseiten und so was. Ich kann jetzt zumindest auf dieses kleine Thema behaupten, na ganz so einfach ist es halt eben nicht und deshalb umso schöner, dass man im HEMA-Bereich dann halt eben Trainer hat und Vereinsstrukturen und so was halt eben oder ja, wo dann halt jemand ist, der das zumindest multipliziert und das versuchen wir halt auf den Veranstaltungen, den Besuchern auch immer mitzugeben. Wenn sie sich dafür interessieren, dann finden sie da und da und damit meinen wir nicht mal immer nur unseren Podcast oder Blog oder

[54:03] Mario: so, sondern wirklich, wenn sich jemand dafür interessiert, da und da finden sie weitere Informationen, egal ob derjenige dann hinterher sich dafür interessiert oder nicht. Nur wenn es einer tut, dass er dann auch die richtigen Sachen findet.

[54:17] Michael: Diese diese guten Internetseiten, das sind ja dann meistens welche aus den 90er und 2000ern am besten noch ohne HTTPS und in einer absolut grottigen Struktur, wo Google heutzutage sagt, save zeige ich dir den nicht an und dann eben auch. Es gibt jetzt diesen diese Google KI Funktion, mit der du

[54:39] Mario: eine

[54:40] Michael: Frage stellen kannst und dann nutzt also die fantasiert nicht. Die nutzt ja das, was da ist an Informationen, was Fluch und Segen zugleich ist, weil sie halt das nutzt, was da ist und was gut gefunden werden kann, was aber eben da, wie ich gerade meinte, nicht unbedingt das ist, wo jetzt die besten Informationen herzuholen sind, denn die sind vielleicht auf einer Seite aus dem Jahr 1998, die noch irgendwo auf einem einsamen Server versucht zu überleben und die man aber nur mit einem direkten Link und einem stabilen Virenscanner

[55:14] Mario: besuchen

[55:15] Michael: besuchen kann.

[55:16] Benny: Das

[55:16] Mario: ist so. Und wo hast du deine Informationen her? Ja, also ich bin da ins Darknet

[55:20] Michael: und dann

[55:21] Benny: mit. Das ist so ein bisschen so,

[55:25] Mario: ja.

[55:25] Benny: Andererseits, ich erinnere mich halt noch da dran, als ich mit dem Hobby angefangen habe, war so der der Punkt, wo du deine Abschlussmütze aufhattest und wirklich im Elite Mittelalter Reenactment, Living History, was auch immer drin war, war der, wo du dir das LexMA zusammen gespart hattest, das Lexikon des Mittelalters. Das ist so ein absolut gigantischer Schuber mit irgendwie wie viele Bände sind das? 12, 13, 14? Irgendwas um den Dreh? Das das Lexikon des Mittelalters, eine Riesendatensammlung, alles, was man über das Mittelalter wissen kann. Ist halt Forschungsstand später 80er? Besser als

[56:09] Mario: nichts. Die neueste Edition ist irgendwie um 2000 rum entstanden und krisse auch heute nur noch antiquarisch und kostet trotzdem irgendwie deutlich jenseits der annehmbaren Preise für das veraltete Wissen. Also ja.

[56:25] Benny: Und in den letzten 25 Jahren ist eine Menge passiert, auch forschungstechnisch. Ja, das ist einfach so. Das war so damals noch die Leute, die das LexMA hatten und die dann bei Tempus vivit! geschrieben haben, bei irgendwelchen Diskussionen. Sekunde, ich schaue mal im LexMA nach. Das war so richtig der der der Wort, der der Rat von Elrond bringet die alten Schriften hervor. Ja, das ist mittlerweile deutlich einfacher. Es gibt dankenswerterweise eine Menge online einsehbare Uni Publikationen. Es gibt ein paar Universitäten, die einfach ihre Vorlesungen online stellen, was sehr, sehr cool ist.

[57:04] Mario: Und auch eins muss man ganz klar sagen. Social Media ist ja häufig ein Fluch. Aber wenn ich wirklich Versuch anfange und versuche, mich mit dem Thema zu beschäftigen, ganz, ganz viel der Living History Szene findet auf Facebook statt. Es schwappt gerade alles so ein bisschen zu Instagram rüber, wo die heutige Jugend wahrscheinlich selbst da oder sehr sicher selbst da die Augen verdreht, weil Instagram eigentlich auch schon veraltet für die ist. Aber ganz viel der Mittelalter Szene findet immer noch auf Facebook statt. Und da gibt es zum Glück auch immer noch Gruppen, die wenn ich da reinschreibe Hallo, ich hätte es gerne ein bisschen

[57:48] Mario: historisch korrekter und ich bin auf der Suche da und danach, wo doch auch ganz, viele Leute Informationen sehr gerne preisgeben. Also im Hobby Bereich haben wir fast kein Gatekeeping. Also so kein ich habe mir das selber erarbeitet. Ich gebe dir jetzt die Information nicht. Ganz im Gegenteil. Manchmal hat man so ungefragt. Aber wenn ich wirklich jetzt sage, ich möchte da mich rein knien, wird man immer die Antwort bekommen. Also so zum Beispiel ich möchte eine Darstellung aufbauen, wird man immer eine Antwort bekommen. OK, suche dir eine Zeit aus, suche dir eine Region aus und fang mit was ganz Einfachem an. Das sind immer die drei Grundtipps, die man immer hören wird.

[58:34] Mario: Und wenn ich dann sage, alles klar, die Zeit möchte ich machen, die Region interessiert mich und was Einfaches. Was ist denn was Einfaches? Da wird man immer sofort Informationen bekommen. Und das finde ich tatsächlich auch an unserer Szene so schön und auch an all den Menschen so toll, die so ein Sendungsbewusstsein haben.

[58:55] Benny: Ansonsten Life Hack für dieses und jedes andere Hobby. Wenn du solche Fragen stellst in Hobby Bereiche und Hobby Spaces und nicht so viele Antworten kriegst, der beste Weg, korrekte Informationen zu bekommen, ist falsche Informationen zu

[59:11] Michael: posten.

[59:13] Benny: Geh in so eine Szenegruppe auf Facebook, wenn du dich für historische Kampfkunst interessierst und schreib einen Beitrag darüber, dass Schwerter im Mittelalter ja stumpf waren, weil die ja sonst an den Plattenrüstungen kaputtgegangen wären und dass man im Gegensatz zu den coolen japanischen Samurai, die mit ihren 10 .000 mal gefalteten Katanas ja Metallrüstungen durchhacken konnten, man im Mittelalter mit roher brutaler Gewalt aufeinander eingedroschen hat. Da garantiere ich dir, dass der Beitrag 800 Kommentare haben wird nach drei Tagen, wo dir einmal der komplette Datensatz von HEMA-Fakten runtergeschoben wird. Wenn du gefragt hättest Hi, ich interessiere mich

[59:56] Benny: für historische mittelalterliche europäische Kampfkunst. Könnt ihr mir da irgendwas empfehlen? Dann kriegst du halt so vier, fünf Kommentare durchaus von begeisterten Leuten, die dir was Nettes geben wollen, aber

[01:00:08] Michael: du kriegst nicht es

[01:00:09] Benny: ist einfach so. Es

[01:00:10] Mario: ist nicht die ganze Wahrheit.

[01:00:13] Michael: Man unterschätze niemals das Bedürfnis eines Menschen, dich zu korrigieren.

Wissen und Aufgaben in der Gruppe

[01:00:19] Alexander: Ja, wie ist denn das dann, weil wir über die Trainer als Multiplikatoren geredet haben in diesen es sind ja man macht das ja in der Regel als Gruppe oder in der Gruppe. Also jetzt bei euch teilweise ja auch einfach mit der Frau. Aber es gibt ja auch viele, die halt eben so eine feste Gruppe haben. Gibt es da dann auch so jemand, der der Multiplikator ist, also der quasi das ganze Wissen reinholt und dann weitergibt, ist

[01:00:40] Benny: das

[01:00:40] Alexander: eher so, dass man sich Arbeitsgebiete aufteilt so. Hey, wir haben jetzt gemerkt, wir haben eigentlich gar keinen Plan. Du kümmerst dich jetzt mal um die Essenszubereitung und das Know-how und das Material. Du kümmerst dich um dies und das und jenes. Wie läuft denn das ab?

[01:00:52] Mario: Es kommt drauf an. Also es kommt darauf an, also wie die Menschen, die sich dann dafür interessieren, organisiert sind. Also wenn wir jetzt aber mal von der klassischen Mittelalter Gruppe, egal ob es ein Verein ist oder nur eine Freundesgruppe oder sowas, die sich zusammentun und die sich irgendwie überlegen. Ach komm, wir wollen das Ganze irgendwie ein bisschen korrekter haben. Häufig hat es ehrlicherweise in der Gruppe ein oder zwei solcher Motoren, die das selber irgendwie historisch korrekter machen und die Gruppe so ein bisschen mitziehen. Man kann da nur hoffen, dass da so eine Gruppe nichts dran zerbricht,

[01:01:33] Mario: weil auch das haben wir in der Szene schon mehr als einmal erlebt, dass ein, zwei, drei Leute sagen so, wir wollen es jetzt historisch korrekter und der Rest der Gruppe irgendwie eine Zeit lang mitmacht und dann aussteigt. Aber jetzt mal angenommen, die ganze Gruppe möchte mit, gibt es eigentlich immer ein, zwei Leute, die das korrekter machen wollen. Und dann teilt es sich wirklich nach dem eigenen Interessensgebiet auf. Also jemand, der sowieso auch vorher schon nicht historisch korrekt immer die Gulaschsuppe überm Feuer in der

[01:02:07] Benny: in dem alten NVA Im Allietopf

[01:02:09] Mario: so gekocht hat, der interessiert sich dann vielleicht sowieso dafür, wie im Mittelalter gekocht wurde und fängt an, sich da ein bisschen rein zu knien und bringt das in die Gruppe rein. Und jemand, der sowieso schon immer bei jedem Mittelalter Markt drei Viertel der Zeit auf dem Schlachtfeld zu finden gewesen ist, der interessiert sich vielleicht mehr dafür. Leider gibt es auch da kein Standardweg und kein Hier hat man eine aufgeschrieben, wie könnte man das Ganze denn machen, sondern so viele Gruppen, wie es mit Internetseiten, wie es im Internet gibt, so viele Einsteigerleitfäden und sonst irgendwas gibt es halt leider.

[01:02:51] Benny: Gibt so ein paar gute, die man immer wieder immer wieder empfiehlt. Aber ja, ist halt auch am Anfang echt schwer. Zumal das Ding ist halt die Leute, die wirklich Wissen haben. Die sind meistens diejenigen, die, wenn sie gefragt werden, immer wieder einschieben. Vorsicht, das ist mein aktueller Forschungsstand und das ist meine Interpretation. Um Himmels willen, hier sind die Quellen. Guck es dir selber an. Das mag voll sein, dass du zu eigenen Ergebnissen kommst. Die Quellen kann man total unterschiedlich auslegen und um Himmels willen guck dir nicht einfach nur auf meiner Webseite an, wie ich angezogen bin und mach das nach, weil ich kann dir bei jeder meiner

[01:03:31] Benny: Klamotten Details zeigen, wo ich mittlerweile einfach weiß, würde ich nicht nochmal so machen oder wo ich einfach aus irgendwelchen Gründen vom Historischen abgewichen bin. So keine Ahnung, das habe ich handwerklich einfach nicht hinbekommen. Darum habe ich mich hier für was entschieden, was ähnlich genug für meine Zwecke aussieht. Bei mir

[01:03:52] Mario: ist das zum Beispiel, wenn ich meine ersten Kotten mir angucke. Also Kotte ist die Schicht, die aus Wolle, also die unterste Wollschicht, die man so anhat, zu unserer Zeit so leicht über Knie lang oder ums Knie herum, je nachdem. Also diese Schicht mit Ärmeln dran. Wenn ich mir meine ersten Kotten angucke, ich habe damals eine Kotte nach der anderen produziert, weil kaum hatte ich eine fertig, wusste ich schon wieder irgendwie ein bisschen mehr und habe Stoff bestellt, damit ich eine neue machen kann, mit der ich zufriedener bin. Das hat sich so langsam gelegt. Also so langsam bin ich jetzt an so einem Punkt, dass ich mit meinen Kotten zufrieden bin.

[01:04:37] Mario: Aber es gibt an jeder unserer Darstellung immer noch Sachen, wo wir sagen, ja, da bin ich noch nicht ganz zufrieden. Und wenn ich das Ding noch mal neu mache demnächst, dann wird es auch anders.

[01:04:48] Benny: Immer.

So gelingt der Einstieg in Living History

[01:04:49] Michael: Wie fange ich denn damit an? Also nehme an, ich bin jetzt Schwertgeflüsterhörer und denke mir, Alter, das ist es. Das mit dem HEMA ist zwar ganz nett, das mache ich auch weiter. Und aber ich brauche jetzt hier noch Living History dazu. Und gucke ich mir dann in meiner Stadt irgendwie einen Verein aus? Oder muss ich? Stelle ich mich einfach mal auf den Mittelaltermarkt und gucke, wer am A-igsten angezogen ist? Wie fange ich damit an?

[01:05:19] Mario: Also das, was ich ja gerade schon sagte, ist als erstes Mal sich so diese drei Fragen zu stellen oder vier sind es eigentlich zum einen wie historisch das wirklich als als Eingangsfrage, wie historisch hätte ich es denn gerne? Möchte, mache ich HEMA und sage, ich möchte eigentlich mal nur so auf so Mittelaltermarkt dabei sein oder bin ich vielleicht mal auf einer Belebung oder im Museum auf einer Infoveranstaltung gewesen und habe mich dafür interessiert, also von wo komme ich? Wie historisch hätte ich es denn gerne? Das ist eine Frage, die man für sich selber beantworten kann, ist aber auch was, was im Laufe der Zeit sich verändert.

[01:05:58] Mario: Zum anderen aber dann auch die wichtige Frage, sich zu stellen, welche Zeit und Region möchte ich denn darstellen? Weil gerade die Zeit Thematik unheimlich wichtig ist. Wenn ich jetzt sage, ich möchte einen Frühmittelalter Darsteller, wo es übrigens auch noch mehr als skandinavische Frühmittelalter Darsteller nicht nur Wikinger. Auch hier gab es Frühmittelalter, also so, im deutschsprachigen Bereich gab es auch Frühmittelalter, gab nicht nur die, in Anführungsstrichen Wikinger. Dann sollte ich vielleicht jemanden, der 15. Jahrhundert total toll darstellt, nicht zwingend danach fragen, ob ich bei ihm mitmachen kann in der Gruppe.

[01:06:42] Mario: Also kann ich dann, aber da kriege ich vielleicht nicht die Infos her, die ich für den Einstieg brauche. Also Zeit ist wichtig. Region ist auch ein Stück weit wichtig. Vielleicht für den ganz Einstieg noch nicht ganz so wichtig, aber man wird quasi als zweite, dritte Frage irgendwann auch auf jeden Fall danach gefragt werden. Das heißt zu sagen Anfang 14. Jahrhundert irgendwo in Nordrhein-Westfalen, weil da wohne ich halt, ist schon mal ein super Einstieg und eine super Thematik, die ich für mich beantwortet habe. Und dann so die Überlegung, wo möchte ich denn hingehen? Also wenn ich sage, ich möchte die Zeit, die Region und

[01:07:27] Mario: vielleicht ein bisschen historisch korrekter das Ganze machen und möchte auf den Mittelaltermarkt gehen, ja dann genauso, wie du es gerade beschrieben hast, dann geh auf den Mittelaltermarkt und frag einfach die erste Lagergruppe. Sagt mal für die Zeit und die Region, wer hier macht das denn? So und sprich die an oder Google mal vorher. Wenn ich sage, ich möchte das Ganze Richtung Living History machen, dann schau mal, was als nächste Mittelalterveranstaltung, die nicht Mittelaltermarkt ist, in der Region stattfindet und geh da mal hin und sag, sag mal, macht ihr eigentlich Living History? Und wenn ja, könnt ihr mir empfehlen, bei wen ich mich

[01:08:10] Mario: wende, wenn ich Anfang 14. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen machen möchte und wenn ich sage, ich möchte keine Ahnung Museums Darstellung und Wissensvermittlung machen, dann ist da halt eben der Ansprechpartner oder aber ich habe den Riesen, das Riesenglück, dass ich in meiner Stadt, Region, Dorf, wo auch immer man herkommt, irgendwie eine Gruppe hab. Aber trotzdem sollte ich die diese zwei Fragen immer stellen. Macht ihr denn die und die Zeit und die in die Region, die ich auch darstellen möchte, wo ich Spaß dran habe? Und was würdet ihr so sagen, wie historisch korrekt seid ihr?

[01:08:47] Benny: Ich glaube, ich würde ganz praktisch auch einfach sagen, der der erste und wichtigste Ratschlag ist, um Himmels willen fang nicht damit an, dir einfach wild Zeug zu kaufen. Das

[01:08:55] Alexander: ist übrigens auch total das Thema im HEMA, wenn du

[01:08:58] Benny: so

[01:08:58] Alexander: Anfänger frage immer, welche Ausrüstung brauche allererste Frage und alle immer, geh in den Verein, die sagen dir das dann.

[01:09:05] Benny: Ja, genau das so. Guckt euch verschiedene Veranstaltungen mit historischem Thema an, die in eurer Gegend stattfinden. Gebt bei bei Facebook oder bei der bei der Social Media Plattform eures Vertrauens, wobei beim Mittelalter und Living History allgemein ist es tatsächlich einfach immer noch immer noch das Boomer Social Media Facebook ist einfach so. Ähm, geht dahin, gibt, gebt Mittelalter in den Suchbegriff ein, guckt euch ein paar von den Gruppen an ähm und schaut mal einfach, wo der Vibe stimmt, wo das was ist, was euch gefällt, was für euch funktioniert, wo ihr euch das vorstellen könnt. In den allermeisten Fällen sind bei sämtlichen dieser Hobbys die

[01:09:43] Benny: Leute supergesprächig und wenn du da irgendwo hinkommst und die Leute fragst Hey, ich interessiere mich total für das, was ihr da macht. Erzählt doch mal so ein bisschen, wie läuft das hier ab? Ähm, müsst ihr eher gucken, dass ihr da wieder wegkommt, bevor die euch einen Knopf an die Backe ballern, weil die werden euch den kompletten Datensatz ihres Hobbys rüber schieben und schaut euch an, wo es funktioniert. Das ist halt, ähm, wir haben es jetzt gerade erst wieder festgestellt. Mario und ich haben vor zwei Jahren zusammen mit einem neuen Hobby angefangen. Wir spielen jetzt Dungeons & Dragons. Verwunderlich, dass wir das erst jetzt tun in diesem Hobbyhintergrund.

[01:10:19] Benny: Das wäre

[01:10:20] Alexander: auch so eine typische Origin-Story natürlich gewesen,

[01:10:22] Benny: Total. Aber da ist halt auch so der Gedanke, was ist das beste, was ist das beste System, was ist das beste Regelwerk? Na ja, das beste System und das beste Regelwerk ist das, was deine Freunde tatsächlich spielen, wo du tatsächlich eine Gruppe für findest. So, das ist cool, wenn ich sage, ja, ähm, oh, ich will einen Glasbläser Nürnberg 1475 darstellen. Aber du hast halt null Leute in deiner Umgebung, die das exakt machen wollen oder irgendwas, was dazu passt. Du stehst dann halt irgendwo völlig alleine auf weiter, auf weiter Flur. Gibt Leute, die das machen? Absolut. Es gibt Leute, die die super gute Einzeldarstellungen machen. Aber das ist logischerweise

[01:11:04] Benny: umweltenschwieriger. Von daher guckt euch in aller Seelenruhe ein paar Veranstaltungen mit dem Thema an. Damit kriegt ihr mit der Zeit auch ein Gefühl dafür, wie sich das voneinander unterscheidet. Unterhaltet euch mit Leuten. So ein ganz wichtiger Faktor ist halt auch einfach, wo passen mir die Leute? Es gibt Zeiten, die ich persönlich niemals darstellen würde, nicht weil mich die Zeit nicht interessiert, sondern weil ich den Bereich der Szene einfach menschlich furchtbar finde. Ist einfach so. Ähm, guckt, guckt, wo es für euch passt, wo es für euch interessiert. Gerade in der Anfangszeit des Hobbys, wenn man so gar keinen Hintergrund

[01:11:38] Benny: hat, wenn man sich irgendwie grob für Mittelalter interessiert, ist man da, glaube ich, auch noch sehr, sehr formbar in den eigenen Interessen. Also für mich hätten es in der Anfangszeit theoretisch auch problemlos Wikinger werden können. Das erste Schwert, was ich mir gekauft habe, passte halt mehr für Hochmittelalter. Darum ist es dann irgendwann 13. Jahrhundert geworden. Das ist so 90 Prozent der Grund. Und ich habe nicht kapiert, wieso Rundschilde mit Zentralgriff funktionieren damals.

[01:12:07] Mario: Zum Thema Ausrüstung vielleicht, weil es mir gerade noch einfällt. Ihr werdet auch immer wieder feststellen, dass wenn ihr Gruppen anspricht und ihr dann auch sagt, was Benno gerade richtigerweise erwähnt hat, mit den Leuten passt und die mal jetzt zufällig auch noch die Zeit, die ihr euch so überlegt habt und das grob. Und das wirkt total gut mit denen. Und ihr sagt jetzt, ich würde da gerne mal mitmachen. Ich habe aber nichts. Ja, ist gar kein Problem. Ihr werdet beworfen mit Dingen. Ja, aber ich habe doch gar kein Zelt. Ist gar kein Problem. Jede Gruppe hat irgendein möglicherweise etwas angeranztes Zelt noch irgendwie in irgendeiner Gruppengarage oder bei

[01:12:49] Mario: irgendjemandem im Keller rumliegen, was man dann mal auf einer Veranstaltung in der zweiten Reihe aufbauen kann, wo es vielleicht keiner sieht, wo man dann drin schlafen kann. Und jeder hat auch irgendeine Kotte, irgendeine Bruche, irgendein Leibhemd, irgendein paar alte Schuhe, altes Paar Schuhe, was man nicht mehr benutzt und so weiter. Oder man ist jetzt zufällig am Saisonende, dass man Kontakt mit den Leuten aufnimmt. Also normalerweise so O bis O, Ostern bis Oktober, da wo man auch die Sommerreifen drauf hat. Das ist auch so unsere Saison, mehr oder weniger. Und jetzt bin ich zufällig am Ende einer Saison dran.

[01:13:30] Mario: Ja, dann gibt es ganz viele Gruppen, die sich sowieso treffen und gemeinsam nähen und Handwerkern, sodass man bis zum Beginn der kommenden Saison auch ganz in Ruhe sich so eine solide, einfache Anfänger-Darstellung für nicht viel Geld aufbauen kann. Also das ist vielleicht noch was, wo ich Großwerbung für machen will. Auch eine historisch korrekte Mittelalter-Darstellung muss nicht teuer sein. Eine historisch korrekte Adelsdarstellung ist schweineteuer, so wie sie im Mittelalter auch schon schweineteuer war. So die Verfügbarkeit ist heute ein bisschen besser. Aber eine einfache Knechts-Markt -Darstellung ist nicht teuer.

[01:14:14] Mario: Da hat die IG 14. Jahrhundert zum Beispiel einen ganz tollen Blogbeitrag mal geschrieben, wo sie mal aufgedröselt haben. Wie günstig ich halt eben so eine einfache Anfänger-Klamotte zusammenkriege. Und ich glaube, die sind deutlich unter 200 Euro gelandet. Da war kein Zelt dabei, weil Zelte ist tatsächlich auch ein teures Thema. Aber jetzt mal so die Sachen, die ich am Leib trage und was ich vielleicht so als erste Ausrüstung brauche, waren die deutlich unter 200 Euro. Und da ist man erst mal fein und kann damit erst mal loslaufen. Und da gibt

[01:14:50] Benny: es halt auch einfach anfängerfreundlichere Zeiten als andere. So irgendwie früh, früh bis Hochmittelalter ist halt in den Schnitten her deutlich simpler als wenn ich jetzt sage, oh, ihr 30-Jähriger Krieg ist voll meine Zeit, das interessiert mich. Ist eine coole Zeit, aber die Klamotten zu schneidern ist halt eine Herausforderung.

So prüfst du Gruppen und ihre Quellen

[01:15:09] Alexander: Und wenn ich die Gruppen jetzt frag, wie die das nehmen, da kriege ich eine realistische Antwort, weil ich war gerade auch für diese Recherche mit den Kampfsystemen gefühlt auf einem Dutzend Website, wo die Leute Stein und Bein schwören, dass sie 150 % A sind. Und dann guckst du dir die Bilder an und denkst dir, ach, das ist, was der erste Staffel Witcher Rüstungsdesigner seiner Freizeit so macht.

[01:15:31] Mario: Ja, ja. Also ich würde immer so ein Stück weit unterscheiden zwischen ich gucke mir was im Internet an und ich spreche mit den Leuten persönlich, weil im Internet hat quasi jede Mittelaltergruppe, egal wie historisch korrekt sie es hat, meint, irgendeine Jahreszahl da dranstehen, irgendein Wir machen das Ganze historisch im Jahre des Herrn, bla, bla, bla. Ja, wenn man dann in die Tiefe reingeht, erkennt man, so wie du es gerade für HEMA beschrieben hast oder für andere Systeme beschrieben hast, findet man dann auch heraus, wenn man einen Blick dafür hat, wie historisch korrekt ist es. Aber am besten ist es immer

[01:16:09] Mario: noch mit den Leuten wirklich zu reden, Kontakt aufzunehmen, weil man dann halt auch so Fragen stellen kann. Wie wie historisch nehmt ihr das denn? Ja, schon sehr historisch korrekt. Und das ist uns ganz, ganz wichtig. Ach, cool. Welche Quellen benutzt ihr denn? Und da braucht ihr keine Ahnung haben, ob also welche Quellen da jetzt gut sind oder nicht. Aber einfach mal die Antwort sich anzuhören und zu hören. Erstens kann der mir überhaupt eine Antwort geben. Ja, so das, was man halt so findet. Da gibt es auch irgendwie so YouTube und da muss man halt mal im Internet ein bisschen googeln. Mal mal ein Fragezeichen dran.

[01:16:48] Mario: Oder aber derjenige kommt um die Ecke und sagt Ja, ist gar kein Problem. Kann ich dir zu Hause raussuchen? Und dann einmal abwarten, ob man wirklich eine Nachricht bekommt zu der Quelle, weil auch das ist ein gern genommener Ausrede. Suche ich dir raus, habe ich irgendwo im Computer gespeichert. Aber so kriegt man viel besser raus. Das Ganze ist wirklich historisch korrekter oder nur so vordergründig.

[01:17:13] Benny: Geheimtipp für Quellenangaben immer irgendwelche wissenschaftlichen Arbeiten verlinken, die nicht öffentlich einsehbar sind, die man, wo man für 200 Euro das Transkript kaufen muss. Das tun mehr als genug richtige Wissenschaftler. Das hast du oft genug in Arbeiten drin. Aber ja, was Mario halt sagt, ein bisschen drauf achten. Man ist ja mittlerweile durch das Internet Fluch und Segen ein bisschen darauf trainiert, diese diese Schwurbel Argumentation zu erkennen. Und wenn du die Leute so ein bisschen fragst Ja, was sind denn eure Quellen? Worauf? Worauf stützt ihr euch denn dabei? Ach ja, Quellen weißte, dass das war ja damals auch nicht alles

[01:17:56] Benny: realistisch, was was die aufgeschrieben und aufgemalt haben. Generell richtig. Aber ja, und nur, weil es da keine Quellen für gibt, heißt das ja nicht, dass es das nicht gab. Die Leute waren ja auch Individualisten.

[01:18:07] Mario: Die waren ja nicht doof damals. Hätten sie es gehabt, dann hätten sie es auch benutzt. Und nur, weil man es nicht gefunden hat. Jetzt haben wir ungefähr einmal alle dieser komischen Antworten wiedergegeben. Genau

[01:18:16] Benny: das. Und es soll ja auch Spaß machen. Wir kippen ja auch nicht ein Tanklaster, ein Tanklaster Gülle auf den Platz. So wenn es, wenn es ausflüchtig wird, merkt man das schon ein bisschen. Aber ja, letzten Endes, wir beide haben super GroMi mäßig angefangen, um vielleicht den Begriff noch mal zu erklären. Gerade in Anfangszeit des Hobbys gab es so diese Trennung in drei große Zeitabschnitte. Frühmis, Homis und Spämis. Also Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter. Und da gab es dann als als viertes Ding die GroMis, die grob Mittelalterleute, die man nirgendwo hin, nirgendwo hin packen

[01:18:55] Mario: konnte. Die hatten dann Frühmittelalter Schuhe an. Irgendwas an Hosen, was so quasi ins Spätmittelalter passte. Eine entfernte Kotte, die irgendwie ins Hochmittelalter passte, gleichzeitig aber irgendwie ein Fantasy-Schwert an der Seite hängen und also aus irgendeinem Film oder so ein Schwert an der Seite hängen und irgendwie eine Kopfbedeckung, die es irgendwie weder in Filmen noch in irgendwelchen historischen Zeiten gab. Das ist so ein Marktwolpertinger ist so ein anderer Begriff dafür oder halt eben GroMi, ja.

[01:19:35] Alexander: Ich finde das ganz wunderbar. Also auch diese Frage einfach mal zu fragen, was sind eure Quellen? Ich habe das noch nie gemacht und das ist so eine naheliegende Frage. Ich bin dann immer leicht verschämt weggegangen, wenn es zu viel Bullshit kam. Aber das verspricht, viel lustiger zu sein, da mal noch mal nachzuhaken.

[01:19:51] Benny: Es macht gigantischen Spaß mit viel Wissen, gerade dann, wenn man nicht so Social Media präsent ist wie wir und Leute einen nicht erkennen, über solche Veranstaltungen zu gehen, wenn man nicht selber in Klamotte ist und einfach mal den den nicht wissenden Besucher zu spielen und sich da an den Rand eines Lagers zu stellen und die Leute tatsächlich einfach mal zu fragen. Ach, das ist ja spannend. Ja, erzählen Sie doch mal. Ach so, ach so. Und so war das dann.

[01:20:19] Alexander: Das war voll das TV-Format, so mit versteckter Kamera und die Leute,

[01:20:22] Michael: die die Stimme

[01:20:23] Alexander: und verfremdet und dann was

[01:20:26] Mario: sie

[01:20:26] Alexander: so erzählen.

[01:20:26] Mario: So mit

[01:20:27] Michael: RTL-Explosive

[01:20:28] Mario: oder so was. Genau

[01:20:29] Michael: unterwegs auf dem Mittelaltermarkt.

[01:20:32] Benny: Das geheime Wikingerpilzwissen hat die Kirche damals unterdrückt und hat die die germanischen Kräuterfrauen als Hexen verfolgt. Es

[01:20:41] Mario: gab gar keine Hexenverbrennung, aber die Leute mussten das dreckige Wasser damals dann trinken und sind alle einfach da dran

[01:20:48] Benny: gestorben. Gott ja, wir erinnern uns damals an dieses was war das damals noch? ProSieben-Experiment, wo sie irgendeinen armen Erstsemester-Studenten ein Wochenende Mittelalter haben leben lassen auf einer Burg, der dann auf so einem Holzbrett geschlafen hat ohne Matratze, ohne gar nichts mit nur ein paar Fällen.

[01:21:10] Mario: Es gab so eine Zeit, in der das quasi auf allen möglichen Sendern rauf und runter gespielt wurde. Galileo hat das irgendwie regelmäßig gemacht und so. Ja, ja.

[01:21:18] Benny: Und dem der Koch dann morgens, das hat sich bei mir echt eingebrannt. Der Koch hat dem dann morgens in seinen Becher Wein extra noch so ein bisschen Dreck vom Boden hoch gehoben und da rein reingekrümelt. Vor allem

[01:21:30] Mario: in den Becher Wein. Also vor allem in den Becher Wein. Ja, das

[01:21:35] Benny: ist das ist echt so hängen geblieben. Da

Historische Darstellung und Reenactment

[01:21:37] Michael: könnte man durchaus mal nachfragen. Was waren denn hier eure Quellen? Ja, ich weil ihr gerade den Begriff GroMi so schön erklärt habt. Ich habe noch eine Frage zur Bezeichnung und zwar hatten wir am Anfang dieses diese Trennung reenactment, living history und als ihr wir haben das im Vorgespräch geklärt und als ihr das dann erklärt habt, war es mir ah ja, das ist ja klar. Es sind ja zwei verschiedene Sachen, aber der gemeine dem gemeinen Schwertgeflüsterhörer geht es vielleicht genauso, dass er sagt, das sind da reenactor oder wenn er Leute sieht, die living history

[01:22:14] Mario: machen.

[01:22:15] Michael: Das sind reenactor. Wie bezeichnet man denn diese Leute? Sind das dann Darsteller oder wie? Wie würdet ihr euch dann bezeichnen?

[01:22:22] Benny: Also der verbreitetste Begriff ist, glaube ich, wirklich historische Darsteller oder historische Darstellung

[01:22:27] Mario: für das Hobby.

[01:22:29] Benny: So im Englischen gibt es im Griff living historian, aber

[01:22:33] Michael: der lebende Historiker

[01:22:34] Mario: ist so ein

[01:22:36] Benny: bisschen.

[01:22:40] Mario: Ja, genau. Ansonsten gibt es noch ich gibt es noch den Begriff des Geschichtsvermittlers oder so. Also das ist auch noch mal zwischendurch gerne genommen, wobei man dann halt mehr so in dieser also raus aus der living history Thematik und auch reenactment Thematik ist, sondern beim Thema Geschichtsvermittlung ist man eher dann so bei displays oder so, wie Benno das hauptsächlich macht oder wie ich es auch mache. Ja, aber ansonsten Darsteller.

[01:23:07] Benny: Historische Darsteller, historische Darstellung. Das ist so der der verbreitetste Begriff dafür.

[01:23:13] Michael: Kann man eigentlich reenactment machen ohne historische Darstellung? Also ich brauche ja eigentlich immer ein Mindestmaß. Also wenn es jetzt auch wenn es nicht super ist, aber ich brauche eigentlich immer ein Mindestmaß an Kleidung oder Ausrüstung um

[01:23:29] Mario: zu reenactment

[01:23:32] Michael: zu machen.

[01:23:33] Mario: Ja, also spannenderweise meine Antwort darauf wäre reenactment und auch living history. Da braucht man schon ein Mindestmaß an Ausstattung, Kleidung und sowas, wo man es gar nicht braucht, wo es nur wirklich sehr nice to have ist und wo es auch genug Leute gibt, die es nicht machen, ist bei der Wissensvermittlung. Also wenn ich an einem Display stehe, es gab ja gab leider ist vor ein paar Jahren verstorben eine sehr, sehr großartige Historikerin Geschichtsvermittlerin, die gerade im Bereich Früh- und Hochmittelalter ganz viel zum Thema Wollverarbeitung und sowas halt eben geforscht hat, die Sylvia Crumbach,

[01:24:21] Mario: die regelmäßig gesagt hat ja klar, ich stelle mich auch unter einem Plastikpavillon in moderner Kleidung hin und erzähl was drüber, dass wir es jetzt in historischer Kleidung machen, ist so das nice to have oder auch unsere Art und Weise zwischendurch mal zu sagen ja und so hat es ausgesehen. Aber das ist nur das E-Tüpfelchen bei Living History und Reenactment würde ich allerdings sagen, da braucht man es schon, weil es sonst glaube ich nicht funktioniert in moderner keine Ahnung was Jogginghose irgendwie zu versuchen, die Schlacht von Hastings nachzustellen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, bin aber gerne bereit, mich eines Bessen belehren zu

[01:25:05] Benny: lassen. Ich könnte es mir generell vorstellen. Ich meine, ich habe Theaterstücke gesehen, die das ganz bewusst in moderner Kleidung umsetzen, auch wenn das das Stück in einer völlig anderen Zeit spielt. Ich könnte mir jetzt vorstellen, wenn man irgendein Ritual, wenn wir jetzt keine Ahnung irgendeine Kaiserkrönung haben, wo eine Chronik exakt wirklich jeden einzelnen Punkt davon beschreibt und man sagt, es geht uns hier tatsächlich mehr ums Zeremoniell. Es geht uns mehr darum zu zeigen, was die einzelnen Schritte davon waren, was da passiert ist, was die Bedeutungen waren, dass man das theoretisch auch mit einem Haufen Leute in moderner Kleidung zeigen könnte.

[01:25:42] Mario: Wobei natürlich

[01:25:43] Benny: cooler in den Klamotten und die Klamotten sind Teil des Zeremonielles. Das ist wahrscheinlich das, worauf du gerade hinauswolltest.

[01:25:50] Mario: Genau, weil so ein paar Props brauchst du halt trotzdem. Also so eine Kaiserkrönung richtig zu zeigen, indem ich demjenigen irgendwie eine Burger King Plastik oder Pappkrone aufsetze. Ja,

[01:26:06] Benny: was ich halt durchaus schon mal gesehen habe, was nicht zwingend wirklich reenactment das Darstellen einer, das Nachstellen einer spezifischen historischen Begebenheit ist, aber so Präsentationen, Vorführungen sind so gerade im militärischen Bereich. Es gab das häufiger, dass man mal sich wirklich an Soldaten gewendet hat und gesagt hat, hey, hier Militärbasis XY können wir mal 300 Leute kriegen, um den Pikenblock zum Beispiel nachzuformen, um mal zu zeigen, wie funktioniert so eine so eine früh neuzeitliche Piken Formation? Wir drücken denen irgendwelche irgendwelche 6 Meter Bodenstangen aus dem Baumarkt in die

[01:26:43] Benny: Hand und drillen die eine Woche da drauf, dass sie das hinkriegen. Cool kann man vorführen.

[01:26:50] Mario: Wobei genau, wobei das kann man vorführen. Und deshalb bin ich wieder bei diesem Thema Wissensvermittlung, weil das ist ja dann wieder kein Reenactment und auch kein Living History. Ja, also den Soldaten die Soldaten zu drillen, damit ich dem Publikum das zeigen kann, wie das mit 300 Leuten ausgesehen hat, wäre dann wieder die Wissensvermittlung. Bei der bin ich absolut dabei. Moderne Klamotte, los geht’s. Also

[01:27:15] Alexander: ich nehme quasi Soldaten, weil die schon marschieren können und weil die aufs Drillen gedrinstelt und denen kann ich das halt relativ schnell beibringen.

[01:27:22] Benny: Ganz genau das. Das Fun Fact, das hat man tatsächlich für die letzte Schlacht vom 3. Herr der Ringe Film getan. Die Leute, die da auf beiden Seiten aufmarschieren, sind einfach Soldaten der neuseeländischen Armee.

[01:27:36] Alexander: Da müsst ihr jetzt was fürs Land tun. Ab

[01:27:38] Benny: an

[01:27:39] Alexander: Z.

[01:27:40] Michael: Wie

[01:27:41] Mario: man da die Wasser abgespäht hat. Wir waren

[01:27:42] Michael: hier sowieso nie angegriffen auf unserer Insel, also kommt…

[01:27:46] Benny: Oder hier, wie heißt mein Lieblings-Vorrückter Engländer? Mike Loades, ein großartiger Dude, was mittelalterliche Militärgeschichte und auch durchaus in Richtung HEMA. Also ich als Außenstehender würde den da durchaus zumindest HEMA Adjacent nennen. Der hat das mal für… Oh Gott, wie heißen die Digger? Die sind auf YouTube. So eine Doku-Reihe Weapons That Made Britain heißen die, glaube ich. Und der hat mal mit einer Schulklasse das gemacht, zu gucken zum Thema der Schild für Hastings 1066. Wie schnell kriegt man denn so ein Fyrd, so ein Volksaufgebot trainiert, dass die einen Schildwall zustande kriegen? Hat sich so ein paar Schüler genommen, hatte da irgendwie am

Experimentelle Archäologie oder Hobbyversuch?

[01:28:34] Benny: Ende 60 Leute, hat denen irgendwelche Rundschilde in die Hand gedrückt. Er hat gesagt so, wir üben das jetzt, dass ihr auf Horn-Signale verschiedene Formationen einnehmt, dass die Linie drehen könnt, die Linie schließen und ein bisschen lockern könnt, das Ganze umdrehen könnt, dass wir euch manövriert kriegen. Das war spannend. Das war cool. Das ist dann auch nicht mehr wirklich Reenactment, aber es ist cool. Ein Begriff, den wir tatsächlich noch gar nicht gebracht haben, auch deshalb, weil als ich mit einem Hobby angefangen habe, war das noch ein unglaublich verbreiteter Begriff. Mittlerweile wird der kaum noch benutzt, weil er so oft missbraucht wurde.

[01:29:13] Benny: Experimentelle Archäologie.

[01:29:16] Alexander: Ja, aber nein.

[01:29:18] Benny: Genau. Ich denke, genau. Ihr aus dem HEMA-Bereich kennt den Begriff auch.

[01:29:23] Alexander: Das wurde im HEMA auch vielfach erzählt, ist aber halt nicht.

[01:29:28] Mario: Das Hauptproblem an dieser Nummer, also aus unserer Sicht zumindest, ist bei der experimentellen Archäologie gar nicht, zum einen Archäologie und diese ganzen Experimente. Das Problem damit ist, dass es alleine schon nicht anständig dokumentiert wird und so weiter. Also es genügt keinerlei wissenschaftliche Ansprüche. Aber diesen wissenschaftlichen Anspruch jetzt mal außen vor genommen, diese Ergebnisse, die erzielt werden, sind leider ganz oft, naja, das hat nicht funktioniert. Und das Problem an dieser Nummer ist, warum hat das denn jetzt nicht funktioniert? Hat das deshalb nicht funktioniert, weil es auch schon im

[01:30:08] Mario: Mittelalter nicht funktioniert hätte und man es deshalb nicht gemacht hat? Okay. Oder hat es nicht funktioniert, weil du das jetzt das erste Mal in deinem Leben gemacht hast, so wie du dir das überlegt hast und nicht in einer Reihe von Generationen, von Handwerkern stehst oder auch von, um im HEMA-Bereich zu bleiben, irgendwie von demjenigen ausgebildet wirst, der das jetzt auch schon von jemandem gelernt hat und das auch schon ein Leben lang gemacht hat und so weiter. Und deshalb funktioniert das Ganze nicht. Also funktioniert es nicht, weil es nicht funktioniert oder funktioniert es nicht, weil du zu untalentiert oder handwerklich nicht begabt genug dazu bist.

[01:30:47] Benny: Oder das falsche Material benutzt hast.

[01:30:49] Mario: Genau. Oder, oder, oder. Und daraus sind bei dieser experimentellen Archäologie ganz oft so Rückschlüsse gezogen worden. Das gab es damals nicht, obwohl man dann irgendwie, wenn man sucht, auch Quellen dafür findet, dass es das Ganze doch gegeben hat. Aber ich habe es ausprobiert und bei mir hat es gar nicht funktioniert. Also können die es nicht gemacht haben.

[01:31:12] Benny: Genau das. Ich kriege mit Waid keinen gescheiten blauen Farbton hin. Also ging das damals nicht. Also hat man mit Waid nur so ein fahlblau färben können, weil ich das nicht kann. Also ist ein kräftiges blauabsurd teuer. Dann hat man andere aus Landstiefarber, die sagen, ja, das ist Bullshit.

[01:31:34] Mario: Leinen konnte man ja gar nicht mit Pflanzenfarben färben. Lacht dann mal kurz in 16. Jahrhundert, weil im 16. Jahrhundert ist gefärbte Leinen auch über Bekleidung voll der Trend zwischendurch. Im Mittelalter halt nicht. Aber die Frage ist halt, warum so aber

[01:31:51] Benny: oder um wieder aufs Martialische einzugehen, was was ja euer Kernthema ist. Die endlosen Tests, die es immer wieder gibt. Bogen und Armbrust gegen Rüstungen. Dann ja, welches Zuggewicht? Wie sind die? Wie sind die Pfeilspitzen geformt? Sind die gehärtet oder nicht? Wie sind? Wie ist die Rüstung beschaffen? Ist es das richtige Material? Materialstärke, Härtung? Ja, nein.

[01:32:16] Alexander: Das ist ja interessant, was ihr da gemacht habt. Ich hätte jetzt gerne das Paper mit genau diesen Details. Danke.

[01:32:21] Benny: Genau das. Wie viele? Wie viele Versuche habt ihr gemacht? Wiederum der sehr, sehr großartige Matt Easton, den ich immer noch als als Laie, der sich so am Rand dafür interessiert, halte ich. Matt Easton, Schola Gladiatoria, immer noch so ein bisschen für was zugängliche Wissensvermittlung zu dem Thema betrifft, tatsächlich so ein bisschen für den Goldstandard bis heute.

[01:32:41] Alexander: Also Matt kennt sich auf jeden Fall sehr gut aus den meisten von den Bereichen, in denen da was erzählt.

[01:32:46] Benny: Der hat ja damals mit mit Tod zusammen bis jetzt, meines meiner Ansicht nach, die beste Testreihe zu diesem ganzen Thema Pfeile gegen Rüstung gemacht. Und selbst da sind die beiden immer

[01:32:57] Mario: noch extrem

[01:32:57] Benny: vorsichtig.

[01:32:59] Mario: Ja, wobei ich bei dieser Testreihe ein kleines Problem habe, weil Tod Cutler die noch mal gemacht hat und er da zu diesem also der hat quasi nur das Thema Pfeile auf Rüstung schießen gemacht und irgendwie immer festgestellt, das funktioniert nicht. Also das funktioniert im Sinne nicht. Die Pfeile gleiten immer ab und da derjenige darunter lebt munter weiter. Also der Test Dummy und ist dann irgendwann halt hingegangen und hat gehärtete Pfeile genommen, weil die hat es ja damals auch gegeben und wird dann so ein kleines bisschen komisch, weil man so den Eindruck hat, wenn man da drauf guckt. Er wollte halt jetzt ein Loch in diesem Panzer drin haben zum

[01:33:49] Benny: Abschluss des

[01:33:49] Mario: Videos. Und das ist dann wieder der Punkt. Ist es noch experimentelle Archäologie oder ist es dann ja populär wissenschaftliches? Ich möchte das auch vermarkten.

[01:34:00] Michael: Es gibt ja aber Darsteller, die sich auch eine also die auch eine Profession mit darstellen samt samt der Tätigkeit,

[01:34:13] Mario: also die jetzt nicht nur

[01:34:14] Michael: angezogen sind wie ein Schmied, sondern eben auch schmieden. Ja, und zum Beispiel hatte ich in einem in einem Freilichtmuseum da mal eingetroffen. Der hat Messer geschmiedet und meinte ja zu dieser Zeit wurde dann eben das Material dafür hat man auf der Es war also nannte sich Rasen, Rasenerz sozusagen. Man muss das vom Rasen zusammensammeln und dann eben sich das zusammengesammelt und dann so ein Ofen gebaut und dann und so weiter und so fort. Wie unterscheidet sich das von experimenteller? Also das ist ja für mich auch irgendwie so experimentelle Archäologie. Du probierst das halt so aus als Teil deiner Darstellung.

[01:34:59] Benny: Der Unterschied ist halt experimentelle Archäologie ist halt eine Wissenschaft und da brauchst du halt wirklich einen Versuchsaufbau mit replizierbaren Versuchen. Du musst das so machen, dass du wirklich jedes Mal, wenn du jetzt keine Ahnung wissen willst, OK, wie funktioniert das exakt mit der mit der Härtung des Metalls? Wie haben die das gemacht? Wie kriege ich dieses Ergebnis raus, was ich hier bei einem Fundstück habe? Wie könnte das gemacht gemacht worden sein? Ich habe hier so ein Stück Raffinierstahl aus dem achten Jahrhundert und ich möchte wissen, wie das mit einem Rennofen funktionieren kann. So und dann brauche ich einen

[01:35:38] Benny: Versuchsaufbau, bei dem ich mehrere Versuche hintereinander machen kann, wo aber immer dieselben Parameter gegeben sind, wo ich wirklich die dieselbe Temperatur, denselben Luftdurchzug habe, dass das Rohmaterial tatsächlich die dieselbe Zusammensetzung hat, wo ich dann präzise einzelne Faktoren steuern und verändern kann, um zu gucken, OK, wenn ich nur die Temperatur hebe, wenn ich nur den Sauerstoff, die Sauerstoff zuvor ändere, wenn ich nur den Materialmix ändere, was tut das am Gesamtergebnis? Es gibt Leute, die machen das. Experimentelle Archäologie ist durchaus ein richtiges wissenschaftliches Feld

[01:36:18] Mario: und das Ganze dann auch noch immer sauber dokumentiere, was Benno gerade beschrieben hat. Weil da unterscheid, also da mache ich den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Arbeiten, wo es das die experimentelle Archäologie als Bereich wirklich gibt und dem, was ganz oft experimentelle Archäologie im Hobby genannt wird.

[01:36:39] Benny: So dass das das es ist halt wirklich eine Wissenschaft und es braucht diesen, diesen replizierbaren Versuchsaufbau und die Dokumentation jedes einzelnen Schrittes und sämtlicher Parameter. Das ist eine Schweinearbeit, wie halt bei jedem wissenschaftlichen Experiment. Das andere ist halt traditionelles Handwerk. Das andere ist eben wirklich traditionelle Handwerke zu pflegen. Da passiert durchaus auch Erkenntnis gewinnen, nur eben nicht zwingend auf einem, auf einem hart wissenschaftlichen Niveau. Es gibt Leute, die machen das richtig, richtig gut. Einer der meiner Ansicht nach besten Leute, die es so im Thema Living History im

[01:37:19] Benny: weitesten Sinne gibt, ist Jörg Nadler, der Schleifischer. Der lebt an der Schlei in Schleswig-Holstein und ist Berufsfischer und macht halt das Thema Fischerei zu irgendwie zig verschiedenen Zeitstellungen. Der macht das in einem steinzeitlichen Einbaum bis irgendwie 1920 und hat da komplett jeweils die Ausrüstung rekonstruiert und fischt auch wirklich damit. Der hat so ein paar Sachen gemacht, wo ich tatsächlich sagen würde, ja, die erfüllen die Ansprüche an an experimenteller Archäologie. Aber der macht halt viel anderes, wo er sagt, ja, nee, das ist das ist traditionelles Handwerk. Ich habe das hier rekonstruiert, ich habe das nachgestellt, ich benutze

[01:37:57] Benny: das. Ich kann da durchaus durchaus Informationsgewinn ziehen. Aber das erfüllt halt nicht den Anspruch wissenschaftliche Experimente. Das in allererster Linie mal mal Wissensvermittlung und Traditionspflege.

[01:38:10] Alexander: Ich pack unseren Hörern den Schleifischer in die schon uns Historischer Fischer die ich habe es gerade

[01:38:19] Benny: nachgeschaut.

[01:38:20] Mario: Der ist toll. Also schaut ihn euch an. Wer sich und der macht wirklich also der hat einen ganz anderen Ansatz zum Beispiel als das, was man bei vielen Darstellern halt eben auch so sieht. Häufig ist es das, was ich vorhin sagte, eine Zeit und eine Region. Und dann baut man irgendwie verschiedene Sachen drumherum und verschiedene Handwerke und was weiß ich. Und der ist wirklich hingegangen, halt aus seiner beruflichen Historie her und hat sich für historisches Fischen interessiert und dem ist im Endeffekt wurscht, welche Zeit es ist. Also wenn man den fragen würde, welche Zeit stellst du da, was das historische Fischen angeht, ist seine Antwort glaube ich ja.

[01:38:57] Mario: Also was Benno gerade beschrieben hat, also von der Steinzeit bis irgendwie 1920 oder sowas. Ich weiß nicht, ob es 1920 ist, aber irgendwie sowas. Anfang 20. Jahrhundert, glaube ich, ist seine jüngste Darstellung. Der geht halt noch mal einen ganz anderen Weg, genauso wie zum Beispiel der liebe Carsten, also Carsten Giesin, der bei uns auch im Podcast schon mal gewesen ist, der eine Prämonstratensa Darstellung, also es ist ein mittelalterlicher Orden, klerikaler Orden, den darstellt und den halt auch jetzt nicht ganz so breit gefächert von Steinzeit bis 1920, weil in der Steinzeit gab es das noch nicht, sondern aus Mittelalter bezogen macht.

[01:39:42] Mario: Aber halt auch da verschiedenste Zeit Darstellung mit diesem Kernthema macht. Also so kann man sich dem auch nähern.

[01:39:48] Benny: Man muss in aller Fairness sagen, das ist bei Ordens Darstellungen auch signifikant einfacher. Ja,

[01:39:55] Alexander: prima. Dann haben wir den Ausflug jetzt auch so ein bisschen gemacht. Weil das ist ja eigentlich wir haben es jetzt nicht als Begriff benutzt quasi in der Einleitung. Aber ja, wie er sagt, das verwenden Leute als Eigenbezeichnung, also wenn es eigentlich nicht passend ist.

[01:40:10] Benny: Das ist halt sehr oft. Ich habe da ich habe da drei Stück Holz aus dem Baumarkt zusammen getackert und das ist bei der ersten Benutzung nicht auseinandergefallen.

[01:40:18] Michael: Das war

[01:40:19] Benny: das ist meine Quelle dafür, dass wir das damals hatten, weil experimentelle Archäologie.

[01:40:23] Alexander: Wir haben uns das tatsächlich bei unserem Podcast von Dr. Eric Burkart erklären lassen, warum HEMA auf keinen Fall experimentelle Archäologie sein kann, selbst wenn man irgendwie Messungen machen würde. Das war aber auch so ein Gespräch von fast zwei Stunden. Also es ist kein ganz kurzes Thema. Hört da gerne nochmal rein. Apropos Gespräch von fast

[01:40:41] Mario: zwei Stunden.

Ehrlichkeit statt unerreichbarer Authentizität

[01:40:42] Michael: Ich wollte es gerade sagen, wir kommen so langsam zum Ende des Podcasts. Gibt es von eurer Seite noch irgendwas, wo ihr sagt, darüber haben wir nicht geredet. Aber das ist ein sehr, sehr wichtiger Aspekt des Hobbys, den man unbedingt noch erwähnen sollte.

[01:40:58] Mario: Also von meiner Seite aus vielleicht eher ein Aufruf, nämlich traut euch, die Leute anzusprechen. Ich habe es schon ein paar Mal erwähnt. Traut euch auf die Leute zuzugehen. Und wenn ihr sagt, das interessiert euch, sprecht die Leute an, nehmt da Kontakt auf, weil das wirklich in der gesamten Szene zu 99 ,9 Prozent so ist, dass echt Wissen gerne geteilt wird. Und gar nicht mal, wenn jemand nur eine Darstellung machen will, sondern auch wenn er sagt, in der und der Zeit das und das, das würde mich mal total interessieren. Ja, fragt die Leute.

[01:41:42] Benny: Ja, ich würde einfach nur sagen, lasst euch keine Angst machen, was ihr jetzt sagt. Was die Frage betrifft, wie authentisch, wie historisch korrekt muss das sein? Der einzige Anspruch, den andere an euch stellen dürfen, ist, dass das, was ihr tatsächlich tut, dem entspricht, was ihr behauptet zu tun. Und solange das gegeben ist, ist alles cool. Ich selbst, der ich nun wirklich in Museen und sonst was mitarbeite, mach bei meiner Klamotte Sachen, wo es mir wirklich nur darum geht. Ich will nur ein korrektes Bild zeichnen. Ich will nur, dass die Leute mich sehen und keinen komplett falschen Eindruck bekommen.

[01:42:20] Benny: Mir ist das völlig egal, ob die Kleidung mit Pflanzenfarben gefärbt ist. Ich will nicht rausfinden, ah, kann ich diese Kleidung denn historisch auf die historische Art waschen und geht die Pflanzenfärbung davon nicht raus? Andere Leute hätten dann einen völlig anderen Anspruch, weil die andere Sachen mit ihrer Ausrüstung machen wollen. Denen geht es um das, um das Tun, um das Handwerkliche. Deshalb selbst in dem, was wirklich, ich behaupte, dass jetzt mal so unbescheiden, gehobene, historische Darstellung ist, gibt es extrem unterschiedliche Ansprüche, je nachdem, was ihr tatsächlich machen wollt und was die Klamotten und die

[01:42:59] Benny: Ausrüstung können soll. Macht euch da nicht fertig, gerade am Anfang nicht. Alles, was wichtig ist, ist Ehrlichkeit und ja.

[01:43:07] Mario: Das ist vielleicht auch noch das, was mir gerade eben noch einfällt als kleine Ergänzung, so als um mal so Begriffe ganz kurz zu benutzen. Und zwar man spricht so von diesen auf einen Meter, auf drei Meter, auf fünf Meter, auf zehn Meter gute Darstellung. Also das wird auch sehr, sehr gerne mal benutzt. So auf einen Meter oder angefasst. Also wenn ich meine Kotte auf links drehe, um zu zeigen, wie die Naht im Mittelalter wohl wahrscheinlich genutzt worden ist, dann ist das so ein Anspruch an mich selber. Wenn ich sage, ich mache eine zehn Meter Darstellung in Anführungsstrichen, auch wenn es den Begriff jetzt so

[01:43:48] Mario: nicht gibt. Aber ich mache eine Darstellung, die auf zehn Meter korrekt aussieht, weil es die anständige Farbe und ordentlicher Schnitt und so was ist. Ja, da geht es nicht darum, ist das mit Maschine genäht oder nicht? Und ist das Ganze irgendwie pflanzengefärbt oder nicht? Und alles dazwischen.

[01:44:03] Benny: Genau, weil ich beispielsweise bei einem überhaupt nicht direkt im Besucherkontakt stehe, sondern bei einem großen Schlachten reenactment, der fünfte Pikenier von links bin. Und niemand präzise darauf guckt, wo die Nähte an meiner Hose langlaufen. Dann ist es halt, dann ist es halt wurscht

[01:44:18] Mario: in

[01:44:19] Benny: dem Zusammenhang.

[01:44:20] Michael: Wär aber auch witzig, so im Pikenhaufen guckst du dein Nachbarn. Na, es ist, es passt aber nicht so jetzt hier.

[01:44:27] Mario: Keine Sorge, das gibt es. Das passiert

Was Mario und Benny im Hobby hält

[01:44:30] Alexander: absolut. Ich habe noch eine Abschlussfrage, auch auf ein bisschen die Gefahr hin, dass das ein großes Thema aufmache. Aber so wie ich euch jetzt verstanden habe und auch im Podcast von euch verstehe, hier nochmal der Tipp. Hört bei Huch, Gotik! rein. Sehr interessant, auch sehr einfach sympathisch gemacht, finde ich uns sympathisch rübergebracht. Das, was euch bis heute im Hobby hält, was er ja jetzt auch schon wie erwähnt eine Zeit lang macht, das ist zum Großteil diese Wissensvermittlung, dieser Kontakt auch mit den Leuten, oder?

[01:45:04] Benny: Absolut, ja. Wovon das Herz voll ist, davon sprudelt der Mund über. Ich müsste nochmal gucken, wo genau aus der Bibel das ist. Aber ja, es ist… Ich sage das immer so, ein bisschen politisch inkorrekt. Es ist eine Ausrede zum autistischen Oversharing. Ich kriege Leute, die nicht weglaufen, die freiwillig sich dahingestellt haben, damit ich ihnen eine Stunde lang den kompletten Datensatz des Themas rüber schiebe, für das ich mich begeister.

[01:45:29] Mario: Ja, und bei mir ist es tatsächlich eine Mischung. Bei mir kommt es wirklich so ein Stück weit auch auf meine Tagesform an. Also natürlich, wenn ich auf eine Veranstaltung gehe, wo ganz klar ist, ich stehe da mit dem Schautisch, dann habe ich da auch die ganze Veranstaltung Spaß dran. Aber wenn ich die Option habe, mache ich es oder mache ich es nicht, gibt es auch Tage und ganze Veranstaltungen, in denen ich total viel Spaß habe, eben diesen Living-History -Aspekt und gar nicht den Wissensvermittlungs-Aspekt zu machen. Und das ist was, was mich zum Beispiel total an diesem Hobby erhält, zu sagen, ja, ich kann das machen, worauf ich Lust habe.

[01:46:09] Mario: Wenn ich sage, ich habe total Bock auch auf einer Living-History -Veranstaltung, auf die Wissensvermittlung, ja, dann stelle ich mich halt ein bisschen näher ans Publikum dran. Die Fragen kommen von alleine und dann so wie Benno es gerade beschrieben hat. Die Leute gehen irgendwie nicht und ich kann sie drei Stunden über irgendeinem Thema volltexten. Oder aber ich sage, Leute, heute meine soziale Batterie ist gerade mal leer. Ja, dann kümmere ich mich halt darum, ans Feuer zu gehen und zu kochen und habe halt diese Bandbreite in diesem Hobby. Und das hält mich einfach unheimlich auch bei diesem Hobby, selbst

[01:46:47] Mario: wenn ich mal so Phasen habe, in denen ich irgendwie gerade mal keine Lust habe und keine Motivation habe, was, glaube ich, jeder mal hat. Fängt mich das halt sehr wieder auf, dieses ja, dann mache ich halt mal was anderes und bin immer noch im selben Hobby.

[01:46:59] Benny: Und ich glaube, es ist auch bei uns beiden so ein bisschen dieses, was ich gerade so scherzhaft gesagt hatte, dieses der beste Weg akkurate Informationen zu bekommen, ist, falsche Informationen zu verbreiten. Es ist bei uns beiden, glaube ich, auch so ein bisschen dieses Sendungsbewusstsein von da sagt jemand, was falsch ich will das richtig stellen. Da ist ein bisschen ein bisschen diese Mission drin. Nein, verdammt, die Leute im Mittelalter haben sich tatsächlich regelmäßig gewaschen. Die Kirche hat Leuten nicht verboten, mehr als zweimal im Jahr zu baden. Und die Leute haben die Erde nicht für eine Scheibe gehalten. Verdammt, es ist so.

[01:47:37] Alexander: Also das wiederum kommt mir sehr bekannt vor.

[01:47:40] Benny: Genau. Es ist nicht, dass das schwere, klobe, stumpfe europäische Langschwert gegen das Stahl durchtrennende, elegante, leichte Katana.

[01:47:50] Mario: Ich liebe diesen Text vom heister Stefan Roth. Ich bin mir gerade beim Vornamen nicht sicher. Die hat der Schmidt genau. Genau, der irgendwie mal hingegangen ist und wunderbar so ein Katana mit einem europäischen Langschwert einfach zersenzt hat. Ja, also

[01:48:06] Alexander: den hatten wir tatsächlich auch im Podcast. Da haben wir auch über dieses, wie das damals alles entstanden ist, geredet auch in das Spannende.

[01:48:11] Mario: Das wusste ich natürlich. Hört euch gerne diese Folge, dieses tollen Podcasts auch nochmal an.

[01:48:16] Benny: Das war völlig geplant angespielt im

[01:48:19] Alexander: Abschluss. Finde ich ein schönes

[01:48:23] Benny: Schlusswort an der Stelle. Oder was meinst du,

[01:48:25] Alexander: Michael?

Huch, Gotik! und Abschluss

[01:48:26] Michael: Ja, liebe Hörer, wenn ihr mal in Huch, Gotik! reinhören wollt, das ganz einfach, immer wenn eine Schwertgeflüster-Folge rauskommt, kommt auch eine Huch, Gotik!-Folge raus. Könnt ihr direkt am Anschluss jetzt an diese Folge mal in die neue Huch, Gotik!-Folge reinhören. Bei euch kommt sie immer 17 Uhr.

[01:48:46] Benny: Ja.

[01:48:46] Michael: Und bei uns kommen sie ja am frühen Morgen. Das passt also perfekt zusammen.

[01:48:53] Alexander: In diesem Sinne vielen Dank, dass du heute hier mit dabei wart und das nochmal so ein bisschen aus aus der Fremd sich sozusagen erklärt habt.

[01:49:01] Benny: Vielen Dank,

[01:49:03] Mario: dass wir da sein durften. Das war fast synchron.

[01:49:08] Michael: Und dann hören wir uns in 14 Tagen wieder. Macht’s gut. Bis dahin. Tschüss.

[01:49:14] Benny: Tschüssi.

[01:49:14] Mario: Tschüss.

[01:49:16] Michael: Halt, bitte noch nicht weglaufen. Ihr könnt diesen Podcast nämlich noch unterstützen. Wenn es euch gefällt, dann tut uns einen gefallen. Gebt uns ein Like auf Facebook oder bei Instagram oder bewertet diesen Podcast bei iTunes und unterstützt uns auch gerne auf Patreon .com slash Schwertgeflüster, Schwertgeflüster mit Ue und empfehlt diesen Podcast euren Freunden und Feinden weiter.


Schwertgeflüster

Der beste HEMA und Fechtpodcast Deutschlands

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.