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Du willst unbesiegbar im Fechten werden? Dann hör jetzt genau zu. In dieser Folge verraten wir dir das große Geheimnis, das im HEMA kaum jemand wirklich trainiert: Beinarbeit.
Warum entscheidet sie über Treffer oder Niederlage? Weshalb sieht sie im historischen Fechten oft schlechter aus als im Sportfechten? Und wie kannst du sie konkret und sinnvoll trainieren, ohne stumpf Bahnen zu schrubben?
Wir sprechen über funktionale Fußarbeit, Distanzkontrolle, Athletik, Verletzungsprävention und geben dir konkrete Trainingsideen an die Hand. Wenn du im Wettkampf bestehen willst oder dein Fechten aufs nächste Level bringen möchtest, kommst du an dieser Folge nicht vorbei.
Shownotes
- Verletzungsprävention – Schmerzfrei trotz HEMA feat. Anna Wiederänders (SG 169)
- Historisches Ringen vs. Leistungssport feat. Elias Flatscher (SG 126)
In eigener Sache
Schwertgeflüster ist ein Podcast von Alexander Fürgut und Michael Sprenger. Alexander ist Trainer und Mitgründer der Schwabenfedern Ulm, Autor von Der Schielhau im Detail und ficht Langschwert und Rapier. Michael ist Trainer und Mitgründer vom Fencing Club Dresden und ficht vor allem Langschwert.
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Transkription
Alex:
Schwertgeflüster, der HEMA-Podcast mit Alexander Fürgut und Michael Sprenger.
Michael:
Hey du, lieber Hörer, liebe Hörerin, komm ein bisschen näher an die Box ran.
Das Geheimnis.
Wir wollen nämlich heute mal einmal nochmal klären, wie man eigentlich im Fechten unbesiegbar wird.
Heute ist wirklich die Folge, da geben wir mal das große, große Geheimnis preis.
Wir haben uns gedacht, 200 Folgen haben wir es verschwiegen.
Es geht nicht länger.
Heute ist es endlich soweit.
Ganz wichtig, unbedingt dranbleiben, weil wenn man jetzt die Folge ausmacht, am Anfang zwischendurch, ganz egal, und man hört die nicht mindestens einmal bis zum Ende, dann darf man sich seinen Lebtag nicht mehr darüber beschweren, dass man getroffen wird oder selbst nicht getroffen hat.
Das sind die Regeln.
Ich mache die Regeln nicht.
So ist einfach das Spiel.
Und in diesem Sinne, willkommen zu Folge 201.
So wirst du empfechten.
Unbesiegbar!
Alex:
Wir sind gespannt.
Zum Glück mische ich das dann am Ende noch und passe die Pegel an, sodass die Leute, die jetzt wirklich mit dem Ohr an die Box gekrochen sind, keinen Trommelfellriss haben.
Michael:
Ja, das Ohr ficht mit, wie man so schön sagt.
Alex:
Es hat ja auch so ein bisschen was mit der heutigen Folge zu tun.
Im Ohr ist ja quasi unser Gleichgewichtssinn veranlagt und ich würde sagen, der soll heute auch nicht zu kurz kommen.
Michael:
Ja, es gibt nämlich, wir wollen euch nicht länger auf die Folter spannen, wenn man das komplette Thema der heutigen Folge in einem Begriff zusammenfassen müsste.
Was macht euch im Fechten unbesiegbar?
Was ist das Allerwichtigste?
Was ist so essentiell, dass so gut wie niemand ernsthaft trainiert?
Fußarbeit, Leute.
Darum soll es nämlich heute eigentlich gehen.
Heute ist die Fußarbeitsfolge, Folge 201.
Zack, zack.
Alex:
Da können wir direkt mal mit der Begriffsklärung einfangen, denn Alex hat es gerade so schön als Fußarbeit benannt.
Und nachdem ich so einen gewissen Quereinstieg im Olympischen Fechten habe und mich die Leute immer wieder fragen, was meinst du mit Fußarbeit?
Du meinst Beinarbeit, oder?
Also der deutsche Begriff ist Beinarbeit, der englische Begriff ist Footwork.
Und da wir sehr viel aus dem HEMA, im HEMA aus dem Englischen sozusagen übernehmen,
hat sich das bei uns im HEMA auch oftmals als Fußarbeit eingebürgert, was aber beim ursprünglichen Olympischen Fechten keiner sagt im Deutschen.
Michael:
Okay, da kommt jetzt bestimmt irgendjemand und sagt uns, wie es in den Quellen drinsteht und wann das sich vom Begriff gewandelt hat oder nicht.
Ich meine, jetzt hier in Süddeutschland…
Alex:
Das ist ja sowieso alles Schulterabwärtsfuß, ne?
Ja.
Michael:
Nein, nein, genau.
Also Fuß und Bein ist ja äquivalent in Allgäu und in Schwaben, also das ist gar kein Problem.
Aber natürlich in Dresden gilt das nicht mehr.
Alex:
Wir sind noch ein bisschen weiter, also bei uns gibt es da schon ein paar Gelenke mehr.
Michael:
Ja, Fußarbeit ist noch ein schönes Thema.
Also wir wollen heute generell nochmal erklären, was gibt es denn eigentlich so für Schritte in den verschiedenen Waffen, wie unterscheiden die sich und wie unterscheiden die sich nicht.
Jetzt mal aber so das Meta-Ding vorneweg.
Michael, ist das historische Fechten?
Sind die historischen Fechter für ihre gute Fußarbeit bekannt?
Weißt du, wie du mich gerade mit Fußarbeit triggerst?
Alex:
Ich war mir gar nicht so bewusst, dass das jetzt inzwischen, weißt du, weil jetzt bin ich dazu übergegangen, immer Beinarbeit zu sagen.
Jetzt muss ich, jetzt merke ich, wie das für Tom, also unseren Trainer bei den Olympischen Fechtern ist, gewesen sein muss, als ich immer Fußballbeit gesagt habe.
Michael:
Naja, ich meine, weißt du, wir müssen ja den Begriff verwenden, den die Leute im HEMA kennen.
Alex:
Ja, mit Beinarbeit können die gar nichts anfangen.
Michael:
Nee, noch nie gehört, was soll das sein?
Alex:
Also, warum Footwork gebraucht wird?
Michael:
Ja, jetzt bitte noch den spanischen und italienischen Begriff.
Alex:
Ich sag mal, manchmal ist ja der Gegner einfach für einen Hieb oder Stich ein bisschen zu weit weg und da kommst du mit den Armen nicht ran und musst dann deine Füße noch irgendwie bewegen.
Und dafür brauchst du Beinarbeit, hätte ich jetzt gesagt.
Michael:
Um die Füße zu bewegen, braucht man Beinarbeit.
Sehr spannend.
Das wird so eine Autisten-Folge heute.
Ich wusste nicht, dass wir da so einen schönen Einstieg finden.
Ja, aber ist das was, wo man so im Allgemeinen nachsagt, hey, die Hemaisten, Beinarbeit, das läuft bei denen?
Oder wie hast du das so wahrgenommen?
Alex:
Also es kommt drauf an, wen du fragst.
Wenn du jetzt Hemaisten fragst, die das nicht anders kennen, die jetzt vielleicht in eine Quelle gucken und dann irgendwie was trainieren, die werden schon sagen, ja, das ist halt so das, was da drin steht und das wird schon passen.
Wenn du dann mal gegen jemanden
mit einer Sportfechter-Ausbildung gefochten hast oder der dir beim Fechten zugeguckt hat und du dann Feedback bekommst, dann weißt du, dass es andere Meinungen gibt und dass das, was wir im HEMA machen, nicht so das Nonplusultra ist.
Michael:
Also was halt schon auffällig ist, wenn man Leuten zuguckt oder auch auf Videos und so, das halt, also du kannst ja auch beim Boxen oder so gucken, die Leute haben halt viel präzisere Beinarbeit.
Also die sind mit ihrem Oberkörper und ihren Beinchen da, wo sie halt irgendwie sein müssen für ihren Sport.
Und das kann ja alles unterschiedlich sein.
Beim Hämmer gibt es da halt schon sehr große Unterschiede.
Also was die Leute machen und vor allem auch, wie präzise sie das machen.
Und das hängt teilweise auch nicht unbedingt nur am Erfahrungslevel, was man ja so denken könnte.
Also klar, Anfänger haben keine gute Beinarbeit.
Die sind ja Anfänger, ist schon logisch.
Aber da sind natürlich auch genug Leute, die schon sehr, sehr lange trainieren, die keine gute Beinarbeit haben.
Alex:
weil es, also da sprichst du glaube ich den Kern an, die lange trainieren, aber das heißt ja nicht, dass sie Beinarbeit trainieren, beziehungsweise dass sie zielführende Beinarbeit trainieren.
Und jetzt sind wir wieder bei dem Punkt, was ich vorhin meinte, wenn der Gegner zu weit weg ist, musst du mal irgendwie deine Füße bewegen oder deine Beine bewegen.
Was ist denn zielführend eigentlich?
Wozu brauchen wir das denn überhaupt?
Was wollen wir denn überhaupt damit erreichen?
Michael:
Naja, ich möchte immerhin auf irgendeine Art die Distanz ändern, sodass sie mir besser passt als meinem Gegner oder die Distanz halten, wenn mein Gegner versucht, die Distanz zu ändern.
Das ist ja im Wesentlichen das Ziel von dem Ganzen.
Das heißt, das, was du sagst, der Gegner steht zu weit weg, ich möchte gerne an ihn ran oder umgekehrt, der Gegner möchte an mich ran und ich möchte ihn aber nicht ranlassen oder ich möchte genau in so einer für mich tollen Distanz bleiben, die aber für den Gegner nicht so geschickt ist.
Zum Beispiel, weil ich größer bin als der andere und gerne in meiner Lieblingsdistanz fechten möchte und nicht in seiner.
Alex:
Und jetzt haben wir das Problem, dass unser Gegner im Allgemeinen nicht ganz blöde ist und auf uns reagiert.
Das heißt, wenn wir jetzt irgendwie einen Schritt nach vorne machen und der, also ich nehme mal das Beispiel, ich möchte die Distanz, ich fechte gegen dich, du bist größer als ich, du hast eine größere Distanz als Wohlfühlabstand und ich muss, um dich zu treffen, irgendwie näher rankommen.
Das heißt, ich verkleine jetzt die Distanz, mache einen Schritt auf dich zu.
Und du bist aber nicht ganz blöde und machst Schritt zurück.
So, jetzt sind wir wieder am Anfang.
Das heißt, damit hier irgendwie ein Vorteil entsteht, muss jetzt einer von uns irgendwas besser machen mit seinen Beinen.
Michael:
Das, was du jetzt geschildert hast, ist ja nur eine Variante.
Man kann natürlich auch sagen, oh, er kommt auf mich zu.
Das ist ja ein günstiger Moment, ebenfalls auf ihn zuzugehen.
Beide machen Oberhaut-Doppeltreffer fertig.
Alex:
Ja, das wäre so ein schönes HEMA-Beispiel.
Also Taktikkreis erst mal ignorieren und er greift mich an, ich muss auch angreifen.
Michael:
Der Taktikkreis ist halt mehr so ein Punkt, ein Angriff wird mit einem Angriff gekontert.
Alex:
Der Taktikpunkt, ne?
Wir treffen uns bei Angreifen.
Michael:
Ja.
Ja, genau.
Also besser, was heißt besser jetzt in dem Zusammenhang?
Alex:
Überraschender, schneller, also rein in der Ausführung schneller, aber auch im Moment überraschender, hätte ich jetzt gesagt.
Im Moment überraschender.
Also dass du, dass ich den eigentlichen Schritt, den ich mache, um meine Distanz zu verkürzen, um dich anzugreifen.
den kann ich durch Vorbereitung so verschleiern, dass du den nicht so mitkriegst.
Also dass ich jetzt nicht so einen großen, auffälligen Schritt auf dich zumache, sondern ich mache halt vorher irgendwie so kleine Schritte vor und zurück, mache so ein bisschen Vorbereitung und dann daraus mache ich einen unvermittelten, sehr schnellen Schritt nach vorn.
Michael:
Genau, oder was ja auch ging, du machst einen größeren Schritt als ich.
Also wenn die Distanz gleich bleibt, während wir quasi gleich große Schritte machen, könntest du auch einfach einen größeren machen?
Alex:
Ja, auch sehr schön.
Also entweder Schnelligkeit oder eben durch Kraft, dass ich einfach mich weiter nach vorne drücken kann, dass ich eine gesprungene Bewegung auf dich zumache.
Ja.
Michael:
Ja, was natürlich auch gehen würde.
Also ich meine, man kann jetzt nicht zwei Schritte machen in dem Zeitraum, in dem der andere einen Schritt macht.
Also so schnell sind die Leute dann doch nicht.
Aber wenn man mehrere Schritte nacheinander macht, also keine Ahnung, ich mache drei Schritte nach hinten und du machst jetzt nicht nur drei Schritte nach vorne, die gleich groß sind wie meine, sondern schaffst es irgendwie vielleicht sogar noch einen vierten reinzukriegen, dann wärst du auch wieder näher dran an mir als vorher.
Alex:
Wobei ich nach, also hast du schon mal gegen den Sportfechter gefochten?
Weil das mit dem zwei in einem Tempo sozusagen, also eher zwei in einem von meinem Tempo, das finde ich jetzt nicht so abwegig.
Michael:
Also es fühlt sich manchmal so an, aber es ist nicht tatsächlich so, glaube ich, wenn du da wirklich mal aufs Video guckst.
Das muss sich schon so ein bisschen ausmitteln über mehrere Schritte.
Okay.
Also mein Gefühl ist es so, du gehst ein auf den zu und der macht zipp.
Genau.
Ja.
Das ist das, was du mit funktionaler Fußarbeit meinst.
Dass sich etwas zu deinem Vorteil ändert.
Alex:
Genau.
Die mache ich ja nicht zum Spaß.
Es sieht natürlich auch geil aus, muss ich ganz ehrlich sagen.
Richtig geile Beinarbeit.
Das sieht schon schön aus.
Das hat einen ästhetischen Aspekt, finde ich.
Das kann man auch mal zum Selbstzweck machen.
Aber im Gefecht …
laufe ich mich ja nicht umsonst tot.
Also da will ich ja, verfolge ich ja ein Ziel, nämlich zu treffen, ohne getroffen zu werden.
Und funktionale Beinarbeit heißt jetzt alles, was mir zur Erreichung dieses Ziel hilft.
Michael:
Ja, leider sind die meisten HEMA-Gefechte nicht lang genug, dass man den anderen kardiomäßig erschöpfen kann, indem man einfach mit der Fußarbeit lang genug um ihn herumläuft und der mitlaufen muss.
Alex:
Ja, das heißt, wir müssen zwischendurch schon mal irgendwie einen Angriff machen.
Michael:
Und soweit die Theorie jetzt.
Klingt ja alles nicht so kompliziert.
Ich muss mal halt mit meinen Füßen Vorteile erarbeiten.
Das ist übrigens auch der Grund, warum man unbesiegbar wird, wenn man eine viel, viel bessere Fußarbeit als der andere hat.
Weil wie soll er euch denn treffen?
Er kommt ja nicht ran.
Wenn er nie in Reichweite kommt, dann kann er euch auch nicht erwischen.
Oder sagen wir mal, Sternchen, nie in Reichweite kommt in einem Moment, wo der andere einen Angriff machen könnte.
Wenn immer nur die Reichweite dann da ist, wenn ihr einen Angriff machen könnt, dann kann er euch auch nicht erwischen.
Ganz einfach eigentlich.
Alex:
Zack, Folge beendet.
Bis in 14 Tagen.
Macht’s gut.
Du hast ja auch die Frage in den Raum geworfen, warum ist das im HEMA jetzt so ein Ding?
Oder kein Ding.
Warum sieht Beinarbeit im HEMA oftmals einfach scheiße aus?
Also auch bei, ich würde sagen, auch bei erfahrenen Fechtern, auch bei erfolgreichen Fechtern zuweilen,
sieht das aus, wo ich sage, gar nicht mehr so gut.
Wo man da dann aber sagen muss, anscheinend ist sie funktional genug oder anscheinend können sie das dann kompensieren, dass man das nicht braucht.
Das war auch eine These.
Michael:
Ja, also rein nach der Ästhetik bewerten ist natürlich ein bisschen schwierig.
Es gibt schon so Aspekte, die man sieht, zum Beispiel ob der vordere Fuß jetzt dem Gegner zeigt oder halt eingedreht ist oder ausgedreht ist.
Das ist ein Punkt, wenn man Ausfälle macht, dass halt das Knie dann nicht schön über den Fuß abrollt, sondern links und rechts dran vorbei, was nicht so super gesund ist.
Aber ja, das Hauptding ist ja, ob sie den Zweck erfüllt, den sie erfüllen sollte, nämlich die Distanz so zum eigenen Vorteil zu verbessern.
Alex:
Und ich glaube, da scheitern viele im Training, sich zu erarbeiten, wie genau das aussehen muss.
Also was muss Fußarbeit leisten, damit ich meine Ziele erreiche?
Ich sag mal…
Wir haben wahrscheinlich weniger das Problem, weil wir zum Beispiel so einen natürlichen Ansatz, den Ecological Approach beziehungsweise Constraint-Lead Approach verfolgen, wo man sowieso versucht wegzugehen von so und so sieht eine Bewegung aus und die macht ihr jetzt so.
Sondern hinzu, wir stellen eine Umgebung bereit, in der ihr ein Ziel erfüllen müsst und wie ihr das erreicht, ist mir als Trainer egal.
Findet euren Weg.
Ich gebe euch vielleicht einen Tipp, was ihr tun könnt, aber ansonsten, wenn ihr das Ziel erreicht, ist gut.
Aber ich glaube, daran scheitern viele, diese funktionale Anforderung überhaupt erst mal aufzuschreiben oder zu benennen, zu sagen, was muss denn Fußarbeit leisten und das dann in Training umzusetzen.
Denn die Fechtbücher sind ja, zumindest was jetzt Langschwert angeht, mit Fußarbeit nicht gerade üppig gesät.
Michael:
Ich meine, wir können ja mal kurz durchgehen, was es eigentlich grundsätzlich für Schritte gibt, weil es sind ja jetzt auch nicht so viele.
Eine Möglichkeit ist, ich habe ein Bein vorne.
Also ich stehe ja fast immer in fast jeder Waffe irgendwie in der Auslage und habe meistens halt ein Bein vorne.
Und jetzt kann ich einen Schritt machen, wo das Bein vorne bleibt, wo meine Auslage bleibt.
Das heißt, das Bein, was vorne steht, in der Regel vergrößert das den Abstand oder dann ziehe ich das hintere Bein nach, wird auch Nachstellschritt genannt oder Halberschritt.
Also
Dann gibt es die zweite Variante, wo ich die Auslage wechsle.
Das heißt, das eine Bein geht am anderen vorbei, wird auch ganzer Schritt genannt.
Das wäre sowas wie, wenn ich zum Beispiel Oberhorn mache mit einem langen Schwert.
Ich starte linkes Bein vorne, habe das Schwert rechts oben in der Hut vom Tag, mache jetzt einfach einen ganzen Schritt, wo ich dann am Ende das rechte Bein vorne habe.
So, dann haben wir halbe Schritte, ganze Schritte.
Was man jetzt noch machen kann, ist, dass man anstatt gerade vor und zurück zu gehen, links, rechts aus der Linie raustreten kann.
Und man kann quasi das auch kombinieren mit Sprüngen, also dass man so ein bisschen aus der Linie nicht nur raustritt, sondern rausspringt.
Und das ist im Wesentlichen das, was du in fast allen Waffen in irgendeiner Art und Weise hast.
Also nicht jede Waffe hat, dass man quasi die Füße überholt und einen ganzen Schritt macht.
Also zum Beispiel beim Rapier machst du das sehr selten.
Da gibt es zwar auch so ein paar Spezialschritte, wo das hintere Bein am vorderen vorbei geht, aber ohne dass man quasi den Oberkörper mit rotiert.
Also man behält diese seitliche Ausrichtung.
Aber Langschwert hat zum Beispiel beides.
Da kannst du einen kompletten Schritt machen oder halt einen halben Schritt.
Und dann gibt es noch so ein paar Mischformen, aber im Wesentlichen sind das eigentlich die zwei Sachen.
Ganzer Schritt, halber Schritt und das kann ich halt kombinieren mit vor, zurück, links, rechts.
Alex:
Jetzt muss man natürlich sagen, dass die Bezeichnungen nicht genormt sind.
Also zum Beispiel in den mittelalterlichen Fechtbüchern zum langen Schwert sind da diese Zeichnungen halber Schritt und ganzer Schritt meines Wissens nach nicht drin.
Sondern es ist halt nur irgendwie von einem Schritt die Rede.
Und wenn wir jetzt beim Olympischen Fechten gucken, dann ist ein Schritt, das…
Was du jetzt als halben Schritt bezeichnet hast.
Ich setze mein vorderes Bein vor und den hinteren nach, mache einen Nachstellschritt sozusagen.
Und ein Halbschritt ist, dass ich nur das vordere Bein vorsetze.
Da setze ich quasi vorne, strecke ich mein Bein, setze die Ferse ab.
Und das ist ein Halbschritt.
Und da könnte ich dann halt verschiedene Aktionen machen.
Ich könnte es absetzen zu einem ganzen Schritt.
Oder ich könnte direkt in den Ausgang Ausfall verlängern.
So eine Kombination machen.
Also da ist, glaube ich, ein erster Punkt, weswegen das im HEMA so ein Problem ist.
Wir haben keine einheitliche Nomenklatur.
Was…
Beinarbeit angeht, weil auch jede Quelle, da findest du dann irgendeine spanische Quelle und dort sind halt die Begriffe auf Spanisch drin oder eine italienische Quelle und hier und da hast du nicht gesehen und dann heißt es halt dann auch, wie es in der Quelle heißt.
Verständlicherweise, wenn du dich die ganze Zeit mit einer Quelle beschäftigst, warum sollst du dann nicht die Begriffe nehmen, die dann eben auch dort drin stehen?
Ja.
Michael:
Also das stimmt schon.
Es gibt schon auch, wenn man im Detail reinguckt, Unterschiede.
Also ich meine, du kannst zum Beispiel auch sagen, ein Ausfallschritt, das ist einfach nur ein sehr großer, in meiner Logik halber Schritt.
Ich setze einfach das vordere Bein sehr weit nach vorne und ziehe das hintere Bein nicht nach, dann habe ich einen Ausfallschritt.
Da gibt es natürlich auch Unterschiede.
Also wenn du manche von den italienischen Rapierquellen zum Beispiel reinschaust, da ist halt die Art und Weise, wie der Ausfallschritt selber gemacht wird, natürlich schon untereinander unterschiedlich und auch unterschiedlich zu dem, wie es heute im olympischen Fechten ist.
Aber auch wenn es da im Detail Unterschiede gibt, ist es ja schon so, eigentlich hast du nur die, also im Großen und Ganzen hast du halt die Variante, die…
Oberkörper Ausrichtung zu tauschen, also von der einen Seite zur anderen oder halt nicht.
Und dann kann ich halt noch entscheiden, welches Bein bewegt sich als erstes oder überhaupt.
Also bewegt sich das vordere Bein als erstes, bewegt sich nur das vordere Bein, bewegt sich das hintere Bein als erstes, bewegt sich nur das hintere Bein und so.
Da kann ich das dann auch feiner unterteilen, wenn ich das möchte.
Alex:
Ja.
Also einigen wir uns heute mal beim Wording auf, ein Schritt ist das vordere Bein fortsetzen, vorsetzen, das hintere Bein nachsetzen.
Ein Ausfall ist das vordere Bein weit vorsetzen, das hintere Bein bleibt, wo es ist, gestreckt oder der hintere Fuß.
Ein Wechselschritt ist oder ein ganzer Schritt von mir aus ist sozusagen das hintere Bein nach vorne setzen, vorsetzen,
Und that’s it, ja.
Michael:
Also wechselst du das hintere Bein, überholst das andere Bein und wechselst dann das andere Bein.
Das ehemals hintere Bein ist dann das neue vordere Bein.
Ja, jawohl.
Genau, und ich meine, das stimmt schon alles, was du gesagt hast, dass man halt irgendwie dann gucken muss, was genau jetzt die Situation hergibt, aber klar, es gibt auch noch ein paar Spezialschritte für bestimmte Waffen, aber eigentlich ist es ja so, beim Rapier hast du fast nur, dass du ohne Oberkörperrotation fischst, also immer nur Schritte machst.
Bei vielen selben Quellen ist es ja auch so.
Und dann hast du noch ein paar Sachen, wie zum Beispiel Langschwert, wo du halt die Wechselschritte mit drin hast.
Aber eigentlich ist es ja in der Theorie …
Nicht kompliziert, weil das muss halt irgendwie laufen.
Du musst halt Schritte, Wechselschritte, je nachdem, was du machst, drauf haben.
Ausfahrtschritt vielleicht noch, je nachdem, was du machst, müsste eigentlich ganz easy sein.
Warum ist denn das dann so ein Problem, dass die Leute das irgendwie nicht so gut umsetzen können?
Alex:
Ich würde sagen, weil sie das nicht explizit trainieren.
Also die gesamte Kette eines Angriffs wird nicht explizit trainiert.
Also ein Angriff…
Ein Stich mit Ausfall auf ein Ziel wird nicht explizit trainiert oder mit Hieb, sodass dann auch eine athletische Komponente dahinter ist, dass du auch Kraft und Schnelligkeit verbesserst.
Und beim Ausfall…
Das gerade genannte und bei Schritten, da hast du ja eine sehr hohe Anforderung an Stabilität.
Also wenn ich den Schritt mache und dann erstmal nach vorne und nach hinten wabbeln.
dann bin ich ja so ein perfektes Ziel.
Wenn der genau weiß, wenn er einen Schritt macht, dann kommt er auch nochmal 50 Zentimeter auf mich zu, weil er seinen Oberkörper nicht ordentlich beherrschen kann.
Dann hat mir das Schritt ja auch nicht allzu viel gebracht.
Und dort dann eine gewisse Athletik dahinter zu haben, also Stabilität und Geschwindigkeit und Schnelligkeit, das wird einfach nicht trainiert, glaube ich.
Michael:
Also meinst du, das ist eine quantitative Frage, also dass da einfach zu wenig Trainingszeit insgesamt drauf verwendet wird?
Weil, also ich erinnere mich jetzt zum Beispiel gerne immer dran, meine Freundin hat auch mal als Jünger war, also im Kindesalter irgendwann mal Fechttraining gehabt und dann war sie da und dann war das so ein, ja, wenn du dich gut anstellst, dann kriegst du in einem halben Jahr Fecht.
Nachdem du ein halbes Jahr Fußarbeit mal gemacht hast, kriegst du dann mal eine Waffe in die Hand gedrückt und darfst mit dem dann noch ein halbes Jahr.
Also Partnertraining fangen wir dann an, nachdem du ein Jahr lang Fußarbeit trainiert hast.
Also ist das das Problem oder ist es, wie es trainiert wird?
Alex:
Eine Mischung.
Also einmal zu wenig Zeit für explizites Training.
der gesamten Bewegungskette beim Angriff, so nenne ich es jetzt mal.
Ich bin nicht unbedingt großer Fan davon, Beinarbeit so krass isoliert zu trainieren wie beim Sportfechten.
Ich denke, das ist mit dem Wissen über den ökologischen, also den ecological approach nicht sinnvoll, das so zu isolieren.
Komma aber, es darf halt auch nicht weggelassen werden.
Das heißt, das ist zu wenig Zeit für die gesamte Bewegungskette und zu wenig Zeit für explizite Athletik.
Also die kann ich natürlich wirklich isoliert trainieren, dass ich meine Sprungkraft verbessere, dass ich meine Schnelligkeit verbessere, dass ich meine Fähigkeit in einer stabilen Landung verbessere und so weiter und so fort.
Michael:
Okay, kannst du das mal irgendwie als Beispiel machen?
Was heißt denn, die ganze Kette zu trainieren?
Weil ich kann mir jetzt ja überlegen, na ja, ich mache halt einen Angriff, dann mache ich ja offensichtlich irgendeine Art von Schritt plus einen Angriff, ganze Kette trainiert, check.
Alex:
Ja, und dann wiederholst du das halt.
Und dann gibst du dir noch ein explizites Ziel, wie du die Aufgabe steigern kannst.
Also davon, dass ich jetzt 100 Mal auf dem Stoßkissen
Stoß mit Ausfall mache, wird das ein bisschen besser, aber halt nur die ersten vielleicht fünf bis zehn Mal.
Danach ist es einfach nur ermüdend.
Das heißt, ich muss mir was überlegen, wie ich dann eine Progression reinbringe, dass es eben für mich schwieriger wird und ich mehr Bums in meine Aktion reinbringen muss.
Aber an sich gebe ich dir recht, Angriff mit einer Distanz, die zu überbrücken ist, wo ich meine Füße bewegen muss, wo ich meine Beine bewegen muss, ist erstmal prinzipiell das Ding, um die gesamte Bewegungskette zu trainieren.
Michael:
Aber da bin ich doch jetzt genau an dem Problem, dass es vielleicht ein bisschen fad, wenn man das macht oder machen muss, da irgendwie hundertmal auf irgendein Ziel zu stechen, aber dann hast du immerhin hundertmal die Bewegung gemacht am Stück und hast da vielleicht auch entsprechend deine Muskeln trainiert.
Ich meine, da geht es doch eigentlich schon los, oder?
Wer macht das denn?
Ja.
Die meisten ja wahrscheinlich nicht und vor allem nicht irgendwie im regulären Training, da machst du dann halt ein bisschen Aufwärmen, mal hier ein paar Schritte, da ein paar Schritte, dann Partnerübungen und bei den Partnerübungen hängt es ja auch immer sehr stark davon ab, wie gut die Fußarbeit von deinem Partner ist, weil wenn der jetzt eine sehr gute Fußarbeit hat und der scheucht dich durch die Halle, dann zwingt dich das sicherlich auch dazu, dass du selber Fußarbeit mittrainierst, zumindest wenn das die Übungen irgendwie erlaubt.
Aber wenn beide sehr, sagen wir mal, faul slash energiesparend bei ihrer eigenen Fußarbeit sind, dann zwingst du den anderen ja auch nicht zwingend dazu, da sich reinzuhängen, oder?
Alex:
Nee, da gebe ich dir recht.
Also du musst dann Übungen so gestalten, dass dort Beinarbeit vonnöten ist.
Michael:
Kannst du da mal vielleicht ein Beispiel machen?
Was wäre eine Übung, wo die Leute wirklich dazu gezwungen werden, ordentliche Beinarbeit zu machen, die komplette Kette mit drin ist?
Vielleicht als Bonus ein bisschen Athletik und Co.
auch hilfreich wäre.
Alex:
Du nimmst einen Medizinball und den legst du irgendwo auf Brusthöhe ab, sodass er an der Wand steht.
Also in einer Standardsporthalle hast du ja so Bänke, so eine Schulsportbänke.
beziehungsweise so eine Hocker und die kannst du übereinander stapeln, sodass dann du einen Medizinball irgendwie in Brusthöhe hast.
Das stellst du vor eine Wand, sodass du auf den Medizinball ausstoßen kannst und der nicht wegfliegt, sondern der wird dann halt gegen die Wand gedrückt.
Und jetzt stellst du dich da vor.
Und stößt aus.
So, das ist das erste Ziel erstmal ordentlich zu treffen, dass der Medizinball nicht wegrollt, dass sich die Klinge nach oben biegt, dass du eine ordentliche Statur dahinter hast.
Und wenn das passt, dann machst du einen Schritt zurück.
Irgendwann bist du mal so weit weg, dass du selbst, wenn du dich sonst wie weit nach vorne streckst, dort nicht mehr rankommst.
Das heißt, du brauchst einen Schritt oder einen Ausfall.
Und jetzt gibst du noch als Constraint dazu…
Du musst erst mit dem Ort den Medizinball treffen, bevor dein vorderer Fuß oder der Fuß, den du abgesetzt hast, um den Schritt zum genau vom Boden hochgenommen hast, um den Schritt zu machen, bevor der wieder den Boden berührt.
Jetzt bist du gezwungen, so viel Bums reinzustecken, dass du eben mit der Klinge dran bist, bevor du wieder absetzt.
Und jedes Mal, wenn das erfolgreich ist, machst du einen Schritt zurück.
Wenn das nicht erfolgreich ist, machst du einen kleinen Schritt vor.
Und so bist du an einem Punkt, wo du immer…
Einen Trainingsreiz hast, du machst einen kleinen Schritt vor, es klappt, dann machst du wieder einen kleinen Schritt zurück und dann musst du dich konzentrieren und eben wieder enorm viel mehr reinstecken und das kannst du dann kombinieren mit, du darfst jetzt nur Ausfälle machen, du darfst nur Schritte machen, du darfst Schrittausfall machen, was auch immer.
Michael:
Also das ist jetzt quasi die interessantere Variante sozusagen davon, dass du einfach stumpf 100 Mal die gleiche Bewegung sozusagen machst, sondern dass du ein bisschen Varianz drin hast, weil du immer die Distanz leicht veränderst und dann leicht unterschiedliche Ansätze durchprobieren musst.
Du hast ja immer ein Ziel.
Alex:
Also du, es bringt dich ja, du hast ein inhärentes Feedback in der Übung.
Habe ich Erfolg?
Habe ich …
Du kannst das ganz einfach kontrollieren.
Okay, war die Klinge zuerst dran, dann hat mein Fuß abgesetzt.
Manchmal ist es so, aha, bin mir nicht ganz sicher.
Okay, das kann natürlich passieren.
Aber im Allgemeinen gibt die Übung das her, dass du sagen kannst, das war erfolgreicher Versuch, das war nicht erfolgreicher Versuch.
Und dein Ziel ist ja immer, einen erfolgreichen Versuch zu haben.
Und die Übung ist selbstbalancierend.
Das heißt, wenn du erfolgreich bist, musst du wieder ein kleines Stück zurück.
Das heißt, du musst dich mehr anstrengen.
Und dadurch bist du immer an einem Punkt, der dich fordert, aber nicht überfordert.
Du hast immer so ein Erfolgsverhältnis,
Erfolg zu Misserfolg von 50 Prozent oder Erfolg zu Misserfolg von 1 zu 1.
Das heißt, die Hälfte deiner Versuche ungefähr ist erfolgreich.
Und du kannst auch immer von einem zum anderen Versuch wieder probieren.
Wie kann ich mich vielleicht noch irgendwie eindrehen?
Wie kann ich noch mich besser abdrücken?
Also du kommst viel besser in den Flow.
Du kommst viel besser darin.
Damit an den Punkt wirklich zu trainieren und dich zu verbessern.
Wenn du einfach nur stumpf aus einem fixen Abstand auf das Stoßkissen ausstößt, führst du eine leere Bewegung aus, die dich nicht weiterbringt, weil du kein Feedback hast in dieser Übung.
Michael:
Aber es geht an der Stelle ja trotzdem darum, dass ich einfach die Bewegung dann auch wirklich oft mache.
Nicht irgendwie fünfmal in einem Training von zwei Stunden, sondern halt paar Dutzend Mal, oder?
Alex:
Ja, da gebe ich dir recht.
Also wenn du die Übung dann entsprechend oft wiederholst, hast du einen höheren Lerneffekt, ja.
Ist auch nicht unendlich, keine Ahnung, wenn ich da jetzt hundertmal drauf stoße, irgendwann sind meine kognitiven Fähigkeiten dann auch aufgebraucht, aber prinzipiell ja.
Michael:
Kannst du noch kurz erklären, warum ist das relevant, dass du mit dem Sperd zuerst den Medizinballen triffst, bevor du den Fuß aufsetzt?
Alex:
Das ist jetzt ein Constraint, was ich gewählt habe.
Das kannst du jetzt auch anders wählen.
Es hat halt für mich in dieser Übung den Zweck, dass du einen sehr kräftigen, weiten Ausfall machst.
Sodass du eine lange Flugphase hast und dann eben entsprechend erst mit dem Schwert triffst und dann aufkommst.
Wenn das anders sein dürfte, dann könnte ich auch einen Ausfall machen und dann mit dem Schwert nach vorne gehen, aber ich will ja sozusagen mich so richtig kassieren.
rauskatapultieren.
Das ist bei der Übung das Ziel.
Michael:
Also, dass du quasi auch ein Feedback kriegst, weil sich ja dein Schwert biegen soll und das geht nicht, wenn du zum Beispiel den Oberkörper nicht richtig ausrichtest und so ein bisschen nach vorne lehnst und die Arme nicht streckst, weil sonst biegt sich dein Schwert nicht durch, bevor du mit dem Fuß aufkommst.
Genau.
Okay, und wenn du das jetzt machst, also diese Art von Übungen, machst du vielleicht nochmal ein, zwei andere Varianten hinterher oder so?
Ist das was, das mache ich in einem Zwei-Stunden-Training jetzt eine Stunde oder hast du da irgendwie ein Gefühl dafür, wie viel Zeit man da wirklich investieren muss, dass man mal auf ein sinnvolles Niveau kommt?
Alex:
Das kommt natürlich auf dein Training an sich an.
Weil ich mache es bei uns vielleicht, boah, was sind das, 10 Minuten, 10, 15 Minuten mit allen verschiedenen Variationen.
Du hast dann keine 100 Stiche in einer Variante, sondern vielleicht 10, 20.
Aber dann eben noch linke Auslage, rechte Auslage, hinteres Bein nach vorn und so weiter.
Also in verschiedenen Modi.
Und
Dann ziehen sich solche Übungen auch im Training fort, dann mit Partnerübungen, dass du versuchst, den Partner mit einem Stich zu treffen und der darf dann, was weiß ich, der darf, wenn er merkt, dass du mit dem Eingriff kommst, darf er einen Schritt zurück oder der darf dann parieren oder hast du nicht gesehen, sodass du immer gezwungen bist, möglichst…
Konzentriert und möglichst mit maximaler Geschwindigkeit, maximaler Energie zu arbeiten.
Was heißt Energie, aber Kraft sozusagen beim Abstoßen.
Michael:
Okay, das ist jetzt quasi die eigentliche Ausführung, wie sieht es dann, also ist das dann schon genug, was die Athletik angeht, also ist da genug Athletik mit drin, weil du es ja kräftig ausführen musst oder macht man das noch zusätzlich?
Alex:
Wir machen es zusätzlich, also wir trainieren dann noch zusätzlich ein bisschen plyometrische Übungen, also einfach…
Sprung, springen.
Ja, wenn du so willst, einfach springen.
Sprungkraft.
Ganz vereinfacht gesagt.
Michael:
Und wann machst du was im Training?
Ist das jetzt irgendwie Teil vom Aufwärmen?
Machst du es am Ende nochmal?
Alex:
Ja, also aus trainingsmethodischer Sicht ist es sinnvoll, alles was mit Schnelligkeit und Schnellkraft zu tun hat.
sehr am Anfang zu machen, aber nach dem Aufwärmen.
Also du wärmst auf, solltest gut durchblutet sein und dann kommt alles, aber eben nicht erschöpft und dann kommt alles, was Schnelligkeit, Schnellkraft ist,
Danach kommen solche Übungen mit Schwert, wie ich es zum Beispiel beschrieben habe.
Und am Ende kannst du zum Beispiel nochmal Kraftausdauer ballern, wenn du das möchtest.
Also deine Beine tot machen.
Michael:
Für jeden, der noch stehen kann, gleich nicht mehr.
Ja, so ungefähr.
Da muss ich aber nochmal fragen, Medizinbälle halten das aus, dass sie mit Stahlfedern gestochen werden?
Also diese große Braun, die man so aus dem Schulsportunterricht kennt?
Ja.
Das ist doch gut zu wissen.
Alex:
Wir übernehmen keine Haftung, wenn er es doch schafft, durchzustechen.
Ja, es kommt natürlich drauf an, was ihr für Waffen verwendet.
Wenn ihr jetzt hier eine Fechtfeder mit einer super schmalen Spitze, mit einem super schmalen Ort verwendet oder Rapiere, da kann es natürlich sein, dass ihr die schrottet.
Und je nachdem, was sie auch für eine Biegesteifigkeit haben.
Also wir verwenden halt recht flexible und breite, also flexible Klingen und breite Spitzen und da ist das kein Problem.
Michael:
Ja, ich gucke gerade so klassische Medizinbälle, so braune, kosten irgendwie 40 bis 50 Euro.
Da kann man schon nochmal einen nachkaufen, falls tatsächlich mal einer kaputt gehen sollte.
Alex:
Oder man macht halt so ein Pömpel drauf, so ein Pöpsel.
Michael:
Ja, ich meine, das ist natürlich auch wieder so ein bisschen die Frage, wenn du in den Medizinball reinstichst, ist es dann vielleicht auch generell sinnvoll, deine Spitze zu pöpseln?
Alex:
Ja, ja, das ist ein sehr guter Punkt.
Wenn du es schaffst, so einen Medizinball mit massiven Lederüberzug durchzustechen, dann könnte so ein Hinweis sein.
Würde ich mein Trainingsgerät hinterfragen, ne?
Michael:
Wie machen das denn die Sportfechte heutzutage?
Weil ich habe mit verschiedenen Leuten immer mal wieder geredet und ich habe gehört zu dieses, ja, da musst du erst mal ein halbes Jahr, Jahr nur Beinarbeit machen, bevor du überhaupt Partnertraining und so.
Das wäre so ein sehr oldschooles Ding.
Das hätte man zu Zeiten gemacht, wo die Kids halt reingeschickt worden sind in Massen und war ja nicht wichtig, dass die irgendwie alle dabei geblieben sind, sondern halt nur die mit Potenzial, die es quasi durchgehalten haben und die waren aber auch fit, ne?
Wenn die einfach zehn Jahre Fußballarbeit gemacht hatten, bis sie dann in die relevanten Turnierkategorien gekommen sind, dann war es auch in Ordnung, wenn es dann nur noch fünf übrig waren.
Die hat es dann halt drauf so.
Aber ich meine, du hast ja wahrscheinlich einen ganz guten Einblick.
Wie ist das heute?
Alex:
Also ich muss sagen, ich habe keinen direkten Einblick jetzt in das regelmäßige Kinder- und Jugendtraining bei uns.
Aber es ist schon noch so ein bisschen in dieser Tradition, also dass du, also es ist erstmal vorgegeben, was es für Techniken gibt bei der Beinarbeit, also Schritt, Halbschritt, Ausfall, Flash und dann hast du auch explizit so das Aus, also Leute stehen in der Reihe.
Kommando ausführen und korrigieren und dann der nächste Schritt und hier und dann hast du nicht gesehen.
Michael:
Also das heißt, jemand sagt Schritt XY, dann machen es die 10, 20 Kits und dann wird gesagt, hey, da hast du aber deinen Fuß nicht, mach mal anders und dann nächstes Kommando.
Alex:
Genau.
Was ich jetzt auch zum prinzipiellen Erlernen gar nicht so schlimm finde.
Also dass man …
was wir vorhin hatten, das Thema, dass wir eine gemeinsame Nomenklatur haben, dass du eben, wenn du sagst, mach mal einen Schritt, dass dann klar ist, was gemacht wird und dass so ein bisschen basic klar ist, was erwartet wird, finde ich das gar nicht schlimm.
Also, okay.
Michael:
Ja, ich meine, das mit der Nomenklatur, ich muss gerade beim Aufwärmen, also ich lasse die Leute nicht so gern im Kreis laufen, aber wenn ich das doch mal mache, das gefährlichste Kommando ist immer Richtungswechsel.
Drehen die Leute jetzt den Oberkörper und gehen in die andere Richtung?
Gehen sie rückwärts?
Schwierig, also der Sprache ist manchmal uneindeutig.
Alex:
Und dann werden da halt ganz viele …
von diesen Dingen in Bahnen vorwärts, rückwärts geschrubbt.
Ja doch, mit wahrscheinlich relativ viel Zeit dann, oder?
Ja, schon.
Also eine Bahn vorwärts, rückwärts, Schritte, Schrittausfall, Schritt, Schrittausfall.
Sprung haben wir auch noch.
Sprung, Schritt, Halbschritt, Ausfall.
Das ist eine geile Kombination, muss ich mal an der Stelle sagen.
Ja.
Michael:
Sprung heißt jetzt einfach, dass ich mich vor und zurück bewege, anstatt halt normalen Schritt zu machen, das gleiche nur mit dem Sprung.
Alex:
Genau.
Sprung heißt einfach, beide Füße sind gleichzeitig in der Luft.
Michael:
Ja.
Okay, finde ich interessant.
Ich hätte jetzt irgendwie gedacht, so Generation TikTok kannst du das nicht mehr machen, dass die einfach stumpf bisschen Beinarbeit trainieren.
Beziehungsweise ich könnte mir vorstellen, das ist so was, das machst du mit Kindern vielleicht noch, aber haben wahrscheinlich einige Leute auch Hemmungen, das mit den zumeist ja volljährigen Hemaisten zu machen, die dann hier im Anfängerkurs stehen und sagen, Schwertkampf, geil, wie vor, zurück, links, rechts.
Alex:
Deshalb machen wir es auch bei uns im HEMA-Anfängerkurs nicht so exzessiv in der stumpfen Form, dass wir sagen, jetzt haben wir heute anderthalb Stunden einfach mal Schritte vorwärts, rückwärts, sondern schon mit einer gewissen Abwechslung dahinter und ein bisschen einem Zielcharakter.
Also kleiner Einblick, wie bringe ich jemanden ein,
Ausfall bei, ich sag, du darfst, du legst jetzt mal dein Schwert irgendwie so einen Meter vor dich, vor deinen vorderen Fuß oder einen halben Meter, wenn du in Auslage, in Fechtstellung stehst und du darfst deinen hinteren Fuß nicht bewegen.
Ziel ist, dass dein vorderer Fuß vor dem Schwert steht und du hast genau eine Bewegung dazu zur Verfügung.
So, zum Beispiel.
Dann hast du eben dieses zielführende, ich muss einen gewissen Abstand überbrücken.
Wie ich das mache, ist mir egal, aber…
Viel mehr als ein Ausfall kommt da nicht bei rum.
Michael:
Du darfst alles machen, solange es ein Ausfall ist.
Alex:
Aber ich muss halt nicht sagen, guck mal, so sieht ein Ausfall aus, sondern ich kann sagen, hier, das ist die Aufgabe, löst das Problem und dann kommt halt ein Ausfall bei rum.
Und die Leute haben selber dann auch die Anforderungen.
Ich muss jetzt mit meinem vorderen Fuß da drüber.
Und das heißt, da muss eben auch ein bisschen Druck dahinter sein.
Es geht jetzt nicht so, dass ich da drüber schleiche, sondern das muss halt ein Ausfall sein.
Michael:
Ja, aber auch so bis jetzt hierher, das klingt jetzt nach wie vor alles nicht so wahnsinnig aufwendig und kompliziert, weil, weißt du, ich meine, ich habe ja ein Buch über den Schielaum geschrieben, wo man schon jetzt sagen kann, also den haben viele Leute auch jetzt nicht so gut gemacht, weil sie ihn halt inhaltlich nicht so richtig verstanden hatten und der sehr unterschiedlich gemacht wurde, aber auch an der Stelle jetzt, also…
Wie man Ausfall macht, ist jetzt ja auch kein Geheimwissen.
Da gibt es viele, viele, viele Infos dazu an allen Ecken und Enden mit allen möglichen Systemen.
Und trotzdem hat es sich irgendwie nicht so richtig verfangen.
Alex:
Ich glaube, das Problem beim HEMA ist explizit, dass es nicht sonderlich in Quellen drinsteht.
Also wenn wir jetzt von mittelalterlichen Langschwertquellen reden, da ist halt super viel mit Armen und Körper und dann vielleicht noch springt zur Seite oder so.
Und da wird dann eben viel mehr Wert auf dort eine Schieblinie gelegt oder auf eine Klingenausrichtung.
Und hier und da hast du nicht gesehen, weil du dort einfach
Viel mehr Informationen in der Quelle dazu hast.
Es ist ja im Allgemeinen so, dass die Leute das selber nicht beigebracht bekommen haben, so wirklich.
Wenn wir jetzt mal die HEMA-Bewegung betrachten.
ansieht, sondern die haben sich das irgendwie selber aus Fechtbüchern beigebracht und dann irgendwie so ein bisschen Frog DNA aus irgendwelchen Martial Arts noch eingebaut und dann fokussierst du dich natürlich auf das, was du hast und das ist eben ganz viel Blade Work.
Naja, dann muss man sich jetzt auch nicht, also finde ich es jetzt nicht verwunderlich, dass dort halt der Fokus drauf ist und dann eben nicht so sehr bei der Beinarbeit.
Michael:
Ach, du meinst einfach so anhand von dem, wie die verschiedensten Fechtbücher aufgebaut sind und worauf die Wert legen.
Also wenn jetzt da nicht drin gestanden wäre, Junger Ritter lernen Gott zu lieben und die Damen zu ehren, sondern Junger Ritter lernen Fußarbeit, Fußarbeit, Fußarbeit.
Ja, genau.
Dann erstmal zehn Seiten, wie Fußarbeit funktioniert und dann so.
Und wenn du das alles verstanden hast, dann machen wir mal einen Hau, dass dann die Leute vielleicht auch einen anderen Fokus in ihrem Trainingsaufbau und so gelegt hätten.
Ja.
Alex:
Es ist ja immer so dieses Ding, diese Faszination schwert.
Also der Punkt, den ich jetzt gerade angebracht habe, der bröckelt ja auch direkt, wenn du sagst, wenn du das Argument bringst, aber in den Quellen steht doch drin, alle Hübschheit kommt von dem Ring und Ring ist explizit erklärt und es müsste also jeder…
Erst mal exzessives Ringen machen, wovon wir auch Ringen ja von der Fußarbeit ist nicht so viel drin steht tatsächlich.
Ne Moment, also mir geht es jetzt um den Punkt, was steht drin in der Quelle, was steht nicht drin in der Quelle.
Also wir haben sehr viel Ringen drin und es steht explizit Ringen ist die Grundlage, das steht drin und es macht trotzdem auch keiner, weil das stimmt allerdings, weil alle sagen, boah, ich will was mit dem Schwert machen.
Also das ist halt so das Ding.
Das heißt, wenn jetzt da drinstehen würde und alle Höfigkeit kommt von der Beinarbeit, dann würde das wahrscheinlich auch nicht so viel ändern oder dann irgendwie Beinarbeitstrills explizit drinstehen.
Ich weiß es nicht.
Michael:
Ja, vielleicht ist es auch so ein historisches Ding natürlich, also jetzt im Sinne von der modernen HEMA-Bewegung, weil es gab ja schon viele, siehe Galvinze und Bad Easton und so, die kamen ursprünglich mal aus dem Sportfechten, wollten dann aber explizit ja nicht Sportfechten machen.
Das war ja so ein bisschen der Witz, ja, also vielleicht kommt es auch da dann her, dass man auch da gesagt hat,
Naja, also ob wir da jetzt Sportfechtpädagogik, was die Schritte angeht und wie viel man das übt und so, weiß ich ja nicht.
Eigentlich habe ich Bock auf Schwerter.
Alex:
Ja, das ist ja der Teufel, das ist Sportfechten.
Da können wir ja gleich Sportfechten machen.
Michael:
Ja, ich meine, weil das ist halt schon was, wo im Sport vielleicht auf jeden Fall ein sehr großer Wert gelegt wird.
Also ich weiß gar nicht, du hast ja jetzt inzwischen da auch ein bisschen mehr selber gemacht.
Wie ist dein Eindruck, was da so, also auf was wird wie viel Wert gelegt?
Ist jetzt irgendwie 70 Prozent Beinarbeit, 30 Prozent, was du mit der Klinge machst, ist es umgekehrt, ist es halb, halb?
Alex:
Also der größere Teil oder sagen wir mal die Hälfte bis der größere Teil ist schon Beinarbeit.
Also du kannst eine komplette Trainingseinheit nur mit Beinarbeit verbringen.
Da wird beim Sportfechten niemand sagen, komisch.
Ja, das nehme ich nicht so.
Nee, genau.
Michael:
Es ist auch, wenn ich mich jetzt so erinnere, das ist ja so ein wiederkehrender Kritikpunkt an so Workshops auf Events, weil da machen die Leute natürlich auch immer den coolen Scheiß so ein bisschen.
Und das ist ja auch immer, was man irgendwie mit der Klinge alles Faszinierendes machen kann.
Langs Messer ist da ja besonders berüchtigt dafür, dass man da die extra abgefahrenen Techniken rausholt für den Workshop.
anstatt die Sachen, die man irgendwie oft einsetzen kann.
Und ich war schon auch in ein paar so, wo es dann mehr um Fußarbeit ging, aber die waren schon eher so ein bisschen vereinzelt.
Auch da hatte man ein sehr verzerrtes Bild davon, wie am Ende wirklich so ein Training aussieht, weil da hast du dann halt auch jetzt nicht, also weißt du, wenn du zwei Stunden Workshop auf ein Event gibst und du sagst, ich will da die coolen Techniken A, B, C, D, E machen, dann machst du da nicht davon eine Stunde Fußarbeit.
Ja, das ist richtig.
Alex:
Ob das jetzt ein Problem ist, also da muss halt ein Grundlagen-Workshop machen.
Grundlagen-Beinarbeit.
Lädst dir einen Olympischen Fechter ein und sagst, schrubb mal hier zwei Stunden mit denen Beinarbeit.
Michael:
Ich meine, es ist ja sowieso bei Beinarbeit immer die Sache, das ist ja relativ zu sehen.
Wenn einfach keiner eine gute Fußarbeit hat oder eine gute Beinarbeit oder eine gute Bein-Fuß-Körperarbeit, dann ist ja auch wurscht, weil dann brauchst du selber auch keine.
Es ist halt immer so, wenn du dann aber doch jemanden dabei hast, der halt flink auf den Beinen ist und da entsprechend…
und auch athletisch gut trainiert, dann wird das halt auf einmal notwendig, das selber auch zu können.
Und dann merkt man erst mal so richtig, wo da denn die Grenze so ein bisschen auch liegt, habe ich den Eindruck.
Alex:
Da sind wir auch bei dem Punkt, was ist ein guter Fechter?
Da haben wir uns ja auch in einer Folge mal drüber unterhalten.
Und na ja, wofür brauchst du athletische Beinarbeit?
Das ist, wenn du Wettkämpfe fechten willst.
Also …
um einfach so ein bisschen, ich nenne es jetzt mal einfach gut auszusehen beim Fechten und so ein paar Techniken zu können, da brauchst du keine krass athletische Beinarbeit.
Das geht auch mit ein bisschen Basic-Sachen oder wenn das ein bisschen langsamer ist.
Aber wenn du drum fichst, als Erster zu treffen und nicht getroffen zu werden und dir es auch nur darum geht, um nichts anderes in einem abgesteckten Wettkampfkontext, dann brauchst du halt Beinarbeit.
Oder ist zumindest jetzt mir aufgefallen, dass das hilft?
Michael:
Ja, also ich meine, schaden wird es jetzt nicht.
Es ist ja immer nur so, trainierst du das eine oder trainierst du das andere.
Der einzige Kompromiss, den man hier ja machen muss, ist, was die Trainingszeit selber angeht, wenn man jetzt als Trainer das Training gestaltet.
Wenn man selber für sich nebenher trainiert, dann ist ja eh einfach, da kannst du ja in den meisten Fällen kein Partnertraining machen, da kannst du ja Beinarbeit trainieren, bis du schwarz wirst.
Wie meinst du, wann kannst du Beinarbeit trainieren, wenn du schwarz wirst?
Naja, also der einzige Grund, Beinarbeit nicht viel zu trainieren, ist ja einfach, dass man dann andere Sachen in der Zeit nicht trainiert.
Also wenn ich jetzt Trainer bin und ein Training aufbaue, muss ich mir das halt überlegen, wie viel mache ich das eine, wie viel mache ich das andere.
Wenn ich halt vom einen mehr mache, mache ich vom anderen weniger.
Das ist ja irgendwie ganz klar.
Und dann muss ich halt gucken, was wollen die Leute, was akzeptieren die noch.
Wie erwähnt, komplette Stunde, zwei Stunden Beinarbeit finden die meistens wahrscheinlich ein bisschen komisch.
Je nachdem, was wir halt vorher gewöhnt sind.
Wenn du jetzt aber eh Solo-Training machst, wo du ja keinen Partner hast, also irgendwas, was du halt nach der Arbeit noch eine Stunde machst oder so, da ist ja kein Problem.
Da kannst du ja Beinarbeit trainieren, noch ein Löcher.
Alex:
Ja, das ist richtig.
Das kommt halt auf deine Zielgruppe an im Training.
Also ich habe halt für meinen Club diese Zielgruppe auf so…
eng gesetzt, dass da klar ist, dass wir Beinarbeit trainieren.
Und ich glaube, es würde auch niemand irgendwie jetzt aus dem Training gehen und sagen, boah, das war heute scheiße, wenn wir einfach nur zwei Stunden am Stück irgendwie Beinarbeit machen würden.
Freuen sich natürlich alle, wenn wir dann auch was mit der Waffe machen.
Aber das ist halt gesetzt.
Michael:
Ich glaube, was da auch noch dazu kommt, was man vielleicht noch erwähnen sollte, ist generell auch die Menge des Trainings, die der durchschnittliche historische Fechter macht im Vergleich zum durchschnittlichen olympischen Fechter.
Ich würde mal behaupten, der durchschnittliche olympische Fechter trainiert einfach insgesamt mehr Stunden pro Woche.
Alex:
Das kommt auf das Alter an und natürlich auf das Level.
Also im Jugendbereich, klar, hast du drei bis fünf Mal Training und wenn du an der
an der Sportschule bist, dann hast du auch noch vormittags, also während der Schulzeit Training.
Das ist natürlich ein ganz anderes Level als im historischen Fechten, wo du teilweise so breitensportmäßig einmal pro Woche, vielleicht zweimal pro Woche trainierst.
Und wenn du dreimal pro Woche trainierst, dann bist du schon richtig gut dabei.
Michael:
Ja, das und natürlich, dass du halt jünger anfängst.
Selbst wenn ich spät einsteige, mit zehn, und dann habe ich mit 18 trotzdem schon acht Jahre Fechterfahrung, wo ich dann vielleicht drei, vier, fünf Mal die Woche sogar im Training war.
Und klar, wenn ich dann zwei Jahre irgendwie blankschwer trainiere und vorher acht Jahre olympisches Fechten gemacht habe zum Beispiel, dann bin ich halt auf einem ganz anderen Level, was die Fußarbeit angeht, als jemand, der halt mit 18 bei null anfängt und dann zwei Jahre lang schwer trainiert und so.
Du müsstest ja theoretisch dann, also das ist ja so ein bisschen der Vergleich, ich gucke mir jetzt irgendwie erwachsene Sportfechter an und denke mir, die haben schon gute Beinarbeit, aber die haben halt auch insgesamt mehr Trainingsvolumen über ihre gesamte Zeit bis dahin als auch teilweise halt jede Woche da nochmal und das…
Klar, wenn du halt einmal die Woche zwei Stunden trainierst, woher soll es denn auch kommen?
Das ist halt so ein bisschen das, was ich mir dann auch immer irgendwie als Gegenstück denke.
Alex:
Ja, die haben auch nie erst angefangen, als die Knie schon Schrott waren, weißt du?
Michael:
Nee, die haben nicht erst den ersten Ausfallschritt gemacht, als ich schon gesagt habe.
Ah!
Ich meine, das ist, das denke ich mir bei vielen von den Themen, wahrscheinlich würde sich einiges schon einfach lösen, dadurch, dass die Leute halt jünger starten und insgesamt mehr trainieren, also sowohl in ihrer gesamten Heimatkarriere insgesamt halt auch pro Woche, weil du siehst ja dann auch innerhalb der Vereine, wenn du halt Leute hast, die wirklich, also das Maximum von denen trainieren, was du halt an Kursen anbietest im Vergleich zu jemand, der hat einmal die Woche oder weniger da ist.
Dann ist halt ganz klar, wer da irgendwie mehr Fortschritte macht, weil auch zum Beispiel so Muskulatur aufbauen für einen großen Ausfallschritt von Explosiven, das ist halt, das funktioniert ja auch nur so richtig gut, wenn ich das mehrmals pro Woche mache.
Wenn ich das einmal pro Woche mache, merke ich schon auch einen Fortschritt, aber da ist halt, wenn ich das bis nächste Woche wieder dastehe, da ist halt teilweise schon wieder der Trainingseffekt.
Alex:
Ja.
Ich glaube, ein ganz wichtiger Punkt ist, dass viele, die im HEMA Trainer sind, halt keinen Plan haben.
Also jetzt nicht im negativen Sinne, die haben keinen Plan, sondern die haben einfach keinen Plan.
Die wissen es nicht besser.
Die wissen nicht, wie sie…
Beinarbeit trainieren sollen, wie sie eine Progression reinbringen, was dafür wichtig ist, was brauche ich an Kraftschnelligkeit, Ausdauer, was brauche ich an Stabilität, woran erkenne ich, welche Bereiche des Körpers ich trainieren muss, um dort XYZ zu verbessern.
Da bräuchte es ja mal eine fundierte Trainerausbildung.
Michael:
Ja, oder jemand schreibt ein Buch oder so.
Das Ding ist ja auch, es gibt halt ja dann auch schon sehr unterschiedliche Gründe, warum es bei Leuten nicht klappt, selbst wenn die eine ausreichende Menge Training haben.
Also dieses Thema mit Training.
Das, was sehr gut funktioniert, das sieht alles verhältnismäßig ähnlich aus.
Das, was alles nicht funktioniert, da gibt es aber halt eine sehr große Bandbreite, woran das dann wieder liegen kann.
Weißt du, zu Themen wie Gewichtsverteilung, wie viel Gewicht habe ich auf welchem Bein, das ist ja auch wieder je nach Waffensystem ein bisschen unterschiedlich, aber
Es gibt halt auch einfach Sachen, wo die Gewichtsverteilung für die Situation einfach nicht gut war, was man dann vielleicht selber gar nicht so merkt, wo dann auch wieder der Trainer das irgendwie sehen muss.
Dann ist da wieder die Frage, woher kommt denn das mit der Gewichtsverteilung?
Naja, liegt das vielleicht einfach daran, dass die Leute konstant nach vorne geneigt mit dem Oberkörper zum Beispiel fechten, wo ich halt eine andere Gewichtsverlagerung hinkriege, als wenn ich relativ aufrecht fechte oder vielleicht sogar ein bisschen zurückgelehnt.
Ähm, Beweglichkeit ist zum Beispiel auch so ein Thema.
Ich kann halt nur einen großen Ausfallschritt machen, wenn ich meine Beine weit genug auseinander kriege.
Wenn ich, was so Spagat angeht, einfach komplett unbeweglich bin, dann kriege ich auch keinen großen Ausfallschritt.
True story, ja.
Ja, dann ist halt so Dehnen zum Beispiel irgendwie ein Thema.
Und da gibt es dann halt auch wieder 100 Sachen, wo du halt eigentlich alle
Wissen müsstest du als Trainer und wo dann eigentlich es auch notwendig wäre, individuell den Leuten zu sagen, hey, pass mal auf, das ist dein Problem, das können wir jetzt heute nicht lösen, daran müsstest du halt daheim arbeiten, was dann halt auch wieder Leute nicht machen, die einmal die Woche oder weniger da sind in den meisten Fällen.
Alex:
Ja, aber dort ist halt dann die Frage, müssen wir es ändern?
Also wenn jemand ein oder weniger Male pro Woche da ist, dann sind die Ambitionen ja auch in dem Verhältnis.
Also die werden nicht sagen, boah, ich habe vor, die Helsinki Open zu gewinnen.
Halte ich zumindest jetzt für unwahrscheinlich, dass da jemand kommt.
Michael:
Also wenn jemand kommt und sagt, ich will Helsinki Longshore Open gewinnen und sie ist seit einmal die Woche oder weniger da, dann darf man als Trainer auch mal sagen.
Weiß ich nicht, Digga.
Alex:
Musste ganz schön keulen, die Stunde.
Aber gerade zu dem Thema Grundlagen.
Ich glaube, das Wichtigste ist am Anfang erst mal die Verletzungsprävention.
Also das ist etwas, womit sich meiner Meinung nach alle, die HEMA-Unterricht geben, beschäftigen müssen.
Wie gestaltet man das Ganze so, dass sich zumindest niemand verletzt und vor allen Dingen auch nicht dauerhafte Probleme einschleichen?
Also es
Es gibt natürlich akute Traumata, wenn ich jetzt, keine Ahnung, ich breche mir irgendwas oder so oder ich verdrehe mir irgendwas.
Aber es gibt ja auch dauerhafte Abnutzungsgeschichten, die halt irgendwann mal zu spät sind und die durch eine Fehlbelastung entstehen.
Und da kann ich gnadenlos empfehlen, die Anna Wiederenders einzuladen.
Das haben wir nämlich gemacht.
Also wer sie nicht kennt, bei uns im Podcast ist sie gewesen.
Ich weiß gerade nicht, welche Folge das war.
Und wir hatten damals über so quasi Physio-Geschichten gesprochen.
Und wir haben sie eingeladen für ein Seminar zu uns.
Zwei Tage.
Am ersten Tag ging es um das Joint-by-Joint-System.
Das vereinfacht gesagt, wird für jedes Gelenk, was so benutzt wird beim Sport, geguckt, was hat das für Bedürfnisse und worauf muss ich dann im Training achten, insbesondere bei der Erwärmung und
Und am zweiten Tag dann ging es ums Krafttraining und da waren die Grundlage, die Human Movements, also da hat sie auch bei uns im Podcast darüber erzählt, also was sind so typische Bewegungen, die wir seit Anbeginn der Menschheit machen und das sind dann eben so eine Handvoll, zum Beispiel Kniebeuge oder ein Ausfall oder nach unten bücken oder sowas.
Und
Und basierend darauf kann man ein sehr, sehr gutes Training gestalten, wo man sehr, sehr gut sagen kann, okay, ich brauche bei meiner Erwärmung das und das und das.
Wenn ich jemandem einen Schritt, einen Ausfall beibringe, achte ich auf das und das und das.
wenn ich jemandem einen Oberhau beibringe, achte ich auf das und das und das, weil ich dann immer anhand dieses Systems gucken kann, was ist denn jetzt hier gerade wichtig, damit die Gelenke, die dabei beteiligt sind, nicht verletzt werden.
Und woran merke ich auch, dass zum Beispiel irgendwie ein Gelenk, was du jetzt angesprochen hast, die Hüfte zum Beispiel nicht flexibel genug ist für einen weiten Ausfall.
Was macht mein Körper dann, um das auszugleichen?
Also der
Will ja trotzdem die Bewegung weitermachen.
Die Bewegung läuft weiter und wird dann durch irgendein anderes Gelenk kompensiert.
Und das war einfach richtig, richtig, richtig geiles Seminar.
Also kann ich nur jedem empfehlen, die, die nicht dabei waren.
Die Anna selber einzuladen und quasi das als Grundlage dafür zu nehmen.
Michael:
Also das war Episode 169.
Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, was du jetzt irgendwie anders machst, was du aus dem Seminar mitgenommen hast?
Alex:
Ganz konkret achte ich vielmehr auf den sogenannten Dreipunktstand.
Das Witzige ist, ich bin ja gerade noch so ein bisschen mit Reha beschäftigt.
Also ich hatte ja vor zwei Monaten eine Operation am Knie und bin da gerade mit Physio noch zu Gange.
Und
Da ist jetzt auch so ein großes Thema, die Beinachse.
Also Beinachse heißt Verbindung zwischen Hüfte, Knie und Fußgelenken.
Die sollten in einer bestimmten Achse stehen, also in einer bestimmten Art und Weise zueinander.
Und die Grundlage dafür, worauf es fußt, ist der Stand.
Also dass du guckst, dass du auf…
Ferse, Klein- und Großseeballen stehst und dort das Gewicht relativ gleichmäßig verteilst und das Knie in einer bestimmten Art und Weise über dem Fuß steht.
Und das kannst du dann bei allen Bewegungen natürlich kontrollieren, ob das so der Fall ist für dich selbst.
Also wenn du die Bewegung ausführst, wenn du das System einmal kennengelernt hast, wenn dir das beigebracht wurde.
Und worauf ich jetzt achte, ist, dass ich die Erwärmung noch schonender beginne.
Denn das ist einer der Kernpunkte, den sie vermittelt hat.
Rennen ist Springen und Springen ist drei- bis fünffaches Körpergewicht an Belastung für Knie zum Beispiel.
Das heißt, so typische Lauferwärmung ist,
Nicht so gut, weil du eigentlich erstmal eine Vorbereitung dafür brauchst zum Laufen.
Und dieses systematische oder dieses langsamere eben ranführen und den Fokus dabei auf darauf zu haben, welches Gelenk braucht jetzt gerade was bei der Erwärmung.
Also muss ich es mobilisieren?
Muss ich ein bisschen gucken, dass ich da stabil bin?
Das ist was, was ich danach entsprechend angepasst habe.
Michael:
Und das mit diesem Dreipunktstand, ist das was, wo man selber bei sich drauf achtet oder ist das was, wo der Trainer bei dir drauf achtet?
Weil das klingt wie was, was man nicht sehen kann.
Alex:
Genau, der Trainer kann da nicht wirklich drauf achten, besonders wenn du Schuhe anhast.
Also das siehst du dann einfach nicht.
Wenn jemand barfuß läuft, dann kann man da schon nochmal drauf gucken.
Also macht er…
ein ordentliches Längs- und Quergewölbe.
Also ist der Fuß ordentlich gekrümmt, sage ich jetzt mal vereinfacht.
Daran kann man das ein bisschen erkennen, wenn man ein geschultes Auge hat, also ein Physiotherapeut erkennt es.
Aber sozusagen wie die Gewichtsverteilung ist, da musst du selber drauf achten.
Und das ist dann auch eben subjektives Gefühl.
Stehe ich auf allen drei Punkten gleichermaßen?
Michael:
Und das ist jetzt ein Verletzungspräventionsthema, kein Athletik-Ausfall-wird-schneller-besser-weiter-Thema?
Alex:
Das ist primär ein Verletzungspräventionsthema.
Du hast dann natürlich aber auch den Effekt, wenn du die Gelenke in der Physi…
Art und Weise benutzt und Gelenke, die jetzt benötigt werden, entsprechend mobilisierst, das heißt den Bewegungsradius vergrößerst, zum Beispiel beim Hüftgelenk oder beim Sprunggelenk, beim oberen Sprunggelenk haben wir gelernt, dann hast du dort natürlich auch Vorteile in der Bewegungsausführung.
Du bist dann eben nicht so limitiert, sondern kannst dann eine Bewegung einfacher machen.
Michael:
Und ihr habt das, das war ein Wochenendseminar dann?
Genau, Samstag, Sonntag.
Also so ein klassisches Beispiel für Überkompensation wäre ja, dass man, also wenn man zum Beispiel in den Ochs geht und man lässt die Schultern unten, ist das kein Problem, dann kommen die Arme locker in den Ochs und der Rest vom Körper bleibt gerade.
Aber wenn ich die Schultern hochgezogen habe und ich gehe mit den Armen nach oben, dann komme ich irgendwann in so einen Widerstand, wo es nicht weitergeht.
Und dann kompensiere ich das halt, indem ich ins Hohlkreuz gehe, weil die Arme das sonst nicht mehr hinkriegen mit hochgezogenen Schultern.
Das ist für mich immer so ein gutes Beispiel, um das zu illustrieren, was halt, also wie sich das auswirken kann und dann die Leute so, immer wenn ich irgendwie im Ochs bin und dann mach ich da was, da krieg ich immer Rückenweh im unteren Rücken, weiß auch nicht, woher das kommt.
Ja, ganz genau.
Ja, spannend, spannend.
Und alle Leute, die noch mit Lacrosse-Handschuhen trainieren, so, ah, also so wie ich mit den Fingerbräuchen kommt’s da eigentlich nicht drauf an.
Kleiner Scherz am Rande.
Aber im Prinzip ist es so.
Ist das jetzt aber irgendwie, die Sache ist aber jetzt ja nicht verloren, oder?
Also ich meine, das ist so ein bisschen drin in der Himmelsszene, zumindest im deutschsprachigen Raum, dass jetzt Fußarbeit, da wird zwar gerne mal drüber geredet, aber nicht so viel drüber trainiert, sozusagen.
Aber eigentlich ist das ja so ein reines meine Verteilungsfrage.
Es ist auch eine Wissensfrage so, aber es ist vor allem ja eine Prioritätenfrage.
Das glaube ich das bessere Wort.
So und wenn jetzt irgendwie die Leute da eine höhere Priorität drauflegen würden, dass die Beinarbeit irgendwie einen höheren Stellenwert hat.
Also sowohl von Sicht der Trainer, die sagen, ich räume dem halt mehr Zeit ein, als auch aus Sicht von den Teilnehmern, die sagen, Beinarbeit, das ist so cool.
Ich möchte nur Beinarbeit machen, jeden Tag, den ganzen Tag.
Dann würde sich das ja eigentlich lösen lassen, oder?
Ja, da habe ich recht.
Eigentlich Angebot und Nachfrage.
Also im Grunde jeder, der jetzt hier zuhört, müsste eigentlich sagen, da haben sie echt einen Punkt.
Also meine Beinarbeit ist auch nicht ideal.
Jetzt gehe ich zu meinem Trainer und sage, Trainer oder Trainerin, ich hätte mal so richtig Bock.
Können wir einfach mal ein halbes Jahr Beinarbeit machen.
Können wir mal richtig schrubben, genau.
Genau.
Das ist geil.
Und dann wird jemand von der Trainer so, weiß nicht, und wenn dann irgendjemand anderes sich beschwert, dann einfach zack, Ausfallschritt, Watsche geben und sagen, nee, das machen wir jetzt.
Alex:
Da hast du immer noch so ein bisschen natürlich das Problem der Planlosigkeit, also dass dann Trainer vielleicht gar nicht wissen, wie trainiere ich jetzt Beinarbeit,
Aber auch da wieder, guck halt, wo du was siehst, bei einem Event oder bei einem Wettkampf, was auch immer, wo du sagst, boah, das sieht ja brauchbar aus bei den Leuten, das hätte ich auch gerne.
Und dann lädst du da jemanden ein.
Michael:
Also du findest doch 100 Videos auf YouTube, wie die Sportfechte Beinarbeit-Kombos trainieren.
Und wenn du sagst, diese Bewegung gibt es in meinem System nicht, die musst du ja dann auch nicht machen.
Dann mach halt den Rest.
Wenn du sagst, Sprünge machen wir nicht, dann mach halt alles, was nicht Sprünge ist, oder?
Alex:
Der Punkt ist, für den Einstieg gebe ich dir recht.
So ein YouTube-Video, ganz cool.
Um dann wirklich zu gucken, um die Funktionalität reinzubringen.
Also ich habe auch mit YouTube die Videos damals angefangen.
zehn Jahren jetzt vielleicht, mir da mal Sportfechtbeinarbeit anzugucken.
Es war dann trotzdem ein himmelweiter Unterschied, als ich das mal von jemandem gelernt habe, dann so richtig.
Warum?
Also was war der Unterschied?
Dass ich das, wie soll ich das beschreiben, dass ich im Endeffekt das System nicht so wirklich dahinter verstanden habe.
Ich habe die einzelnen Bewegungen
gesehen und habe die trainiert, aber so das Gesamtsystem, wie kriege ich es hin, Beinarbeit dann auch entsprechend zu nutzen, worauf muss ich achten, wie kann ich das systematisch trainieren, das hatte ich damals, also habe ich aus den YouTube-Videos sozusagen nicht entnommen und wie gesagt, das war vor zehn Jahren, vielleicht gibt es jetzt auch einfach bessere YouTube-Videos.
Michael:
Also du meinst jetzt so auf das Ziel ausgerichtet?
Ich habe es glaube ich immer noch nicht ganz verstanden.
Also was genau hat dir gefehlt?
Alex:
Na, mir hat eine Systematik gefehlt, also dass mir ein Trainer sagt, guck mal, trainier das und das und das in der und der Reihenfolge, damit du das und das erreichst.
Also das hatte ich halt bei, aus den YouTube-Videos nicht entnehmen können, da hast du ja eben, so trainiert man Ausfälle oder so trainiert man Schritt vor, so trainiert man Kombinationen, so trainiert man bestimmte Angriffe mit der und der Beinarbeit, das ist da alles drin, aber dass du sagst, hier, guck mal, das willst du ja erreichen, also machst du das und dann machst du das und dann machst du das.
Michael:
Okay, also so quasi, das war für dich nicht vom Ziel her erklärt, sondern das war schon vorausgesetzt, dass du weißt, worum es geht und jetzt nur noch so ein paar Kombis quasi erklärt, wie man das alles zusammen trainieren kann.
Und das, was dir gefehlt hatte, war, schau mal, das ist das Ziel und so kommst du hin auf dem einfachsten Weg, aber der Gegner wehrt sich ja auf irgendeine Art.
Das heißt, der einfachste Weg geht nicht.
Dann kannst du es so vorbereiten oder so ergänzen oder so variieren.
Alex:
Genau, und dann, wenn du das einmal verstanden hast, dann kannst du dir auch, dann …
Kannst du mit den Methoden auch wieder was anfangen, weil du sagst, okay, ich merke jetzt, ich muss eine Kombination Sprung vor Ausfall trainieren, weil aus Grund X, das ist eben jetzt in meinem aktuellen Training, brauche ich das jetzt.
Und dann kannst du wieder angucken, okay, wie trainiere ich das jetzt am besten.
Dafür sind dann YouTube-Videos echt gut, um so Inspirationen zu bekommen.
Michael:
Ja, okay.
Aber das ist jetzt ja halt auch wieder was, das ist selbst für so ein Wochenseminar schwierig rüberzubringen, weil du kannst ja das quasi alles machen, aber eigentlich ist das ja was, was du nur in so einem kontinuierlichen Feedback-Zyklus mitkriegst.
Du hast das eine, okay, habe ich jetzt verstanden, oh, jetzt hat es sich ein neues Problem ergeben, dann hast du wieder jemand, der sagt, ja, ja, guck mal, aber da kannst du jetzt die zwei Sachen, die du eh schon kennst, ein bisschen anders zusammensetzen und kannst du das Problem auch lösen.
Ach so, ja, dann probiere ich das mal, oder?
Ja, also so ein Trainer ist immer eine feine Sache.
Okay, dann ist es doch wieder schwieriger, weil dann brauche ich quasi einen, jemand, der es schon kann, damit es die Leute können.
Alex:
Oder du musst es halt, du musst das System irgendwie mal verstanden haben.
Also ich bin dann auch erstmal…
Also wie habe ich das dann gelernt?
Ich bin dann hier beim Sportfechten auf Tom gestoßen, der mir die liebevollen Worte sagte.
Also das, was ihr so mit den Schwertern macht, das ist ja schon echt richtig cool, aber eure Beinarbeit ist richtig scheiße.
Und dann habe ich mir halt das mal erklären lassen, was man da trainiert und warum und damit konnte ich dann auch erstmal sehr viel überbrücken oder was heißt überbrücken, aber damit konnte ich erstmal sehr viel erreichen und dann auch verstehen und dann konnte ich ihn zu spezifischen Dingen fragen, sag mal, wie würdest du das und das trainieren oder hier und da und hast du nicht gesehen.
Aber das sind dann kleinere, ich sag mal kleinere Brocken, die dann noch kommen.
Also die kriegt man auch irgendwie anders gelöst.
Michael:
Ich meine, wir sind jetzt ja erst eine Stunde zwölf oder so dabei.
Kannst du das System Beinarbeit noch zusammenfassen in der restlichen Zeit?
Das System Beinarbeit?
Alex:
Ich glaube, ein ganz wichtiger Punkt ist, dass jeder, der Beinarbeit trainiert, was ich vorhin schon sagte…
Irgendwie versteht, warum.
Also, dass man aus seinem System, was man trainiert, sei es jetzt Langschwert-Lichtenauer oder Langschwert-Meyer oder sei es spanisches Rapier, italienisches Rapier, dass man die Anforderungen einmal klar hat für sich.
Also, was sind typische Situationen?
Die ich bewältigen muss, wofür brauche ich Beinarbeit?
Also muss ich jemanden mit einem Stoß treffen aus einer sehr tiefen Position, keine Ahnung, beim italienischen Rapier zum Beispiel.
Wenn ich mir jetzt zum Beispiel das spanische Rapier angucke, da…
Also sieht es zumindest für mich so aus von außen, muss man ein bisschen vorsichtig formulieren, dass ich hier nicht von Chris einen auf den Deckel kriege, aber Beinarbeit ist so, ich will nicht sagen redundant, aber geht so.
Michael:
Also funktioniert sehr anders als beim Italienischen.
Genau.
Ganz genau.
Tatsächlich, spanisches Rapier fällt ein bisschen aus dieser vorher erklärten Logik raus.
Das ist sehr viel auf dem Kreis und mit Zeitwertschritten und so.
Das ist ein bisschen untypisch, sagen wir mal.
Alex:
Und da muss ich mir halt erarbeiten, was ist für mein System wichtig?
Was will ich auch für ein Fechten haben?
Was will ich für ein Fechten unterrichten?
Brauche ich das überhaupt?
Also kann ich auch mit minimalistischer Beinarbeit
vielleicht zum Erfolg kommen, indem ich sehr reaktiv fechte und einfach super schnell in den Armen bin.
Ich kann das ja kompensieren.
Ich lege da den Fokus woanders hin.
Ich glaube, das ist das Erste, was man für sich mal festlegen muss, welches Ziel verfolgt mein Beinarbeitstraining.
Und wenn ich das Ziel dann habe, ich möchte weite Angriffe machen, ich möchte…
immer stets stabil sein, also vor und nach dem Angriff, dann ergeben sich dann einzelne Bewegungen, zum Beispiel Ausfälle oder Schritte.
Und dort kann ich dann wiederum gucken, okay, was ist denn jetzt bei denen essentiell?
Also bei einem Ausfall, wenn ich da schnell wieder in die Fechtstellung muss, ja, dann weiß ich, okay, ich muss einfach stumpf erstmal Quadrizeps pumpen,
dass der resilient wird, dass ich dieses, wir gehen in den Ausfall und kommen wieder hoch, wir gehen in den Ausfall und kommen wieder hoch.
Also dort ist dann durchaus erstmal so eine Grundlagenathletik gefragt, die notwendig ist.
Und wenn ich das dann habe, dann kann ich mir überlegen, okay, wie mache ich das jetzt schneller zum Beispiel?
Und dann sind wir bei Übungen, die ich vorhin zum Beispiel erklärt habe oder
auch ganz viel eben Partnerübungen.
Also was ich auch sehr, sehr, sehr gut finde zum Beinarbeitstraining, sind Partnerübungen mit einer Aufgabe, also wo du versuchst, deinen Partner irgendwo zu treffen, aber eben nur mit der Hand.
Wo du eben sehr viel rausnimmst an Klingengeschichten, sondern du darfst nur den Partner treffen.
Und zum Beispiel darfst du die Hand des Partners nicht abwehren, sondern du darfst nur mit deinem, also beim Olympischen Fechten heißt das Körperparade, du darfst sozusagen nur ausweichen und dann treffen.
Also du meinst das komplett ohne Schwertenübung einfach machen?
Genau, komplett ohne Schwertenübung und du versuchst deinen Partner an der Schulter zu treffen, der versucht dich an der Schulter zu treffen.
Ihr müsst immer in einer Auslage bleiben und ihr dürft, wenn der Partner jetzt versucht anzugreifen, darf ich den nicht mit meiner Hand wegschubsen sozusagen.
Ich darf das nicht parieren, sondern ich kann nur durch, indem ich meinen Körper zurückbewege, das entsprechend machen.
Und dann habe ich schon mal sehr, sehr viel an Beinarbeitstraining drin, was auch dann eben eine gesamte Bewegungskette abbildet.
Also so Hand, Körper, Fuß.
Michael:
Es ist schon ein bisschen lustig, weil auch das, was du jetzt gerade erklärt hast, das klang jetzt auch nicht so, als wäre das irgendwie Raketenwissenschaft hier.
Also wenn man so Leute darüber erzählen hört, ist das halt immer so, ja, Beinarbeit halt.
Ist schon alles irgendwie logisch, dass das alles irgendwie ein Ding ist.
Das ist irgendwie auch so eine Sache.
In der Theorie ist das alles total einfach, total klar, total simpel.
Aber in der Praxis stellt es sich dann als doch nicht so einfach aus.
Ich könnte mir auch vorstellen, das liegt so ein bisschen daran, dass manchmal die verschiedenen Ebenen, in denen man Fußarbeit nutzen kann, miteinander so ein bisschen vermischt werden.
Du hast jetzt gerade das Beispiel gemacht, Ausfallschritt.
Ich habe einen großen Ausfallschritt gemacht.
Ich muss ihn halt auch wieder auflösen, also zurückkommen aus dem Ausfallschritt.
Das ist halt was, da brauche ich eine gewisse Technik, aber wie du sagst, eben auch eine gewisse Athletik.
Also wenn ich einfach die Muskeln nicht habe, mich wieder hochzudrücken schnell, dann klappt das halt einfach nicht.
Dann habe ich schon mal quasi die Technikebene, also wie ich den eigentlichen Schritt mache, aber auch die Athletikebene.
Dann kannst du aber ja natürlich noch Fußarbeit, ich sage mal schlechte Fußarbeit kompensieren, beziehungsweise die Wirkung davon verbessern, wenn ich auf der taktischen Ebene das noch irgendwie besser vorbereite.
Weil zum Beispiel auch wieder das Beispiel, ich möchte jetzt irgendwie näher an dich rankommen, ohne dass du das merkst oder ohne dass du darauf richtig reagieren kannst.
Dann kann ich halt das Beispiel vom Anfang machen, dass ich einfach größere Schritte mache, als du zu dir hinzugehen.
Ich kann aber zum Beispiel auch sowas machen mit, ich täusche mit dem Oberkörper irgendeine Aktion an, dann erschrickst du dich kurz, machst so eine Abwehrbewegung.
Ich habe aber nicht tatsächlich angegriffen und während du die Abwehrbewegung machst, habe ich unauffällig einen kleinen Schritt auf dich zugemacht.
Dann bin ich jetzt auch ein Stück näher an dir dran.
Ohne, dass du vielleicht bemerkt hast, dass ich den Abstand verringert habe.
Und jetzt brauche ich auf einmal gar nicht mehr so einen großen Schritt, wie ich ihn ursprünglich mal gebraucht hätte.
Und habe ich diesen ganzen Bereich umgangen, dass ich jetzt irgendwie gute Athletik brauche, um einen richtig knackigen Ausfallschritt zu machen.
Indem ich halt einfach sage, ich habe mich auf einer taktischen Ebene irgendwie geschickt angestellt und mich in die Reichweite so ein bisschen reingemogelt.
Und
Auch das ist halt so, sehr erfahrene Fechter, die irgendwie auch gute eigene Beinarbeit haben, die lassen das häufig nicht mit sich machen.
Aber gerade in so gemischten Gruppen kommst du halt schon immer sehr weit mit so Sachen, wenn halt die Leute selber nicht so super erfahren sind.
Und dann kannst du irgendwie, wenn du einfach der erfahrene Fechter bist, auch ziemlich so eine Schluffi-Fußarbeit machen.
ohne dass das so richtig bestraft wird.
Alex:
Ich würde es aber nicht als Schluffifußarbeit bezeichnen, denn für so eine Aktion brauchst du einen sehr, sehr präzisen, sehr schnellen kleinen Schritt.
Den musst du erst mal hinkriegen.
Also der darf jetzt nicht getrampelt sein, der muss unauffällig sein, der muss trotzdem Distanz überbrücken, der muss ziemlich babab sein.
Also das hinzukriegen, das ist schon nicht ohne.
Michael:
Also es ist auf andere Art anspruchsvoll, sage ich mal.
Alex:
Ja, du hast nicht diese brutale, ich nenne es jetzt mal brutale Schnellkraftathletik dahinter.
Michael:
Genau, weil das ist schon so ein Ding.
Also ich habe zum Beispiel, was so Schnellkraft angeht, da bin ich nicht gut unterwegs.
Generelle körperliche Athletik, da bin ich auch überhaupt nicht gut unterwegs.
Und Lydia macht sich regelmäßig darüber lustig, wie, ich würde es ja Energieeffizient nennen, sie würde das eher faul nennen, ich rapierfechte.
Und das ist halt das, was ich gut kann.
So Aktionen verschleiern, irgendwie die Leute ablenken mit irgendwelchen Krams.
Dann brauche ich den ganzen Krams nicht so sehr.
Aber das sorgt halt auch dafür, ich habe wenig Anreiz tatsächlich irgendwie athletische Fußarbeit zu trainieren in den meisten Fällen.
Außer du hast halt mal jemand im Rapiertraining, der hat aus dem Sportfechten kommt und selber halt eine sehr gute Fußarbeit hat und der sich mit diesen ganzen Spielchen nicht verarschen lässt.
Und dann dazu noch eine gute Fußarbeit hat.
Genau.
Das spielt halt, glaube ich, da auch alles mit rein.
Weil wenn du natürlich gezwungen wärst, das immer irgendwie zu machen, dann wäre der Anreiz höher.
Dann würdest du sagen, Mensch, da komme ich jetzt irgendwie nicht weiter.
Ich muss mal echt gucken, dass ich meine Beinarbeit auch vordermann kriege.
Aber du hast ja auch in den HEMA-Vereinen immer dieses, ja, ich weiß nicht, ob es ein Problem ist, aber einfach diese Sache.
Du hast ja, der größte Block bei den Vereinen sind ja immer die Anfänger.
Und je weiter du nach, also…
Je länger Jahre Mitgliedschaft ist, desto weniger Leute werden es an der Ebene und du hast ja häufig auch nicht so dieses, also wenig Vereine sind groß genug, dass die ein eigenes explizites Fortgeschrittenentraining haben, sondern die haben meistens ja so gemischte Gruppen die ganze Zeit und dann kannst du dir halt immer, wenn dich keiner dazu zwingt, einfach Leute suchen, die unter deinem Niveau fechten, weil sie halt viel weniger lang dabei sind.
Und kannst da so ein bisschen fußabwärtsmäßig vor dich rumdödeln.
Alex:
Klar, wenn du das willst.
Also das ist ja auch vollkommen okay.
Also wenn du das für dich, wenn du einfach zum Training gehst, einfach ein bisschen fechten willst, da jetzt nicht so diese krassen Ambitionen hast, ist das ja vollkommen okay.
Michael:
Genau, das ist, grundsätzlich ist das okay, es ist aber halt so ein selbstverstärkendes System, weil dann halt andere Leute wieder mit dir fechten, du hast dann nicht so eine knackige Fußarbeit und haben die auch keine so eine knackige Fußarbeit und werden da halt, ne, das ist was anderes, als wenn du jetzt so, sag mal mal, das müssen ja nicht alle Leute sein, das ist ja unrealistisch, aber sag mal mal, du hast, in jedem Training ist ein Drittel der Gruppe einfach so, dass die richtig knackige Beinarbeit hat, richtig schnell, athletisch, vor, zurück, bam, bam, bam, alles, was für deine Waffe irgendwie relevant ist, können die halt richtig gut,
Das zieht halt den Schnitt insgesamt nach oben, weil das alle anderen dazu zwingt, die trainieren ja nicht nur immer miteinander und selbst wenn du nicht direkt mit denen trainierst, siehst du halt passiv, was da alles möglich ist und wie das auch aussehen kann und dann hast du halt ein anderes Anreizsystem, glaube ich, dich selber auch mit dem Thema zu beschäftigen.
Ja, absolut.
Aber das ist halt nicht so.
Alex:
Da sind wir wieder jetzt bei der Einstiegsfrage, warum ist das in der Himmelsszene so?
Das ist die Antwort.
Ich glaube, da ist halt sehr viel, ich sage jetzt mal Problem, aber es ist kein Problem, aber Grund, dass da nicht so viel Kompetitivität oftmals dahinter ist.
Michael:
Ja, plus halt, das ist ja die gleiche Diskussion wie Ringen am Schwert, wo die Leute immer ganz kommen, aber die sind ja nicht fürs Ringen gekommen, die sind ja fürs Schwert gekommen und so und die gleiche Diskussion hast du ja auch bei der Fußarbeit.
Ja, Fußarbeit, ja, das ist schon auch relevant, aber eigentlich, ah, Schwert und so.
Eigentlich wollen wir das mit dem Schwert machen, ja.
Eigentlich ist es ein Imageproblem, am Ende glaube ich.
Ist alles ein Imageproblem, wenn einfach Beinarbeit wäre, wäre das, wo die Leute sagen würden, das ist das, weshalb ich hier bin.
Aber ist es halt nicht.
Weil da könnte es halt echt zum Olympischen Fechten gehen, wenn du sagst, ich will so richtig auf hohem Niveau Beinarbeit machen und der Rest ist mir egal.
Alex:
Ja, das würde ich ja auch so empfehlen.
Also fangt mit Turnen an, dann macht er Ring, also so richtig olympisches Ring.
Zwei, drei Jahre Dagestan.
Dagestan in Fagott.
Ja, genau.
Und dann geht er zum Olympischen Fechten und dann ist auch egal, was man euch in die Hand gibt.
Also, weil ihr einfach über den Gegner drüber springen könnt.
Michael:
Das ist…
Ja, das ist aber echt so.
Ich meine, es gibt auch bei den Ringern Leute, die einfach, also Ringer sind ja eh generell sehr athletisch, weil die halt nicht-athletische Leute aussortieren, beziehungsweise die werden dann halt spätestens dann extra-athletisch.
Aber da hast du Leute, die können halt wirklich aus dem Stand über dich drüber springen und machen das halt auch, wenn du so irgendwie versuchst, einen Takedown zu machen.
Alex:
Ganz genau.
Also wir hatten ja das Seminar mit dem Elias, mit dem Elias Flatscher und da ist so was, weißt du was, beim Sportfechten oder beim römischen Fechten, die Beinarbeit ist, ist halt bei den Ringern Turnen, so Turnengrundlagen.
Kopfstände, Handstände, Rolle vorwärts, Ratschlagen, hier und da hast du nicht gesehen, also das Beweglichkeit und du musst halt irgendwie aus allen möglichen
Körperpositionen in der Lage sein, in alle möglichen anderen Körperpositionen zu kommen.
Also aus Kopf über auf die Beine und wieder zurück.
Michael:
Du brauchst halt auch die Beweglichkeit, dass alle deine Gliedmaßen in beliebige Richtungen abgebogen werden können, ohne dass was kaputt geht, weil das halt was ist, was passiert.
Alex:
Jep, ganz genau.
Haben wir halt auch nicht so die Zielgruppe dafür im Himmel.
Michael:
Ja, das ist ja, ich meine, das ist halt auch so, wenn die Leute halt ins Thema kommen, sind es ja durchaus auch häufiger mal Leute, die halt vorher jetzt nicht so viel mit Sport im Hut hatten, weil wer kann es ihnen verübeln?
Schulsport ist halt schon häufig echt das allerletzte.
Das ist halt so ein anderer Vorteil, wenn du die Leute natürlich mit, weiß ich nicht, acht oder so.
Da ist das noch nicht entschieden sozusagen, da ist deine Entwicklung ja noch voll im Gange.
Wenn du dann natürlich einen Sport findest, wo du sagst, da finde ich mich richtig wieder und da gehe ich drin auf und da habe ich ja wirklich Spaß dran, den viel zu machen.
Das beeinflusst natürlich deine gesamte Entwicklung auch sehr positiv.
Ich meine, ich kenne mich da jetzt nicht gut drin aus, aber es gibt schon so ein paar Sachen, wenn du da halt im Wesentlichen quasi keinen Sport und nur sehr wenig gemacht hast in deinen Spielen.
Formativen Jahren, in deiner Kindheit, in deiner Jugend, da kommst du teilweise, also da kannst du bestimmte Sachen einfach nicht mehr komplett aufholen.
Musst du jetzt auch nicht, musst du ja nicht noch eine Goldmedaille holen bei Olympia oder sonst was, aber es ist halt einfach so, es beeinflusst dich halt auch, wie du dich entwickelst und wenn du halt schon ankommst mit Entwicklung ist fertig und Entwicklung war halt sportlich nicht so ergiebig bisher, dann ist halt auch manches schwieriger als das andere, weil ich wäre glaube ich
Alex:
Das ist ein gewisser Fluch, aber naja, kann nur das Beste draus machen und Beinarbeit trainieren.
Michael:
Können wir noch irgendwie was Positives so zum Abschluss sagen, dass wir auf einer positiven Grundnote den Podcast heute beenden?
Alex:
Wir waren ja positiv unterwegs.
Beinarbeit ist was Gutes.
Beinarbeit sollte trainiert werden.
Genauso wie das Ringen und athletische Grundlagen.
Das ist ja meiner Meinung nach vollständig positive.
Beinarbeit ist positiv konnotiert.
Michael:
Es gibt so ein Gag im brasilianischen Jiu-Jitsu, dass du so jedes Problem, was du hast, wenn du sagst, oh Trainer, ich habe das und das Problem, was soll ich machen, dass dann die Antwort einfach immer ist, move your hip, bewege deine Hüfte.
Da gibt es auch so, weißt du, diese 8-Balls, wo du schütteln kannst, wo dann die Antwort kommt, da haben auch Leute welche gebastelt, wo einfach immer kommt, move your hip.
Und es ist ein bisschen im Fechten ja auch so, jedes Problem kannst du erst mal sagen, ah, was könnte ich machen?
Ja, Beinarbeit.
Ich bin getroffen worden, was habe ich falsch gemacht?
Beinarbeit.
Ich habe nicht getroffen, was habe ich falsch gemacht?
Beinarbeit.
Ja, finde ich gut.
Ja.
Ich bin auf dem Weg zum Bus ausgerutscht, was war das Problem?
Beinarbeit.
Ja.
Okay, dann lassen wir es hier.
Aber ihr habt es ja gehört, liebe Hörerinnen und Hörer.
Beinarbeit, Beinarbeit, Beinarbeit, Beinarbeit.
Könnt ihr jetzt mal zu eurem Trainer gehen und sagen, Trainer, Beinarbeit, Beinarbeit, Beinarbeit, Beinarbeit.
Bis in 14 Tagen.
Ja, und wenn er dann sagt, alles gut bei dir, hast einen Herzinfarkt, dann sagst du, nein, ich habe Beinarbeit im Herzen.
Alex:
Macht’s gut, tschüss.
Ciao.
Michael:
Halt bitte noch nicht weglaufen.
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